Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-06-01 · Heft 6 (1.6.1886) · p. Seite 126

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 6 (1.6.1886)
Date
1886-06-01
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2969669-2969919-2969926--1671-2976280
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

126 „Wer niht si von hohem na men unt sich Untugenden welle schämen dar zuo sin dink zuo dem besten kan gezamen den heiz’ ich edel sowie er niht si von adel der geborne.“ Dieses stimmt zu dem Grundsatz des Talmud: Mamzär talmid (üiacham ködern l'cohen gadol am haarez, (Hariot 13. Vergleiche Süßkind von Trimberg Nummer 3-4 des Litteraturblattes. Magdeburg 1884.) In der zweiten Strophe dieser Weise lehrt er, wie die Tugendlatwerge bereitet wird. Sie wird aus fünf Bestandteilen zusammengesetzt und zwar: aus Treue, Zucht, Milde, Männlichkeit und Mäßigkeit. Diese Latwerge ist ein Balsam für alle Speisen, wer in ihrem Besitze ist, der wird blühen und gedeihen: „Lein bezzer latwerie nie gemachet wart als ich ler' und künde, von sinneklicher art gesuht ze laster münden und ze schänden sühten: mit vünf Pimenten rein sol si gemenget sin, triuwe unde zuht, milde unt manheit hört darin dabi sol maze pülvern smekken unde trübten. Dise latwerie ist er' genant ein bals ob allen spisen mit ir wirt schänden not entrant si zimt niht dem unwisen wem si wont vil staete bi der ist von houbtschander vri wol im, des lip der latwerien bühse si sin reinez lop, sin hoher nam wirt bluejen unde vrühten.“ Die Latwerge, von der Süßkind singt ist die im Talmud gepriesene Universalarznei das 8 a m Ghaim: die Lehre. In Erubin 54 heißt es: Es spricht R. Josua b.. Levy, wer an Kopfschmerzen re. leidet, der beschäftige sich mit der Lehre, denn es steht geschrieben: Und für deinen Körper ist sie ein Heilmittel. Es spricht R. Jehuda b. Chija: Komm und überzeuge dich, daß die Weise Gottes verschieden ist von der Weise der Menschen. Wenn ein Mensch dem Andern ein Heilmittel giebt, so ist es dem Einen zuträglich dem Andern schädlich, Gott aber gab Israel die Lehre ein Balsam des Lebens für Alle. In Joma 72 wird dieses folgendermaßen ausgedrückt: Wenn der Mensch würdig ist, so wird ihm die Lehre zum Lebenssaft, wenn unwürdig zum Todessaft. Daß Süßkind Arzt war, wie Koch mutmaßt, geht daraus durchaus nicht hervor. — Die dritte Strophe handelt von der Vergänglichkeit des menschlichen Lebens. Ein tiefer Ernst zieht durch das Gemüt des Dichters, Todesgedanken beschleichen ihn: „Wenne ich gedenke waz ich was ald waz ich bin ald waz ich werden muoz, so ist alle min vröude dahin unt wie die tag7 mins lebens loufen von mir swinde und ist daz niht ein jamer siufzen berndiu not, daz ich von tak ze tage muoz vürhten den tot wie er mich bringe in der unreinen würme gesinde.“ Eine auffallende Ähnlichkeit hat dieses Gedicht mit der 33. Selicha zum Vorabende des Neujahrstages, deren Verfasser unbekannt ist. Dieselbe lautet: „Wie kann der Mensch frohgemutet sein, da er jeden Tag dem Tode entgegensieht. Wie kann das Fleisch reden, es wird ja zur Grube getragen. Der Körper fällt in die Gruft. Wenige und traurige sind seine Tage. Es nahet rasch sein Ende

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.