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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-06-01 · Heft 6 (1.6.1886) · p. Seite 122

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 6 (1.6.1886)
Date
1886-06-01
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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T I I lllUi. l lll|ll l|^fPPPH|| — 122 — schaft. Die Religion trug auch noch wesentlich bei, daß das Volk willenlos unter die grausame Starrheit des ehernen Kastenwesens sich beugte. Diese Lösung konnte nur die Massen des Volkes zum Stumpfsinn erziehen und mußte den Untergang des Volkes im Laufe der Zeiten zur Folge haben, da ja die Kasten aus dem gesunden kräftigen Volke nicht verjüngt werden können. Einfacher und leichter gelang die Lösung da, wo wie bei den Phöniciern durch Gründung von Kolonien die Auswanderung des verarmten Teiles gewünscht und begünstigt wurde. ..... « Viel verwickelter und schwieriger gestalteten sich die Verhältnisse unter den Griechen und Römern. Die Ungleichheit des Besitzes, welche zunächst eine Unzufriedenheit der Armen gegen die Reichen hervorbrachte, legte den meisten Gesetzgebern den Gedanken nahe, eine gleichmäßige Verteilung des Eirundes und Bodens d u r ch z u f ü h r e n. Dieses Mittel versuchte Lykurg, um den güterlosen Familien Güter zuzuweisen und die kleinern Besitzungen angemessen zu vergrößern. Ebenso unternahm es Tib. Sempr. Grachus, durch seine agrarische Reform unter den Verarmten und Verarmenden alten römischen Bürgern eine hinlängliche Zahl bemittelter Grundeigentümer zu schaffen, indem man den großen Grundbesitzern einen Teil des Gemeiülandes zur Verteilung unter Aermere wieder abforderte. Das eiugezogeue Land sollte in Loose zu 30 Morgen Landes zerschlagen und an arnie Bürger zum Feldbau als unveräußerlicher Erbpacht verteilt werden. Nicht minder grell waren die Mißverhältnisse, die aus der Verschuldung des Volkes und aus der harten Behandlung der Schuldner hervorgingen. Es mußte , auch an die Tilgung der Schulden gedacht werden. Dahin ging Solons Absicht - durch die Seisachtheia, die Entlastung. Die wegen Schulde» zu Sklaven Gewachten wurden in Freiheit gesetzt, die ausgeliehenen Kapitalien für verfallen erklärt und > der Münzfuß so herabgesetzt, daß trotz der Vorteile, die die Armen dadurch genossen, die Reichen nicht allzugroßen Schaden litten. Noch viel drückender mußten die Schuldverhältnisse in Rom gewesen sein, wenn das Volk die Stadt lieber verlassen und sich anderwärts niederlassen wollte. Waren die Gegensätze von Armut und Reichtum schon in den Zeiten alter Einfachheit so scharf ausgeprägt, um wie viel einschneidender treten sie erst auf, als Rom eine Weltstadt geworden')! Der kleine ehrliche Erwerb stieß immer mehr auf größere Abneigung bei dem Volke und dieses ließ sich lieber herbei, um geringeren Lohn und univürdige Behandlung die Clientel eines vornehmen Herrn zu bilden oder von den Gctreideverteilungen des Staates und von der Bestechung, die es von den Herrschsüchtigen für seine Stimme erhielt, zu leben. Rom hatte durch die verarmten Bürger, durch seine Freigelassenen ein überwiegendes Proletariat, und dieser Pöbel war wilder, roher, verdorbener und gefährlicher als in modernen Weltstädten, weil der Auswurf aller Nationen da zusammen kam und weil er , znm größten Teile müßig war. Um diesen Pöbel vor der Schädigung des öffentlichen Wohles abzuhalten, mußte er ernährt werden. Dazu dienten die regelmäßigen großen Getreideverteilungen, die allerdings nur den notdürftigsten Lebensunterhalt gewährten. Wohl wurde in der Kaiserzeit der Luxus der Einzelen, des Staates und , der Regierungen so groß und auf solche Dinge gerichtet, welche vom ganzen Volke mitgenossen tverden konnte», und die Reichen ließen auch die Armen an *) Nach Friedländers. Sittengeschichte Roms. j

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