Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1886)
- Date
- 1886-04-01
- Page
- Seite 90 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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90 Poznanski und Lewinsky gekrönt. In diesem Jahre wurden die Kandidaten Dr. Knoller und Dr Margulics, beide bereits im Amte, entlassen. Ersterer hielt einen Vortrag über Prophiat Duran, dankte am Schlüsse seinen Lehrern und verabschiedete sich von seinen Genossen. Dem Jahresberichte des Seminars geht eine sehr schätzenswerte Abhandlung des Herrn Prof. Dr. Lrendcnthal über die „Theologie des Jenophanes" voran. — Der Ausschuß des deutsch-israelitischen Kemeindebnndes in Berlin hat ein statistisches Jahrbuch für 1885 ausgegeben (Preis 1 Mk.), in welchem die jüdischen Gemeinden Deutschlands und deren Beamte, soweit sie zu ermitteln waren, genau verzeichnet sind. Es wäre zu. wünschen, daß die Beamten dafür Sorge tragen, daß beim Erscheinen des nächsten Jahrhuches auch die.noch fehlenden Herren eingetragen werden. Dem Gemeindebunde gebührt für diese seine Thätigkeit Unterstützung und Anerkennung und wäre zu wünschen, daß auch in Oesterreich-Ungarn zunächst, vielleicht auf Anregung der Wiener Israel. Allianz, die sich um die Organisation und Hebung der Kultur der österreichischen Juden bereits so viele Verdienste erworben hat, ein solches Buch zu Stande gebracht werde. — Aus Anlaß des 100jährigen Todestages Moses Mendelssohns ist ferner erschienen: Der stille Reformator. Denkrede auf Moses Mendelssohn u. s. w., gehalten von Dr. Z. Jacob Anger, Rabbiner in Zglau. Was diese treffliche Rede noch ganz besonders erwähnenswert macht, ist der Umstand, daß sie dem gewandten Hebraisten aus der Mendelssohn'schen Schule, Herrn Ilaac H. Ledner in Budapest, gewidmet ist, der am 4 Januar in, sein 90. Lebensjahr trat und 40 Jahre hindurch in Driesch, wo die Kulturbestrebungen Mendelssohns Pflege und Teilnahme fanden, an der Spitze der Gemeinde stand. Der Reinertrag dieser Rede (Jglau, Anton Bayer) ist dem dortigen Tempelgesangvereive gewidmet, der am 2. Januar bei der Mendelssohnfeier zum ersten Male in Wirksamkeit getreten ist. Die Mitteilung S. 9 auf Grund der Anmerkung nach Hamelitz und Dr. Lebrecht, den Geburtstag Mendelssohns betreffend, bedarf der Berichtigung und ist das Datum 6. September 1729 festzuhalten. Wese rate. Geschichte der jüdischen Litteratur von G. Karpeles. (Berlin, Verlag von Robert Oppenheim. 2 Bde. 1886.) Das Unternehmen, eine Geschichte der jüdischen Litteratur zu schreiben, hat bis jetzt noch immer als vor der Hand unausführbar gegolten. Für die Darstellung der ältesten Periode derselben, bei der nur das biblische Schrifttum in Betracht zu nehmen ist, fehlte es zwar nicht an guten Mustern und trefflichen Vorarbeiten, die, obzwar auch abenteuerliche Hypothesenmacherei auf diesem Gebiete einen grenzenlosen Spielraum gefunden hatte, bei umsichtiger Benutzung als kundige Wegweiser dienen konnten. Dafür aber waren die Forschungen, die zur Aufhellung der nachbiblischen Litteraturperioden dienen sollten, bis vor Kurzem lange noch nicht soweit gediehen, daß man von der Entwicklung und dem Charakter derselben ein klares, zusammenhängendes und von sicheren Urteilen getragenes Bild zu entwerfen im Stande gewesen wäre. Ueber die Entstehung der Mischna und der Tosephta, über die Komposition der Talmude und Midraschim, über die verschiedenen Sammlungen halachischer und haggadischcr Schriftauslegungen, über die Abfassung der griechischen und aramäischen Bibelübersetzungen und die geistigen