Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1886)
- Date
- 1886-07-01
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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148 aus zu lösen gesucht. Sie haben insbesondere Betrachtungen angestellt über das Verhältnis des Juden zu seinem Schöpfer, über die Bedeutung der Religionspflichte», über den Wert der philosophischen Spekulation und ihre Beziehungen zum, Judentum. Alsdann suchten sie die Ergebnisse des philosophischen Denkens mit dem Lehrinhalte des Judentums in Einklang zu bringen und haben mit dem klaren Lichte der Naturwissenschaften hineingeleuchtet in alle Winkel und Ecken des Glaubensgebäudes, welches die Väter des Judentums errichtet hatten, haben den Schutt und den Moder, welcher sich im Laufe der Zeiten angesammelt, hervorgezogen und haben versucht, überall die alte Reinheit und den früheren Glanz wiederherzustellen und den frischen Luftzug, der in den Errungenschaften der wissenschaftlichen Forschungen athmet, durch jene Räume hindurchzuführen, in denen soviel lauteres Gold ewiger, unverbrüchlicher Wahrheiten aufbewahrt ist - Jehuda Halevi, Abraham Jbu-Daud Halevi, Maimonides, Jakob Tibbon, Gersonides, Joseph Albo, Abraham Bibago, Messer Leon, Steinheim. — Endlich haben sie als Dichter den Versbau ausgebildet und einen wohlklingenden Reim geschaffen und haben in national-religiösen Dichtungen Israel / und seine Heiligtümer, seine Vergangenheit und Zukunft besungen und die hohen Aufgaben desselben verklärt und gepriesen — Salomo Jbn-Älmoallem, Jehuda Halevi, Scheschet Benveniste, Joseph den Sabara, Isaak de Rocamora, Isaak Erter. — Sie haben nicht nur die Liturgie durch schwungvolle, innig-tiefe poetische Schöpfungen bereichert, sondern auch mit dem Stachel der Satire des Judentums äußere und innere Feinde bekämpft und verfolgt — Immanuel Romi, Pseudonym Dominiüs Homan Epiphanes..— Wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Daher ist es denn nicht zu verwundern, daß auch Aerzte aufgetreten sind, deren Einfluß auf das jüdische Volk und das Judentum weniger günstig gewesen ist. Es hat Männer unter ihnen gegeben, die der Mystik und vor Allem der Kabbala mit ihren verderblichen Auswüchsen Vorschub geleistet und dadurch zur Verdunkelung des Judentums beigetragen haben — Nachmani, Todros Abulafia, Joseph Sarco, Jakob Zemach, Joseph Chamitz, Delmedigo, Michael Cordoso. — Zweifler und Wühler unter ihnen haben den Bau des Ueberkoinmenen zu erschüttern gesucht,, haben skeptische Meinungen ausgesprochen selbst über die Bibel und die Art, wie sie entstanden, und haben nicht nur vielfach zum Abfall vom Judentum Veranlassung gegeben, sondern sind selber von ihm abtrünnig geworden und haben den Glauben und das Volk, in dem sie aufgewachsen, angegriffen und verleumdet — Jizchaki, Nathanacl, Abner Alfonso, Astüc Raimuch, Josua Lorqui. •— Andererseits aber hat es auch nicht an Solchen gefehlt, welche durch ein zu zähes Festhalten am Alten und Nebensächlichen und bitrrfj ihren Widerstand gegen eine Versöhnung-des Judentums mit der Philosophie und den modernen Wissenschaften die geistige Läuterung desselben aufgehalten und die äußere Befreiung der Juden verzögert haben — Nachmani, Jehuda Jbn-Alfachar. — Allein die Aerzte, welche in dieser Weise dem Judentum und ihrem Volke geschadet haben, sind doch nur vereinzelt und haben keine» nachhaltigen Einfluß anszuüben vermocht. Was dagegen Jene für ihre Glaubensgenossen geleistet und errungen habe», das hat ihneil in der Geschichte ihres Volkes ein Denkmal gesetzt, dauernder als Erz und Stein. Mögen die Jünger der Heilwissenschast auch in der Jetztzeit, wo die Sonne der Humanität und Gedankenfreiheit ihre belebenden Strahlen in früher