Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1886)
- Date
- 1886-05-01
- Page
- Seite 106 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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106 Sehnsucht. Trinket mäßig aus dem Becher der Freuden, daß euch noch ein Abschiedstrunk übrig bleibe in der bittern Stunde, wenn ihr euch von diesem Leben trennet! Dein ist die Natur,, o Mensch, und du beherrschest sie. Freue dich deiner Herrschaft, doch mißbrauche sie nicht! Regiere mit Milde, daß sie sich nicht der Sklaverei erinnere; denn das gefesselte Volk ist furchtbarer als das freie. Fliehe die Sättigung; sie ist die Verräterin deines Glückes und deiner Majestät. Sei mäßig! -—--- —.-- — —-— Finsternis ist die Mutter des Lichtes, Irrtum der Vater der Weisheit. Wer Wahrheit sucht, hat sie schon gefunden; wer sie nie vcrmißte, besaß sie nie. Es giebt keinen Irrtum als den: daran zu glauben. Die Sinnlichkeit ist das Prisma der Vernunft, wir kennen nur die Farben des Lichtes; doch , wir sahen nie das reine, farbenlose Licht. Denn wir leben im Lichte, und das Auge kann sich selbst nicht schauen. —- Doch verschieden sind die Wege zur Wahrheit, am Ziele aber treffen wir uns Alle. — Großer Baumeister der Welt, sende uns dein Licht! Erleuchte unser Herz, daß es würdig werde zum Tempel unserer Anbetung! Lehre uns, wie wir andere belehren! Schane gnädig auf den Irrenden herab und lasse den Wankenden nicht fallen! Gieb uns Mut, das Gute zu wollen, und Kraft, unsern Willen zu vollftthren! Verleihe uns die Standhaftigkeit des Mannes und die Folgsamkeit des Kindes! Amen. Ein unbekannter Wrief Mendelssohns mitgeteilt von vr. Moses Schwab in Paris,. Lessings Lustspiel „Die Juden", welches zum ersten Male i. I. 1749 aufgeführt, vom Verfasser im 4. Baude seiner Schriften veröffentlicht und i. I. 1754 in Berlin gedruckt wurde, ist in demselben Jahre in Nummer 70 der Göltingischen Anzeigen von gelehrten Sachen Gegenstand einer langen Kritik gewesen; ein Abdruck derselben erschien gleich darauf in der Jenaer Litteraturzeitung in folgenden Worten: „Der Endziveck dieses Lustspiels ist eine sehr ernsthafte Sittenlehre, nämlich die Thorheit und die Unbilligkeit des Hasses und der Verachtung zu zeigen, womit wir den Juden meistenteils begegnen. Man kann daher dieses Lustspiel nicht lesen, ohne daß einem die mit gleichem Endzweck gedichtete Erzählung von einem ehrlichen Juden,; die in Herrn Gellert's Schwedischer Gräfin stehet, beifallen muß. Bei Lesung beider aber ist uns stets das Vergnügen, so wir reichlich empfunden haben, durch etwas unterbrochen worden, das wir entweder zur Hebung des Zweifels oder zu künftigen Verbesserung der Erdichtungen dieser Art bekannt machen wollen. Der unbekannte Reisende ist in allen Stücken so vollkommen gut, so edelmütig, so besorgt ob er auch etwann seinem Nächsten Unrecht thun und ihn durch »»gegründeten Verdacht beleidigen möchte, gebildet, daß es zwar nicht unmöglich, aber doch allzu unwahrscheinlich ist, daß unter einem Volke von den Grundsätzen, der Lebensart und Erziehung, das wirklich die üble Begegnung der Christen' auch zu sehr mit Feindschaft, oder wenigstens mit