Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1886)
- Date
- 1886-06-01
- Page
- Seite 125 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2969669-2969919-2969926--1670-2976279- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
125 dem Notdürftigsten Mangel. Er findet das gesuchte Brot und Wasser nicht'), hat nicht einmal ein Kleid, sich entsprechend zu bekleiden2) und lagert auf dem Düngerhaufen3). Er lebt in steter Bedrängnis3) und seine Seele ist ganz gedrückt davon"). Er stönt und seufzt"), schreit und steht7) und dessenungeachtet vergißt man gar oft seiner und die Hoffnungen werden ihm zunichte"). Ani, der Gedrückte, Gebeugte, der Niedrige, der Elende hat das unglückliche Geschick der Armut als ein ihm dauernd anhaftendes Merkmal"). Die Armut ist ihm eine drückende Fessel, deren er sich gar nicht entledigen kann'"); alle seine Tage sind unglücklich "), er sehnt sich seinen Tagelohn zu erhalten'"). Er schüttet vor Gott seine Klagen aus, er schreit, fleht und nift13). Dal, der Ausgesaugte, Erschöpfte, Leeres), ist der Mittel entblößt, um die an ihn gestellten Forderungen leisten zu können'") sodaß ihm der Mangel an Mitteln zum Schreckbild wird "’). Er ruht im Staube und wird selbst von Freunden gemieden"). Dach, der Niedergedrückte, der Verarmte '*) und Mach, ein allmählig Herabkommender, ist derjenige, dem das Vermögen schwindet, der sich nicht mehr an der Oberfläche halten kann, aber durch rechtzeitiges Eingreifen einer ausreichenden Hilfe noch zu retten wäre, der die an ihn gestellten Ansprüche nicht erfüllen kann, seinen Besitz zu verkaufen genötigt ist, ein zinsenfrries Darlehen aufnehmen muß oder sich selbst dem Einheimischen oder Fremden als Sklaven verkauft'"). Msskvu, der an Mitteln Beschränkte, lebt bescheiden seinen Vermögensverhältnissen entsprechend20) und finden darum oft seine wahren Verdienste keine Anerkennung 2‘). (Forts, folgt.) Kin jüdischer Winnefänger. Von Di*. S. Gelbhaus. (Schluß.) Aber nicht blos biblische Lehren, die sich auch bei anderen Minnesängern, besonders aber bei Walter finden, sondern talmudische Unterweisung werden in Süßkinds Dichtungen ebenfalls berücksichtigt. Zu diesem Behufe wollen wir seinen sämmtlichen Weisen unter dem Gesichtspunkt der Vergleichung der Reihe nach betrachten. In der ersten Weise will er die persönliche Würde als das Höhere im Menschen bezeichnet wissen. Wo sittliche Größe anzutreffen ist und selbst wenn sie keine Reihe stolzer Ahnen sich rühmen kann, sei sie anzuerkennen. Der eigene Wert des Individuums sei dem Geburtsadel vorzuziehen. *) Jes. 41, 17; Ps. 132, 15. 2) Job 31, 19. 8) Sam. I, 2, 8; Ps. 113, 7. 4) Jes. 25, 4. b) Ps. 72, 13. 6) Lbend. 12, 6. 7) Ebend. 8) Ebend. 9, 19. 9) Verwandt mit anaw bescheiden, demütig. iQ) Ps 107, 10 ") Spr. Sal 15, 15. Deuter. 24, 15. ") Ps. 102, 1; 34, 7; 9, 13 u. Job. 34, 28. “) Was am Körper mager bedeutet, wird auf Vermögen und Besitz angewendet. Bergt, veli Schöpfeimer und daläh schöpfen und Iben Esra (Lev. 14, 21). l5) Ebend. 16) Spr. Sal. 10, 15. 17) Ebend. 19, 4 u. Sam. I, 2, 8. ,8) Bergl. Dak mager und das Vorhergehende. ") Lev. 25. Bergl. mak Verwesung. 20) Jes. 40, 20. 2') Koh. 9, 19. Die Wurzel sachan heißt abschließen, einschneiden, begrenzen. Bergl. sochen, einem bestimmten Gegenstände seine Aufmerksamkeit zuwenden, misskeneth abgeschlossener Raum und misskenuth die Abgeschlossenheit, die Beschränktheit, die Armut, miskeu der durch Armut auf den engsten Raum begrenzte.