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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-07-01 · Heft 7 (1.7.1886) · p. Seite 152

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 7 (1.7.1886)
Date
1886-07-01
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
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152 hatten, daß sie sich nicht recht entschließen konnten, dieselbe gleich ihren Brüdern zu verlassen, als ihnen Cyrus die Erlaubnis dazu gegeben. Jedoch war es nicht Entfremdung, welche die babylonischen Inden von der heiligen Wiegestätte ferngehalten; vielmehr blieben sie durch innige geistige Bande mit ihr verknüpft. Politisch Perser durch und durch, war ihre Pietät, ihr religiöser Sinn ehrfurchtsvoll den Fortschritten und Entscheidungen der palästinischen Lehrhäuser, an deren Spitze das Patriachat, zngewandt. Aber eben dieses Patriachat hatte mit Juda Hanassi bereits seinen Höhepunkt überschritten. Sowohl die stufenweis abnehmende Bedeutung seiner Nachfolger, als auch der wachsende Druck der oströmischen Kaiser waren die Vorboten für das Erlöschen jedes Geisteslebens der palästinensischen Juden, und mit ihnen der Juden überhaupt, wenn nicht, wie wir es in der jüdischen Geschichte öfter wahrnehnien, die Vorsehung dafür gesorgt hätte, daß nunmehr nach einer änderen günstigeren Gegend der geistige Mittelpunkt verlegt werde für eine weitere mächtige Entwicklung. Dieser günstige Boden aber war nun Babylon geworden, und zwar durch eben jenen ans Palästina hei ingekehrten genialen, edlen und glücklicher Weise auch reichen Abba Areka. Unterstützt von der Freundschaft des persischeil Königs Artaban verwendete Abba seinen Reichtum zur Gründung des berühmten Lehrhauses in Sura um 219 n. Ehr. und zur freigebigen Verpflegung der bedürftigen Jünger, deren Zahl auf 1200 angegeben wird. Sura wird so Sitz der jüdischen Wissenschaft auf lange Zeit. Der ideale Wissensdrang, die gewaltige beispiellose rege Denkarbeit, welche von dieser Zeit bis zum Ausgang des 10. Jahrhunderts die babylonische Judenheit erfüllt und im babylonischen Talmud sowie in den Werken der Gaonen ihren Ausdruck gefunden — sie knüpfen sich vornehnrlich an das suranische Lehrhaus, und somit an die mit umfassender Gelehrsamkeit gepaarte Mäcenität Abba Areka's. Doch die eigentliche Aera des jüdischen Mücentums fällt in die spanische Glanzepoche der jüdischen Geschichte. Wieder nämlich war es dahin gekommen, daß der geistige Mittelpunkt des Jndentums seinen Sitz wechseln mußte. Wie einst die palästinensische Patriarchenwürde durch die Undlildsamkeit der byzantinischen Kaiser, so eilte jetzt das babylonische Exilarchat durch den wachsenden Fantismus der Mohamedaner seinem Untergange entgegen. Mit dem Tode des Gaons Saadja um 942, dieses letzten glänzenden Vertreters der jüdischen Wissenschaft im Oriente, erlosch der letzte Abendschimmer der suramschen Akademie. Aber die Suraner konnten diesen Untergang nicht verschmerzen. Sie machten darum Anstrengungen, sich wieder in die Höhe zu bringen und sandten vier junge Gelehrte ins Ausland, um die Teilnahme reicher Gemeinden für die Forterhaltung des Lehrhauses zu bestimmen. Und wunderbar! Dieses unscheinbare Ereignis erwies sich als ein providentieller Wink, daß -der jüdische Geist, nachdem er in Asien die dort möglichste Entwicklnug erlangt, unnmehr in Europa unter der Einwirkung frischer Geistesströmungen nach anderen Richtungen sich erprobe und entfalte. Jene vier Männer nämlich gerieten an einer italienischen Küste in die Gefangenschaft des maurisch-spanischen Admirals Jbn Romahis. Von demselben an Sklavenhändler verkauft, wurde der eine von der jüdischen Gemeinde in Alexandrien ausgelöst, der andere gelangte nach Kairuan, der dritte wahrscheinlich nach Narbonne, der vierte endlich, R. Mose b. Chanoch, unter unsächlichen Seelenqualen nach Spanien. Jener rohe Admiral hatte näinlich auf dessen junge Frau ein Auge geworfelt. Da fragte sie iir ihrer Verzweiflung ihren Gatten, ob die im Meere Ertrunkenen die Auferstehung zu erwarten hätten, und als dieser die Frage harmlos mit einem Bibelverse bejahte, stürzte sie sich in das

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