Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1886)
- Date
- 1886-05-01
- Page
- Seite 110 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Wonaisschau. Herr Dr. Weihe in Dessau ist zum Landrabbiner für das Herzogtum Anhalt ernannt worden. — Herr Dr. Emil Philippsou, bisher Lehrer an der israelitischen Realschule in Frankfurt m fU., wurde als Direktor an die Jakobsohnschule nach Heesen berufen. — Nach Berlin wird für die Kaiserstraßen- Synagoge ein vierter Prediger berufen. — In Mosbach am Neckar starb am 27. Februar, nach dreißigjähriger Wirksamkeit daselbst, Herr Bezirksrabbiner Zühkind Weil. In Vromberg fand am 8. März eine Gedenkfeier für den im vorigen Jahre verstorbenen Rabbiner Dr. Gebhardt statt. Znr dauernden Erinnerung an den Heimgegangenen wurde eine Stiftung in's Leben gerufen, die seinen Namen trägt. — Mitwoch, den 17. März, Abends 6 Uhr starb in Berlin der Nestor der jüdischen Gelehrten Dr. Leopold Iunr (vergl. über, ihn Ausführliches in unser» Monatsblättern Jahrg. IV., Seite 171 — 179). Über sein Leichenbegängnis berichtet man aus Berlin: Die Trauerfeier für Dr. Leopold Zunz fand am 21. Mürz in der neuen Synagoge um 11 Uhr statt. Der Sarg war vor dem Allerheiligsten zwischen hellstrahlenden Kandelabern ausgebnhrt; hohe Topfgewächse umgaben ihn, und zahllose Kränze wurden zu seinen Füßen niedergelegt. Da las man ans den weißen oder schwarzen Atlasschleifen Widmungen wie: „Dem Meister der Wissenschaft des Judentums der Vorstand der jüdischen Gemeinde", „Die Samsonschnle zu Wolfenbüttcl ihrem ehemaligen Schüler und Lehrer De. Leopold Zunz, in Liebe und Verehrung", „der deutsch-israelitische Gemeindebund seinem Ehrenmitgliede"; da wurden ferner Kränze niedergelegt vom Kuratorium der Zunz-Stiftung, von de» ehemaligen Zöglingen des Zunz'schen Seminars, von den ehemaligen Schülern der Horwitz'schen Schule u. A. Hunderte von Leidtragenden füllten die weiten Räume der Synagoge. Nachdem der Synagogenchor den Psalm gesungen „Der Mensch, wie Gras sind seine Tage", hielt Herr Rab. Dr. Maybanm die Gedächtnisrede, die mit einem Gebet schloß. Herr Rab. Dr. Joöl ans. Breslau gab im Namen der gesammten Rabbiner Deutschlands der Trauer um den Verlust des edlen Mannes Ausdruck. Der Gesang „Was vom Staube, geht heim zum Staube" beendete die Trauerfeier. Träger mit brennenden Kerzen schritten voran, als der Sarg ans der Synagoge getragen wurde. Dem schwarz verhangenen Leichenwagen folgten etwa hundert ehemalige Schüler von Zunz zu Fuß; ihnen schlossen sich die Knaben der jüdischen Religionsschule an und eine lange Wagenreihe bildete das Ende des Zuges. Auf dem Friedhofe in der Schönhauser Allee wurde der Sarg in der mit schwarzem Tuch ausgeschlagenen und mit Blumen geschmückten Halle aufgebahrt. Wieder sang der Synagogenchor ein Eingangslied, dann nahm Herr Rabb. Dr. Ungerleider das Wort, um dem Toten zu danken für den Segen, den er den Jahrhunderten hinterläßt. Mit einem Gebet für das Seelenheil des Heimgegangenen schloß der Geistliche. Herr Stadtv. San.-Rat De. Reumann sprach dann im Namen des Kuratoriums der Zunz-Stiftung und Herr De. Rosenstock, Direkt, der Samsonschule in Wolfenbüttel, überbrachte dem Toten den Abschiedsgruß seiner geistigen Mutter. Endlich sprach noch der Direktor der jüdischen Religionsschule Herr Dr. Kirschstein und Herr M. Fränkel legte zum Schluß einen Kranz im Namen der ehemaligen Schüler der Horwitz'schen Schule, an der Zunz unterrichtet hat, am Sarge nieder. Dann erfolgte nach abermaligem Gesang und unter den üblichen Gebeten die Beisetzung in der nabe gelegenen Gruft. Zunz ruht neben seiner im Jahre 1674 gestorbenen Gattm und zwischen den Rabbinern Dr.