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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-05-01 · Heft 5 (1.5.1886) · p. Seite 112

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 5 (1.5.1886)
Date
1886-05-01
Page
Seite 112 (sequence 16)
Language
German
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112 vornehmen lassen. Was das orthodoxe Judentum sonst noch verlangt, ist zur Aufnahme in diese Gemeinde, die sich von der Berliner Hauptgemeinde getrennt hat, nicht erforderlich. Man kann Gottesleugner, Gesetzesübertreter und dabei noch orthodox sein Wir sehen daraus, daß die Pseudoorthoxie in Deutschland nicht einmal mehr den Schein der Consequenz für sich in Anspruch nehmen kann. Selbst int „Israelit" wird in Bezug hierauf bemerckt: von Personen, die am Sabbath offen Geschäfte treiben schweigt der Statuten Höflichkeit und doch sollen diese nach dem Gesetze gesteinigt werden, während ans Unterlassung der Circumcision nur „Ausrottung" bestimmt ist. — Herr Dr. K. Köhler, Rabbiner in Uew-tzork, schreibt an der Spitze des „Jüdisches Reformblatt" vom 5. März: Ein Herr Zaenger von Dingen am Rhein erweist mir die Wre, meine Biographie im „Mainzer Israelit" zu geben, und teilt darin mit, naß ich wegen meines Werkes: „Der Segen Jarob's" (dessen Titel er nicht einmal kennt) von der bayrischen Regierung nicht zum Rabbinatsexamen zugelassen worden sei, „weil ein Atheist kein Rabbiner werden könne." Diese Mitteilung erkläre ich nicht sowohl in meinem persönlichen Interesse, als im Interesse der Gerechtigkeit gegen mein Vaterland für völlig erlogen und Herrn Saenger als würdigen Jünger der Schule, die, auf das alleinseligmachende Judentum allein Anspruch erhebend, dem jesuitischen Grundsatz huldigt: „Der Zweck heiligt die Mittel." — Nach einer in der „Landeszcitung" erschienenen statistischen Uebersicht über das niedere 'Schulwesens Elsaß-Lothringen ergiebt sich, daß in 67 jüdischen öffentlichen Elementarschulen, aus 73 Klassen bestehend, 2743 Schüler unterrichtet werden. Nebstdem bestehen noch 5 private jüdische Elementarschulen niit 135 Kindern und werden noch zwei Kleinkinder-, zwei Fortbildungsschulen verzeichnet und eiu Pensionat. — Nach dem „Ztaatsanztiger ' hat die „Israelitische Centralkirchenkasse in lllürtembcrg im Jahre 1885, 64578 M. eingenommen und 55183 M. verausgabt. Das Vermögen der Kasse beläuft sich auf 169 970 M. — Das Bulletin der geographischen Gesellschaft von Marseille schätzt die gegenwärtige Zahl sämmtlicher Juden der Erde auf 6 377602. Auf Europa kommen 5407602, auf Asien 245000, auf Afrika 413000, auf Amerika 300000, auf Australien 12000. In Europa besitzt Rußland 2 552145, Oesterreich-Ungarn 1643708, Deutschland 561612, Rumänien 260000, die Türkei 116Ö00, Frankreich 70000, Groß-Britanien 60000, Italien 36289, Holland 8963. die Schweiz 7373, Dänemark 3946, Serbien 3942, Schweden und Norwegen 3000, Belgien 3000, Griechenland 2652, Spanien 1900, Luxemburg 600, Portugal 200 Juden. Die asiatische Türkei zählt 150000, das asiatische Rußland 47 000, Indien und China 19 000,^Persien 15000, Turkestan und Afghanistan 14000. Von den afrikanischen Juden wohnen in Abessynien 200000, Marokko 100000, Tunis 55000, Algier 35000, Egypten 8000, in der Wüste 8000, am Kap der guten Hoffnung 1000. —In Langrnsaha wohnt unter 10901 Einwohnern ein Jude. — Aus Bielefeld schreibt man uns: Am 10. Februar sprach Herr Rechtsanwalt Dr. Zieh von hier, in dem Lokale der „Eintracht" über „die Ehe vom Standpunkt des alten Testamentes." Die jüdische Ehe war bis zur Zeit der Könige im Wesentlichen eine monogamische. Nur Kinderlosigkeit war ein Grund, sich nach orientalischer Sitte eine Nebenfrau zu nehmen, wodurch unter Anderem der Verdruß Abrahams mit Hagar entstand. In der Höhle Machpelah liegen die Patriarchen, jeder neben der ersten, eigentlichen Gattin begraben, Jakob bei Leah, obschon Rachel seine Lieblingsgattin gewesen war. Noch heute ist es den Juden im Oriente erlaubt, nach zehnjähriger

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