Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1886)
- Date
- 1886-05-01
- Page
- Seite 111 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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. •^BYIIG'VWDW — 111 — Abraham Geiger und Dr. Joseph Aub. — Am 14. März wurde die „Zijon Loge" in Hannover installirt. — Am 3. und 4. Juni 1886 begeht die Samsonsckmle in WolfenbLttrl die Wiederkehr des Tages, an welchem sie vor hundert Jahren gestiftet wurde. — Am 3. Februar 1887 sind hundert Jahre verstrichen seit der Geburt des berühmten Hebraisten Wilhelm Gesenius der am 23. Oktober 1842 in Halle gestorben. Durch die Presse ging eine Anekdote aus seinem Leben, die mitgeteilt zu werden verdient: Gesenius las regelmäßig in dem größten Auditorium der Universität vor mehreren hundert Zuhörern mit Vorliebe über j die Genesis und den Pentateuch, dessen fünf Bücher seine vergnügten Schüler! mit Gesenius' fünf Töchtern in Beziehung brachten, und zwar so, daß sie die s älteste nach dem ersten Buche Mosis die Genesis, die zweite »ach dem zweiten s Buche die Exoda, die dritte die Levitica, die vierte die Numera und die jüngste j die Deuteronomia nannten. Nun begann Gesenius die zweite Vorlesung über die Genesis, sein Lieblingskolleg, mit den Worten; „Meine Herren, wir beschäftigen uns heute mit dem Bau nnd dem Alter der Genesis." Vereinzeltes Räuspern im Auditorium bei gehobener Stimmung, und er fuhr fort: „Die Genesis ist durchaus nicht so alt, wie Viele glauben ..." Stürmisches Gelächter. Gesenius sicht sich um, sein Blick ist fragend, sein Verhalten harmlos. „Ich wiederhole, meine Herren, so alt ist die Genesis nicht, wie Einzelne glauben . . Erneutes stürmisches, lang anhaltendes Lachen. Gesenius wird ernst, nachdenklich, endlich heitern sich seine Züge auf, die Zuhörer kommen aus dem Lachen nicht heraus, er selber lacht mit und ruft in die Versammlung hinein: „Ja so, jetzt weiß ich, aber die Genesis, am die Sie denken, steht hier nicht in Rede, wir fahren also fort: so alt ist das erste Buch Mosis, das wir Genesis nennen, durchaus nicht ..." Und damit war die kleine Episode geschlossen. Fräulein Genesis Gesenius verheirathete sich bald darauf und lebt noch heute in sehr glücklicher Ehe. — Die Achawa» Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Witwen und -Waisen in Deutschland, versendet ihren 21. Rechenschaftsbericht. Der Verein, dessen Mitgliederzahl von 243 auf 255 gestiegen ist, verwandte 1885 für Pensionen an 53 Petenten M- 8060 und für Unterstützungen aus dem Reservefonds M. 850. Von den Unterstützten gehörten 69 Preußen an (darunter 57 Hessen-Nassau), 17 Bayern, 8 Baden, 8 Großh. Hessen, 3 Lippe, 1 Anhalt, Hamburg und Koburg. Das 2 Vcreinsvermögen betrügt M. 138,316 An Geschenken gingen M. 10.265 ein, z darunter befindet sich ein Legat von M. 5000 von Herrn S. Heßlein _ in | Bamberg, abzüglich Erbschaftssteuer - M. 4505,50. Die Beiträge von 596 Ehrenmitgliedern betrugen M. 3576, von aktiven Mitgliedern M. 1650, freiwillige Jahresbeiträge M. 185, Einkaufsgelder M. 600. Die Unterstützungen pro 1884 beliefen sich auf M- 7700, und aus dem Reservefonds auf M. 820, die Spesen auf M. 737, Wertpapiere wurden angekauft-^fur M. 13,475. — Der Verein zur Bekleidung israelitischer Knaben in Frankfurt a. Ml. zählt gegenwärtig 450 Mitglieder mit M. 3180 jährlichen Beiträgen. An Geschenken gingen im verflossenen Jahre M. 3408 ein. Das Vereinsvermögen beziffert sich auf ca. M 27,000. 193 Knaben wurden mit Kleidern versehen. — Die neue israelitische Synagogengemeinde in Merlin nimmt nur als Mitglieder nicht auf: 1. solche, an denen der religiöse Akt der Circumcision nicht vorgenommen oder welche die Circumcision ihrer Söhne verweigern; 2. diejenigen, die in einer vom Religionsgesetze verbotenen Ehe leben oder welche nach Vollzug der bürgerlichen Trauung nicht auch die religiöse Trauung nach dem Religionsgesetze