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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-05-01 · Heft 5 (1.5.1886) · p. Seite 105

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 5 (1.5.1886)
Date
1886-05-01
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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die Alles beherscht; das wandellose Gesetz, daß Gleiches Gleiches erzeuge und daß jede That ein unsterbliches Geschlecht von Folgen gebäre, dieses ist es, was unsere Wünsche befriedigt, unsere Hoffnung aufrecht erhält und unsere Betrübnis mildert. Wie drückend und freudenleer wäre uns das Leben, wenn wir jedes Glück nur erwarten dürften von des Zufalls günstiger Laune; wenn wir in Unschuld und reinen Herzens zittern mußten vor der Tyrannei eines bösen Geschickes; wenn wir ängstlich harrten auf den kommenden Morgen, ob er das Licht der Sonne uns brächte, oder ob Finsternis bliebe! Welch ein unwürdiges Geschenk wäre der menschliche Geist, wenn er an denirdischen Leib gefesselt wäre und mit ihm zu Grunde ginge! Wie traurig wäre die Natur, wenn Alles in wilden, tollen Tänzen sich bewegte, wenn wir andere Früchte ernteten, als die wir gesäet; wie wäre nie Geborensein das höchste Gut, wenn der Tod uns keinen niahnenden Boten sendete und uns plötzlich hcrabstürzte vom Gipfel des Lebens! Was ist es aber, das uns vertrauen läßt auf den kommenden Tag? Was verwandelt des Säeinannes Hoffnung in feste Zuversicht? Wer lehrt uns in dem Sarge unseres Leibes die Wiege eines neuen Lebens begrüßen? Nicht die Gewohnheit, wie manche wähnen, lehrt uns am Lichte glauben; nicht der geübte Wechsel von Tag und Nacht erhält die Gestirne in ihrer vorgeschriebenen Bahn. Denn Tausende von Jahren sind nur ein Moment für die Welt und die That eines Augenblickes kann nicht Regel werden zu den Handlungen für die Ewigkeit. Doch die Erkenntnis eines ewigen Wesens, das die Welt regiert, die Einsicht, daß es mit Weisheit herrsche, das ist es, was uns die Pforten der Wahrheit und des Heiles aufschlicßt Ein Ring der Gnade umgibt uns Alle, die Guten wie die Bosen. Laßt uns die Gnade verdienen, damit wir ihrer nicht bedürfen! Möge uns der göttliche Glaube stärken, damit wir stark werden zur Weisheit! Laßt uns weise werden, daß sich der Glaube in Wissen verwandle! Laßt uns nach Wahrheit trachten, denn Wahrheit ist Freiheit, und Freiheit ist die Krone des Lebens. Laßt uns das Bose erforschen, denn das Böse erkennen, heißt es vernichten! Wie wollen mit Demut und Freude in unser Inneres schauen, demütig, daß uns die Selbstliebe nicht täusche, freudig, daß uns der gefundene Irrtum nicht mutlos mache! Unser Herz ist unser Tempel, Priester und Götter zugleich. Laßt uns nur reine Opfer bringen, daß wir den Gott nicht erzürnen; laßt uns nur reine verlangen, daß wir den Priester nicht entheiligen! Heil dem, der am Rande des Grabes sagen kann: jetzt werde ich geboren. Die Schmerzen des Todes sind die Wehen seiner Mutter. Entsagung ist das heilge Zauberwort, das jedes Glück hervorruft. Der Boden, auf den wir bauen, kann uns keine Früchte geben. Der Thor genießt die Frucht und weiß nicht, woher sie kommt. Der Weise säet und wartet und freuet sich seiner That. Geheimnisvoll ist jede Saat. Der Schnitter sieht, staunet und betet an. Darum wollen wir die Gegenwart der Zukunft opfern, wie die Vergangenheit der Same war für die Gegenwart. Die Tugend ist die Schutzinauer des Glückes und Mäßigkeit und Gerechtigkeit sind die Grundsteine der Tugend. Sehnsucht ist die Würze des Lebens und Genuß ist das Grab der

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