Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1886)
- Date
- 1886-04-01
- Page
- Seite 94 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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94 \ aufbewahrt ist, war ihrer Zeit von eminenter Bedeutung für die Gestaltung des Bibeltextes und hat auch in der Entwicklung des Judentums überhaupt nicht geringe Spuren zürückgelassen. — Daß in dem Jrrtume, die astronomische Baraita Samuels dem babylonischen Amora dieses Namens, der als Sternkundiger gefeiert! war, zuzuschreiben, ein Zug „pietätsvoller Verehrung" sich knndgebe (S. :!891, ist recht unwahrscheinlich. Es ist dies eher auf eine oberflächliche Verwechslung mit eineur gleichnamigen späteren Gaon zurückzuführen. — S. 421 werden die Einleitung in den Talmud und die Schrift über Kalenderberechnung aus her Reihe der Werke Saadja's, deren Existenz sich nicht mehr eruiren läßt, ausznscheiden sein, davon beiden noch Fragmente vorhanden sind. Auch ist die Angabe lS. ,441), daß Haja's „Kommentare zur Mischna" meist verloren gegängelt sind' in eicheblichcm Mäße cinznschräukeu. — Der Schwerpunkt der Bedeutung Joseph Jbn Zadik's als Religionsphilosoph ruht natürlich nicht, wie D. 495 angegeben tvird, in seiner Lehre von den göttlichen Eigenschaften, sondern mindestens eben so sehr in den von keinem jüdischen Denker dieser Zeit so weit geführten Untersuchungen über die leibliche und seelische Beschaffenheit des Menschen. Bemerkenswert ist, daß derselbe nur selten auf seinem streng logischen Gedankengange innehält, um sich mit Bibel und Tradition auseinanderzusetzen. — S. 566 taucht wiederum dasverbreitete Vorurteil auf, das den Jalknt blos aus haggadischen Aussprüchen zusammengestellt sein läßt, lieber Vaterland und Entstehnngszeit dieses Werkes fehlt jeder sichere Anhaltspunkt. Selbst der angebliche Name des Verfassers, Simon Darschan, scheint auf Fiction zu beruhen.— Die Schrift Birkath Abraham, welcher Titel ihr von B. Goldberg vorgesetzt wurde, enthält nicht die Einwürfe des Babyloniers Daniel b. Saadja gegen Maimnni's Mischnah Thora (S. 615t, sondern Abraham Maimuni's Widerlegungen derselbe»; erstere wurden besonders edirt. — Das Urteil, daß in Nachmani's talmndischen Arbeiten wenig Schöpferisches zu entdecken sei (S. 628) möchten wir nicht unterschreiben. Sein klassisches Werk Torat he-Adam, in welchem er die Vorschriften, die nach jüdisch-religiösem Ritus bei der Behandlung der Sterbenden und bei der Todtentrauer in Anwendung kommen, zuerst in ein System gebracht hat, zeichnet sich durch gründliche Quellenforschung und sorgfältige Vergleichung der verschiedenen darüber geäußerten Ansichten aus und steht in seiner Art bis heute unübertroffen da. Dieselben Vorzüge, verbunden mit umsichtiger Prüfting der verschiedenen Lesearten in den Texten, sind auch in seinen Kommentarien zu mehreren Traktaten des Talmuds zu erkennen, mit welchen er eine neue Schule begründet hat, als bereit hervorragendste Vertreter R. Nissim b. Rüben, R. Jomtob von Sevilla und R. Salomo b. Aderet be^ kannt sind. Die gehören unstreitig zu den besten Leistungen auf dem Gebiete der Talmudexegefe, die nur besitzen- — Die Schriftexegese Meiri's ist mit den Kommentaren der nordfranzösischen Exegetenschule nicht in eine Reihe zu stellen (S. 652); sie ist mehr interpretativer Natur und geht selten in Worterklärungen ein. Besonders ist es ihm darum zu thnn, zu den biblischen Lehren parallele und sinnverwandte Aussprüche aus den ethischen Schriften der arabischen Litteratur zur Vergleichung heranzuziehen. — Die biblischen Kommentare Ascheri's sind nicht ganz untergegangen (S. 659). Dein Kommentar znm Pentateuch wurde 1840 in Livorno gedruckt.und zeigt, daß er auch als Exeget in den Fußstapfen der französischen Tosasisten wandelt. — Die Bezeichnung der Erzählungsschrift 8ekvr lia-Jascliar als „biblisches Epos" )S. 717) ist unzutreffend, da sie trotz der legendarischen Zuthaten, mit denen sie die Geschichte des alten Israel ausschmückt,