Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1886)
- Date
- 1886-07-01
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2969669-2969919-2969927--1695-2976305- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
149 nie geahnter Weise auch auf Juda's Söhne ergießt, niemals aufhören, die alten Erinnerungen zu bewahren und zu pflegen, das Banner jüdischer Treue und jüdischen Glaubensmutes hochzuhalteu und geistige Kultur und sittliche Bildung in ihrer Mitte zu fördern. Are sociate Arage im Judentums. Von vr. Adolf Kurrci», Rabbiner und Prediger i» Bielitz lFortietzung.) Die genaue Beachtung, welche der Armut im Judentum zugewendet wird, ist nur ei» Ergebnis seiner Anschauung über Reichtum »»d Armut. Reichtum nntz-^lrmut sind von Gott nach seinen! weisen Weltenplane wie Berg und Thal und viele andere Gegensätze zu gegenseitiger Ergänzung geschaffen.') Arme und Reiche begegnen einander, der Schöpfer aller ist Gott. 2) Der Ewige macht reich und arm, erniedrigt und erhöht. 3) So erklärte auch R. Jos6 b. Chalafta einer römischen Matrone, die ihn fragte, was denn Gott mache, nachdem er in der Schöpfnngswoche alles vollendet habe: „Die Thätigkeit Gottes nehme die Sorge, wie Reichtum und Armut unter den Menschen abwcchseln, unausgesetzt in Anspruch."4) Mit solcher peinlichen Aengstlichkeit wird da »orgegangcn, daß der Engel Gottes, welcher über die Entstehung der Menschen zu wachen hat, die Schicksalsbestimmung eines jeden Individuums, ob es reich oder arm werden soll, ihm nach Gottes ausdrücklichem Urteile zum Eintritt ins Leben mitgiebt. 5) Deshalb ist der Fleiß, der wol zur Förderung des Reichtums und des Besitzes hilft,") nicht allein ausschlaggebend; und es wäre thöricht zu glauben, daß irgend ein Handwerk, eine Thätigkeit oder ein Beruf nur Reichtum und Gewinn bringen müsse, während ein anderes den gegenteiligen Erfolg verschulde. Ganz im Gegenteile giebt es kein Gewerbe, das nicht Reiche und Arme unter seinen Vertretern hätte, nur der Segen Gottes allein bringt den Reichtum, denn „mir gehört das Silber und das Gold," spricht der Herr.') „Umsonst, daß ihr früh aufstehet, spät noch sitzet, die ihr Brot der Mühsal esset, das giebt er (Gott) seinem Liebling im Schlaf."") Der Segen Gottes macht reich, und nichts thut mehr dabei die Mühe.") Nicht von den Mühen und Anstrengungen, die der Mensch auf sich nimmt, indem er die Lander von Ost nach West, von Süd nach Nord durchstreift, indem er die Beschwerden Und Mühsale der Wüsten und Gebirge überwindet, kommt dein Menschen der Reichtum, sondern von dem Richtersprnck^ Gottes, der reich und arm macht. l0) Ter Reichtum. Der Reichtum ist weder ein Verdienst, noch eine Macht oder ein Besitz, deren der Mensch sich rühmen kann,") denn die Uuhaltbarkeit, Vergänglichkeit und Wandelbarkeit des Reichtums ist eine unumstößliche Wahrheit. Will man an seinem Anblicke sich weiden, so ist er dahin, denn er macht sich Flügel, 11 Pesikt. rabb. und Jalk. Koh. 976. 2) Spr. Sal. 22, 2. 3) Sam. I. 2, 7. 4) Midr. Gen. r. c. 63. 5> Nidda 16, 6. «i Spr. Sal. 10, 4. ’) ftibb. «2; Chaggai 2, 8 ') Ps. 127. 3. ») Spr. Sal. 10, 22. Pf. 7b, 7. ") Irr. 9, 22.