Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1886)
- Date
- 1886-04-01
- Page
- Seite 89 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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89 eingenommen. Die Zahl der Trauungen betrug 261 und fanden 949 Begräbnisse statt. — In Leeiiivarden in Holland verstarb der dortige Oberrabbiner I>. pusniis am 31. Januar. — In Eilborg in den Niederlanden rottete sich bei dem Begräbnisse eines hochgeachteten Israeliten Namens Samuel Kah am 31. Januar der Pöbel zusammen und folgte der Leiche unter Absingung von Spottliedern auf die Juden. Am Begräbnisplatze angelangt rieß der Pöbel die Friedhofumzäunung ein und bewarf den Sarg mit Steinen und Erdstücken. — In pereisaslawl in Rußland starb^ein Jude Namens Saribni, wie „Hainelitz" berichtet, im Alter von 117 Jahren. Er hatte nach einander 9 Frauen gehabt und wollte noch im vorigen Jahre sich wieder verheiraten. Sein ältester Sohn, der der Bahre folgte, ist 82 Jahre alt. — Unter 90 Studentineu der Medizin in St. Petersburg, die ihre Studien beendigt haben, befinden sich, ivie „Hamclitz" berichtet, 42 Jüdinnen. — In Rischninowgorod hat der Vorsteher der Gemeinde im Namen des Chefs der dortigen Polizei in der Synagoge beim Gottesdienste bekannt gemacht, daß die Juden weder Tauben fangen noch solche schlachten sollen, da den Russen die Taube als heiliger Vogel gilt. Auch die Schächter wurden beauftragt, Tauben nicht zu schlachten. — In der von General GurKo eingesetzten Judenkonimission sollen auch die Herren Zwan Blöd) und Heinrich Uatansohn, Juden, zu Mitgliedern mit berathender Stimme ernannt werden. — Aus Kischenew wird berichtet: In dem Prozesse gegen eine jüdische Räuberbande, welche einen katholischen Priester in Bielhy beraubt und der Polizei bewaffneten Widerstand geleistet hatte, verurteilte das Kriegsgericht drei Angeklagte zum Tode und drei zu fünfzehnjähriger Zwangsarbeit. Es waren Mitglieder von Neu-Jsrael — Das General- Kommando in Warschau hat die Vergebung von Lieferungen fürs Militär an Inden für die Zukunft untersagt. — Die Herren ftlornis, Kohut und iHeubts wollen iu Philadelphia eine Rabbinerschule gründen. — In Uew-Grleans hat sich eine Synode orthodoxer Rabbiner Amerikas versammelt, um Schritte gegen die Decrete der Pittsburger Rabbinerversammlung einzuleiten. Das Judentum scheint da immer mehr die Gestalt eines Fleischinstitutes anzunehmen. 1 --- vj W i 11 eitun g e n. Unter dem Titel „The Zewish Reformer" erscheint in Rew-pork eine Wochenschrift mit einem deutschen Teil überschrieben „Jüdisches Reformblatt". Die Bilder Moses Mendelssohn's, Abraham Geiger's und David Einhorn's zieren das Titelblatt. Es werden dadurch authentische Berichte über die amerikanischen Resormbestrebungen zu uns gelangen und nicht so viele Entstellungen wie z. B. über die Pittsburger Versammlung in Umlauf kommen. Wir begrüßen dieses Blatt niit Freuden und bitten, uns dasselbe regelmäßig zngehen zu lassen. — Im Verlage van C. %. Zchwetsch!ie L Sohn in Araunschweig wird zunächst auf Beschluß der historischen Kommission in zwanglosen Heften eine Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland unter Redaktion von Prof. De. L, Geiger in Kerlin erscheinen. — Wie alljährlich begicng das jüdisch-theologische Seminar in Kreslau. das gegenwärtig 35 Hörer zählt, am 27. Januar die Gedächtnis- Feier seines Stifters. Herr Rabb. De. Leoy, der dermalige Vorsitzende des Lehrerkollegiums hielt einen Vortrag über die jüdische Gebetordnung. Für die gestellte Preisaufgabe „Ueber die religionsphilosophischen Anschauungen des Flavius Josephus" wurden die zwei fleißigen Arbeiten der Herren stuä. phil. 8