Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1886)
- Date
- 1886-06-01
- Page
- Seite 129 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969919-2969926--1674-2976283- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
129 jenen Gefärbten, die wie Simri handeln und Lohn wie Pinchas beanspruchen. (Sota 29.) — Die Worte des Wolfes: „Dan' hab’ ich niht des goldes rot ze gebene umb mine spise.” erinnern an den Ausspruch des R. Simon b. Glazar: Noch nie habe ich einen Hirsch als Obsthändler, einen Löwen als Lastträger und einen Fuchs als Krämer gesehen. (Kiduschin 82.) j Aus diesem Vergleiche geht hervor, daß Süßkinds Dichtungen vom jüdischen Geiste durchtränkt sind, und daß er die rabbinssche Litteratur genau gekannt hat. Seine Gedichte athmen echte jüdische Frömmigkeit, von der seine Glaubensgenossen in seiner Zeit erfüllt waren. Daraus folgt aber, daß Süßkind, der doch höchstwahrscheinlich in strenggläubigen Kreisen geboren und ausgewachsen war, da er doch blos in einer frommen Umgebung eine fromme Gesinnung in sich aufzunehmen vermochte, seine Kunst als nicht wandernder Minnesänger auf den Edelhöfen vorgetragen haben konnte. Denn mit solchen Wanderungen waren die Uebertretung der Speiscgesetze und die Vernachlässigung der vorgeschriebenen Observanz unumgänglich verbunden. Er hat die Poesie demnach wahrscheinlich Nur theoretisch als Dichter und nicht praktisch als Spielmann gepflegt. Vielleicht waren noch andere Erzeugnisse seines Geistes vorhanden. Bis jetzt sind blos 6 Weisen bekannt. Hlorn und die Körner vom Standpunkte des Talmud und der Midraschim. Bon I. Wiesner. (Fortsetzung.) : Wir haben dies alles vorausschicken müssen, um das Verhältnis, in dem die Juden zu Rom gestanden, klar zu machen, damit wir uns auf ihren Standpunkt versetzen, ihre Aeußerungen, ihre Auslassungen über Rom und die Römer besser verstehen und mit Ausscheidung desjenigen, was blos ein Produkt ihres verbitterten Gemüts, ihrer gereizten Stimmung war, auf das richtige Maaß zurückzuführen. Daß die Juden, insbesondere die Gelehrten, die Aeltesten und Vorgesetzten des Volkes, ausreichende Gelegenheit gehabt, Rom und die Römer ziemlich genau kennen zu lernen und nicht etwa wie die Stubengelehrten eines obskuren Ortes von ihrer dunkeln Zelle aus über Hof und Residenz gesprochen und geschrieben haben, das unterliegt keinem Zweifel. Nicht nur! kamen sie in ihrer Heimat selbst mit hochgestellten römischen Staatsbeamten und Würdenträgern, mit den Prokonsulen, Proprätoren, Porkuratoren u. s. w., welche in Palästina und in Syrien stationiert waren, mit ihren untergeordneten Beamten, Offizieren und gemeinen Legionären in vielfache und notwendige Berührung, sondern die Männer der Wissenschaft, welche zugleich die Vertreter ihrjes Volkes waren, machten auch ziemlich oft Reisen nach Rom, um ihre Bittens ihre Beschwerden bei den hohen Staatsbeamten oder beim Kaiser selbst vorzubrmgen, um die Verwendung, die Fürsprache der einflußreichen Günstlinge, der vielvermögenden Höflinge nachzusuchen. Nicht selten war es auch eine hochgestellte, eine vornehme Dame (Matrona), die mit dem Kaiser oder mit seinem Minister in enger Beziehung gestanden, welche die Abgesandten für ihr Anliegen zu gewinnen hatten. Und da konnte es auch geschehen, daß ein solcher jüdischer Askete in eine Situation geriet, die seiner