Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1886)
- Date
- 1886-05-01
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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104 | Der erste Satz ist wörtlich dem 12. Kap. der Sprüche Salomons Vers 4 entnommen: Ein biederes Weib ist die Krone ihres Mannes. Der Satz: Er eiü glücklicher Mann, dem die Gute sei beschert, ist eine Nachbildung des 22. Berses im 10. Kap. der Sprüche: „Wer eine Frau findet hat Gutes gefunden, und er erlangt göttliches Wohlgefallen". Ein höherer ethischer Zug als in andern Minnegedichten geht durch die ganze Weise. Auch die poetischen Ergüsse Süßkiüds beim Anblick der Morgenröte und bei», Untergange der Tagesleuchte unterscheiden sich wesentlich von derartigen Erzeugnissen seiner Genossen. Während bei diesen das Besingen der Naturerscheinungen aus einem rein poetischen Bedürfnisse entspringt, mischt sich in die Naturbelvunderung Süßkinds ein tiefrÄigiöses Empfinden, welches das Lied zu einem weihevollen Gesänge gestaltet. „Klinik herre hoch gelopter got, waz da vermaht du liuhtest mit dem tage unt vinstert mit der naht daon diu weilt vil vröude unt ruow hat.“ Dieses ist eine Umschreibung des Prophetenwortes in Jesaja 45, 7: „Er schafft das Licht nnd bringt hervor die Finsternis, er bringt hervor den Frieden und erschafft das Ungemach. Ebenso durchdringt der biblische Geist die anderen Produkte seiner Muse. In der 4. seiner Weisen lehrt er: Daran gedenke ein wiser man daz ist min rat und laz dir niht den armen sin ze smiilie z’einem vriii.de vil lihte kämet diu stunde daz er sin bedarf. Diese Verse jtnt\ eine Paraphrase des 2. Verses im 22. Kap. und des 13. Verses im 29. Kap. der Sprüche: Ein Reicher und ein^ Armer sollen einander begegnen, denn alle hat Gott geschaffen. Ein Durstiger und ein Mächtiger sollen einandex begegnen, Gott erleuchtet die Augen Beider. Wenn Süßkind lehrt: : Wa sich mischet vil Untugenden zuo dem adel da mak daz adel kl eit werden ze einem hadel so erinnert dies an den. 5. Vers des 32. Kap. Jesajas: Es soll nicht mehr ei» Unwürdiger Edler heißen, und ein Geiziger soll nicht Vornehmer genannt werden. Der Ausspruch: Wa adel adelieher tat der adel liutert immer ist ähnlich dem 8. Vers des 32. Kap. Jesajas: Der Edle rät Edles und er verbleibt bei dem Adel. — (Schluß folgt.) Zum 6. Wai. Aus iiuer im Jahre 1809 von Ludwig Börne gehaltenen Rede. Wenn wir einen prüfenden Blick auf unser Dasein werfen, so erkennen wir, daß irgend ein namenloses und höchstes Wesen den ersten Keim des Lebens in die Natur gelegt haben müsse. Zwar würde uns das Kunstwerk stets mit Bewunderung erfüllen, auch wenn wir nicht den Künstler kennten; denn vergänglich ist die That, die Kraft aber ist unendlich. Darum, wenn uns die Schöpfung entzückt, die ewig wechselnde, so laßt uns den großen Weltenbaumeister anbeten, der in heiliger Ruhe thront und den Samen von Millionen Welten in sich trägt! Die Ordnung, welche überall in der Natur waltet; die allgemeine Regel,