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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-04-01 · Heft 4 (1.4.1886) · p. Seite 92

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 4 (1.4.1886)
Date
1886-04-01
Page
Seite 92 (sequence 20)
Language
German
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92 Man darf daher dem Verfasser des überschriftlich genannten Werkes besonderen Dank dafür wissen, daß er diese schwierige Arbeit unternommen, die zahlreichen vereinzelten und in atterlei gelehrten Werken und Zeitschriften zerstreut umherliegenden Resultate der nach den verschiedensten Richtungen hin geführten wissenschaftlichen Untersuchungen mit scharfsichtigem Kennerblick hervorgehslt, mit umsichtiger Sorgfalt züsamtnengetrage» und aus diesem Material mit kunstfertiger Hand ein Werk aufgebaut hat, in welchem die gesummte Litteratur des Judentums von ihren ersten Anfängen bis zu ihrer neuesten Entwicklungsphase als ein wohlgeordnetes Ganze sich uns vor Augen stettt. Der Verfasser zeigt sich in demselben als ein berufener Interpret der Quellenforschungen, durch welche uns die Kenntnis derselben erschlossen wurde, und als ein trefflicher Führer auf diesem erst in neuerer Zeit wegsam gemachten Gebiete, der uns gleichsam über alle die Sehenswürdigkeiten, gn welchen >vir auf demselben vorübergesührt werden, klaren und sicheren Bescheiden erteilen weiß. Es ist ein wahrer Genuß, die schweren Barren entlegener Gelehrsamkeit, die für die allgemeine Bildung noch unverwertet dalage», hser in leichte gangbare Münze umgcsetzt zu sehen und sich au den köstlichen Früchten der Wissenschaft erlaben zu können, ohne erst ihr allmäliges Wachstum wahrnchmen und dasselbe von dem ersten Keimen bis zur vollständigen Reife verfolgen zu müssen. Gewiß, nur mit Hilfe der reichen Sachkenntnis und umfassenden Belesenheit, bei welcher ihm nur selten einzelne Vorarbeiten entgangen sind, denen .gemäß manche Angaben und Urteile zu ändern gewesen wären, konnte es dem Verfasser gelingen, die auch heute noch so schwer zu gewinnende Ucbersicht über das wertausgedehnte jüdische Litteraturgebiet zu erlangen. Diese umfassende Sachkenntnis zeigt sich indes nicht blos in der sicheren Beherrschung und geschickten Grnppirung des Stoffes wie in der umsichtigen Auswahl der in die geschmackvolle. Darstellung hiucinverwebten Aeußerungen, mit welchen in den Spezialschriften, welche dem Verfasser zirr Quelle dienten, Perioden, Persönlichkeiten und Erzengnisse, die zum Gegenstände litterarischer Behandlung getvorden sind, charäkterisirt werden, sondern auch in der selbständigen und lichtvollen Auffassung und Beurteilung, mit welcher er von dem Gesichtspunkte allgemeiüer historischer und ästhetischer Betrachtung ihnen ihre Stellung in Geschichte und Weltlitteratur anweist. Wir wollen es auch nicht unerwähnt lassen, daß der Verfasser den historischen Stoff, der ihm zur Bearbeitung vorlag, auch nach eigenem Entwürfe verteilt und geordnet und die verschiedenen Perioden, Schichten und Fächer des jüdische» Schrifttums sowohl sachlich als chronologisch derart von einander abgegrenzt hat, daß die innere Gliederung desselben, an der die einzelnen Phasen seiner geschichtlichen Fortentwickelung zu erkennen sind, anschaulich hervortritt. Den Inhalt dieses bedeutenden Werkes können wir unseren Lesern auch in Kürze nicht vorsühren. Man inuß das farbenfrische, lebensvolle Gemälde, das der Verfasser von der jüdischen Gesammtlitteratur entwirft, selbst vor Augen haben und in dieser Reihe trefflich gezeichneter Bilder der einzelnen Perioden derselben, die er in seinem Werke uns vorführt, jedes für sich in vollen Betracht nehmen, will man die hervorragenden Gestalten und Erscheinungen kennen lernen, die ihren erhellenden Lichtglanz aus den entschwundenen Tagen der Vergangenheit uns zusenden oder auch wie finstere Schatten über deren Grabe emporsteigen. Zwar will es uns scheinen, daß der Verfasser über die letzteren zuweilen vorsichtig hinwcggegangen wäre und die historische Beleuchtung hie und da der poetischen Verklärung den Platz eingeräumt habe. Doch wenn man bedenkt, daß die

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