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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-04-01 · Heft 4 (1.4.1886) · p. Seite 86

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 4 (1.4.1886)
Date
1886-04-01
Page
Seite 86 (sequence 14)
Language
German
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86 sehen ist, eine neue Species von Juden „Kuhjuden" zu entdecken, wofür er zu 100 Mark oder 10. Tage Gefängnis nebst Kosten verurteilt wurde. — Zn», Zwecke der Aufbesserung schlecht dotirter Rabbinerstellen in Bagern hat der Finanzausschuß in seiner Sitzung am 29. Januar in München 14,000 fl. bewilligt. — Die jüngste Volkszählung in Deutschland hat in Berlin 53,916 Juden ergeben. — In Polen leben.667? Juden unter 68,318 Einwohnern- —■ Rach den Beiträgen zur Statistik- Weärlkiiburgs befanden sich daselbst 1885 nur 2580 Juden gegen 3064 stin Jahre 1867. — Die aus Breslau ausgewiesene 100jährige Sarah MeNdlomitsch, welche in Posen erkrankte und für die Herr De. KrieLIänder daselbst eine Sammlung veranstaltete, darf im Lande verbleiben und wird auf Staatskosten erhalte». — Ein trauriges Zeichen der Zeit sind die auch unter der jüdischen Jugend sich häufenden Selbstmorde. In jüngster Zeit allein sind uns von itnnlifurt n. Hl. fünf solcher trauriger Fälle aus wohlhabenden Kreisen mitgetcilt worden. Die geistige Zerfahrenheit und zunehmende Haltlosigkeit innerhalb der jüdischen Gemeinden tu religiösen Dingen wirkt nicht zum geringsten Teile zersetzend auf die Jugend, die gesunder religiöser Erkräftigung mehr denn je bedarf. Was soll aus einer Jugend,werden, der keine bedeutenden Charaktere wegweisend vorleuchten? — Aus Wijgoda in Galizien schreibt man uns: Am 4. Februar starb "der hochbegabte Rabbiner zu Bolina, Herr Berisch Eichenstem, dessen Beerdigung unter Teilnahme der angesehensten Männer des Ortes stattfand. — In Men starb am 4. Februar Herr Ilnthan Kitter von Kallir, Reichsratsabgcordneter und Präsident der Handelskammer zu Brodg» woselbst er ain 11. November 1821 geboren wurde. Herr Dr. Iellinelk hob die Verdienste des Verstorbenen, der.ein warmes Herz für das Judentum besaß und sehr wohlthätig war, hervor. Der Präsident des Abgeordnetenhauses, Herr Dr. Smolka, widmete ihm am 9. Februar einen ehrenden Nachruf. — Der bekannte Schriftsteller Herr Gustav Karpeles hat in Kemberg im Nathausfaale und in DraKau, wie polnische Blätter berichten, mit großem Beifalle auch über jüdische Litteratur vor Christen, Juden- und Polen Bortrüge gehalten. — Am 28. Januar stürzte in Keupest im jüdischen Schulgebäude die Ziegelmauer eines Klassenzimmers ei». Einige Kinder wurden schwer und eines lebensgefährlich verletzt. — In Krakau starb Stochlinslli, der vermeintliche Mörder der Franziska Mnich (Prozeß Ritter) in der Haft. — Aus Wien wird gemeldet, daß das Ehepaar Ritter am 3. März in Folge Auftrages des ' Kassatioushofes freigelassen worden ist. Die Eheleute Ritlersind bekanntlich von dem Krakauer Schwurgerichte dreimal wegen Mordes zum Tode verurteilt worden. Zweimal hob der Kassationshof dieses Erkenntnis -auf und ordnete eine neue Verhandlung an. Wie die Enthaftung beweist, hat der oberste Gerichtshof nunmehr dieselben freigesprochen. Dieses Erkenntnis, das in geheimer Sitzung gefällt wurde, konnte nach der Strafprozeß-Ordnung nur einstimmig und mit Zustimmung des General- Procurators erfolgen. Die Eheleute Ritter wurden am 10. März 1882 in Haft genommen; nahezu vier Jahre also haben sie die Leiden des Gefängnisses und die Aufregungen der gerichtlichen Procedur erduldet, bis der Sieg des Rechtes ihnen die Freiheit gebracht hat. — Die akademische Ortsgruppe des deutschen Schulvereins in Wien tvurde durch die Zentralleitung aufgelöst, weil sie ihren Beschluß ivegen Nichtaufnahme von Juden nicht rückgängig machtet — In Budapest soll sich unter dem Namen ,.A.nrora-Cluli" ein Schriftsteller-Verein gebildet haben, der in sein Programm einen Punkt ausgenommen, nach welchem jüdische Schriftsteller keine Mitglieder sein dürfen. Hoffen wir, daß dieser Verein zu den Dinge,r zählen wird „die

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