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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-06-01 · Heft 6 (1.6.1886) · p. Seite 131

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 6 (1.6.1886)
Date
1886-06-01
Page
Seite 131 (sequence 11)
Language
German
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131 fei.1) Aber auch damit wurde blutwenig ausgerichtet; die griechische Sprache blieb nach wie vor die Landessprache, in Palästina so gut wie in den andern Provinzen Vorderasiens. Dem Patriarchenhause und überhaupt denjenigen, welche dazu berufen waren, mit den römischen Machthabern zu verkehren oder gar bei Hofe das Wort zu führen, war es sogar unerläßlich, sich eines zierlichen Styls, einer eleganten griechischen Redeweise, zu bedienen. In der That scheinen einige der hervorragendsten und geistreichste» Gelehrten von der Schönheit der griechischen Sprache ganz entzückt gewesen zu sein. Als Aquila seine griechische Bibelübersetzung den Rabbinen Elieser und Josua vorgelegt, lobten sie diese sehr enthusiastisch, nannten die griechische Sprache die schönste der Sprachen, und behaupteten, daß nur diese Sprache sich dazu eigne, den Geist der heiligen Schriften vollkommen wiederzugeben 2). Die griechische Sprache war aber auch nach und nach so allgemein in allen Schichten des Volkes, daß Rabbi Jehuda Ha-Naßi (ungefähr um die Mitte des zweiten Jahrhunderts n. CH ) sagen durfte: nian solle in Palästina das syrische Jdioin gar nicht sprechen, sondern entweder der hebräischen oder der griechischen Sprache sich bedienen^). Daß aber jeder gebildete Römer der griechischen Sprache mächtig war, ist bekannt genug. Die Römer, so wenig sie' auch im Allgemeinen den Juden geneigt waren, so wenig sie auch für das Judentum Sympathien hatten, waren sie doch sehr neugierig und Judentum und Juden kamen ihnen so seltsam, so eigenartig vor, daß sie zu Zeiten nicht ungerne sich mit Juden unterhielten, sich in Gespräche über die Grundsätze ihrer Religion, über ihre Ritualgesetze, über ihre heiligen Schriften, welche doch in griechischer Sprache allen zugänglich waren, mit ihnen einließen, oder auch von ihrem lebhaften Geiste, von ihrer Schlagfertigkeit angezogen, ihnen manche naturwissenschaftliche oder philosophische Fragen vorlegtcn, mit denen sie die Herren der jüdischen Gelehrsamkeit in Verlegenheit zu bringen oder ihre Geistesgegenwart und ihren Scharfsinn herauszufordern stlchten. Selbst die ausgezeichnetesten der römischen Cäsaren, deren Namen heilte noch einen guten Klang haben, hielten es nicht unter ihrer Würde, sich oft und angelegentlich mit den jüdischen Gelehrten zu unterhalten. Eine große Anzahl solcher Gespräche, von Trajan und Hadrian mit den Rabbinen Josua,; Gamaliel und Akiba, dann vom Kaiser Antoninus (vielleicht Markus Anrelius?) mit dem Patriarchen R. Jehuda geführt und andere mehr, sind uns in beit beiden Talmuden und in den Midraschim ausbewahrt. Und ist auch manches darunter, was aller Wahrscheinlichkeit nach in das Bereich der Dichtung gehört, so bleibt doch immer noch genug zurück, was das Gepräge der Wahrheit trägt nnd vom Historiker mit gutem Gewissen nicht znrückgewiesen werden kann. — Auf diesem Wege scheinen sogar manche intimere Verhältnisse zwischen hervorragenden Römer» und Juden sich gebildet zu haben, und auch mancher vornehme Römer für das Judentum gewonnen worden zn sein, wovon wir in der Folge noch zu sprechen Gelegenheit haben werden. Nachdem wir so das Verhältnis in dem die Juden zu Rom gestanden, dargelegt haben, können wir getrost daran gehen, nach jüdischer Anschauung ein Bild Roms, seiner Weltstellnng und seiner Erfolge, zu entwerfen. *) Baba kama 82 b. u) Jeruechai. Megtla 1, 11. 3; Sotah 49b,

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