Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1886)
- Date
- 1886-04-01
- Page
- Seite 95 (sequence 23)
- Language
- German
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95 keineswegs als eine dichterische Darstellung derselben gelten kann. Sie ist in zierlichem Style gehalten, der aber höchstens mittelmäßige Prosa darbietet und weder tiefe poetische Empfindung noch schöpferische Kraft des Ausdrucks bekundet- — Wie Obadja Seforno in seiner Schrift Or Ammim „die Philosophie auf Kosten der Religion" zu bekämpfen gesucht haben soll, ist uns aus derselben nicht klar geworden. Er findet zwar, daß manche Lehrsätze des Aristotelismus mit der jüdischen Religiousphilosophie unvereinbar seien, aber er nimmt eben deßhalb die Methode philosophischer Syllogistik zu Hilfe, um denselben mit seinen eigenen Waffen zu schlagen und »achzuweisen, daß die Lösung der streitigen Probleme schon in Aussprüchen der Bibel enthalten sei. Ihn stört nur die fast dogmatische Autorität, zu der jene Lehrsätze gelangt waren, er will, daß das Licht der Erkenntnis aus dem Schriftivorte geschöpft werde, doch spricht er durchaus nicht einem Glauben das Wort, der gewollt und geboten werden kann, ohne daß man ihn zu verstehen brauche. — Der Titel der Grammatik des Abraham des Balmes, Mikneh Abraham, bedeutet: Der Kauf Araham's, nicht das Lager . . . (S. 845). Auf derartige Büchernamen, die blos als Arabesken der Titelblätter anzusehcn sind und für welche biblische und talmudische Wortverbindungen, sobald sich eine Anspielung auf Namen und Verhältnisse des Verfassers aus ihnen herausklügeln ließ, wohl oder übel herhalten mußten, ist, so man nicht in Ermangelung besseren Stoffes aus ihnen Geschichte machen will, übrigens weiter nicht achten. — S. 879 ist nicht Albo sondern be Alba der richtige Name des Verfassers der Toldot Jakob betitelten homiletischen Vorträge, welche indes unter den gleichartigen litterarischen Prudnktionen nicht so besonders hervorgehoben zu werden verdienen. — In Samuel Edels Kommeiitarien zum Talmud ist von „weitausholender Casuistik" (S. 973) wenig zu merken; es sind zumeist sachgemäße und naheliegende Bemerkungen, die bei tieferem Eingehen in die talmüdischen Materien in ihrem Grundgedanken und zumeist auch in der Ausführung sich als richtig erweisen, welche in denselben uns dargeboten werden. Edels Leistungen für die Textkritik des Talmuds und seiner Glossatoren sind denen Salomo Lurja's fast gleichzustellen. Er spricht sich darin in sehr entschiedener Weise gegen die pilpulistische Methode aus und kann demnach nicht als Hauptvertreter derselben angesehen werden. — S. 978 wird. Naphtali Kohen irrtümlich zum Nachfolger Josua Falls im Rabbinate zu Frankfurt a. M. gemacht. Ihn zu einem „genialen Geiste" zu stempeln, dürfte wohl nicht angehen. Eine talmudische Floskel, die zur Bildung einer stylistischen Phrase verwendet wird, kann ebensowenig zur Grundlage einer Charakteristik dienen als eine im Namen der „Kabbalisten" vorgetragcnen Auslegung, die überdies das, was in ihr gefunden wird, nicht ausdrückt. Naphtali's Erläuterungen haggadischer Stellen stehen auf einem Niveau mit der in zahllosen Schriften des achtzehnten Jahrhunderts sich kundgebenden Auffassung derselben, die natürlich von sittlichem Geiste getragen ist — das Gegenteil ist ja gar nicht denkbar —, aber das Verständnis derselben durch eine von gemachten Voraussetzungen ausgehende und in willkührlichen Deutungen sich ergehende Dialektik mehr verdunkelt als aufhellt. Diese Auffassung ist gerade nicht gedankenlos zu nennen, sie erscheint, wenn man sie in ihrer Art gelten läßt, nicht selten auch anziehend und scharfsinnig und verbindet mit der witzigen Auslegung oft auch moralische Nutzanwendungen, aber mit der Anerkennung dessen ist auch das Maß der ihr gebührenden Würdigung vollends erreicht. "— Chajim b. Bezalel war niemals Rabbiner in Prag (S. 981). Seine Polemik gegen Moses Jsserls betrifft auch nicht dessen „symbolische