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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-06-01 · Heft 6 (1.6.1886) · p. Seite 127

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 6 (1.6.1886)
Date
1886-06-01
Page
Seite 127 (sequence 7)
Language
German
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127 und es schwindet seine Hoffnung. Es verlischt sein Licht und es geht verloren sein Andenken. Unreines Gewürm ist sein Erbe, Motten herschen über ihn." Sowie der Autor so ist auch die Abfassungszeit dieser Selicha unbekannt. Da sie aber in der Gebetordnung auf das Bußgebet des N. Simon b. Jzchak, der im 11. Jahrhundert lebte, folgt, so dürfte sie auch dieser Zeit angehören. Die Vermutung liegt aber nahe, daß Süßkind von Trimberg selber ihr Verfasser sein könnte. Auch der Schluß des Gedichtes: „almehtik herre du bist aller gnaden vol hilf mir, daz min sele dort vor dir gnade vinde“ stimmt zur Apostrophe der Selicha: „Wer dieses hört der weine und sorge, er mehre Gebete und Almosen, vielleicht wird er von Schmerzen verschont. Die zweite Weise bespricht den hohen Wert des menschlichen Denkens. Dieses ist ein Gut worauf Alle ein Recht haben. Selbst den Thoren kann der Anspruch darauf nicht abgesprochen werden: „Gedenke nie man kan erweren den toren noch den wisen dartimbe sint gedenke vri uf allerhande Sache.“ In diesem Lehrgedichte wiederspiegelt sich das Lob, welches die talmudischen Lehrer der Weisheit gezollt haben. Sie lehren: Zehn Kabbin Weisheit stiegen hernieder zur Welt. tKiduschin 19.) Durch zehn Dinge wurde die Welt erschaffen, durch Weisheit, Vernunft und Einsicht rc. (Chagiga 33.) Groß ist das Wissen, denn es wurde in das Gebet des Wochenbeginns hineingeflochten. (Berachot 33.) Das Gedicht Süßkinds wurde durch lokale und zeitliche Umstände veranlaßt. Es scheint sich gegen die Beschränkung der Denkäußerung in seiner Zeit zu richten. In der dritten Weise besingt der Dichter, wie bereits erwähnt, die Großartigkeit der Naturerscheinungen. Der Schluß derselben: „Du hast ze geben’ gäbe vil der niht zergat“ stimmt zu dem Satze in der Äodirn benediction des 18. Gebetes: Gütiger, dessen Erbarmen niemals schwindet, Erbarmungsvoller, dessen Gnaden nicht zergehen. In der 2. Strophe die vom Lobe des Weibes handelt, heißt es von dem Ehemanne: „Der mak sunder zwivel mit ir siniu jar willeklich vertriven stille und offenbar.“ Hiermit sind zu vergleichen die Aussprüche im Talmud: Der Mensch findet bloß bei seiner ersten Frau wahre Gemütsfreude. (Jebamot 63). Wer ohne Frau lebt, der weilt ohne Frieden ohne Segen rc. (ibidem 62). — Zu dem Verse: „Er sich mit ir Sünden unt schänden wert“ stimmt die Lehre: Wenn der Mensch eine Frau nimmt, so erwehrt er sich seiner Sünden (ibidem). Die vierte Weise ist wieder eine Betrachtung über den Tod dem niemand entrinnen kann. Sie klingt wie die erwähnte 33. Selicha. „Sowie vil daz menache zuo der weite guotes habe und ez gedenket, wie es scheiden muoz dar abe zu leste mit dem tode, so mag ez truren sere davor niht, vriunt richtuoin, gehurt von hoher Art, wisheit, gewalt, daz i mueze an des todes vart.“ Damit ist zu vergleichen Prediger C. 8, 8: Und niemand ist herrschend im Todestage. Mehr noch erinnert diese Strophe an R. Jochanans Schlußwort: Das Ende des Menschen ist der Tod. (Berachot 17.) Zu dem Ausdruck: „Ich dikke gar betruebet bin so nie man weiz nu, wa diu sele kumet hin“

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