Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1886)
- Date
- 1886-04-01
- Page
- Seite 85 (sequence 13)
- Language
- German
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85 Kram, aus dem Frommen-Verein eine fromme „Gemeinde" und aus dem Schiur- Lerner einen frommen Rabbiner zu machen. — Herr Dr. Wilhelm Lahn ist zum Kaiserlichen Lcgationsrat ernannt morden. — Der bisherige englische Vieekonsiil, Herr Eoldbeck in Tranüfiirt n. W., wurde in Ansehung seiner erfolgreichen Verdienste zum Konsul des Britischen Reiches ernannt, eine Auszeichnung, die dadurch an Wert gewinnt, als für England in Frankfurt a. M. neben dem General- Konsulat bisher kein Konsulat bestand. — Aus Adelebsen in der Provinz Hannover wird uns berichtet: Am 1. Februar waren es 25 Jahre, seitdem dc^ Lehrer ziluinenfrld in hiesiger Synagogen-Gemeinde wirkt. Die von der Gemeinde und früheren Schülern veranstaltete Festlichkeit war eine wahrhaft erhebende und gab Zeugnis von der segensreichen Wirksamkeit des Jubilars, der es verstanden, die Liebe und Zuneigung seiner Gemeinde und seiner Schüler in einem solchem hohen Maße sich zu erwerben, wie es ivohl selten der Fall ist. Am Vormittage beglückwünschten Deputationen der Gemeinde und der jetzigen und früheren Schüler, sowie viele, teils aus weiter Ferne gekommene Freunde und Verehrer den Jubilar, demselben schöne und wertvolle Ehrengaben überreichend. Um l Uhr fand in der schön geschmückten Synagoge ein Festgottesdienst statt, bei welchem der Kantor Unlsbaum aus Göttingen durch seine herrliche Stimme erhebend wirkte. Tie von Herrn Landrabbiner Dr. Guttmann ans Wdesheii» gehaltene Festrede ivar so inhaltreich und packend, daß sie wahre Begeisterung hervorries. Der Jubilar brachte in kurzen und sinnige» Worten seinen Dank zum Ausdruck, betonend, daß er die Feier als eine Anerkennung des guten Willens aussasse, die Ehre aber gebühre Gott allein, der mit seinem Geiste ihn unterstützt. Es fand dann ein Festessen in dem ausgeschmückten Saale des Rathskellers statt, an welchem sich fast 100 Personen, darunter auch der Bürgermeister, beteiligten. — Am 2. Februar feierte Herr 211. Gottschalk £eui) in perlin seinen siebenzigsten Geburtstag. Er war es, der Herrn Prof. Graeh nach Palästina begleitete, als dieser daran gieng, die ersten zwei Bände jüdischer Geschichte zu schreiben. Ter'. Jubilar, der auch für die Juden in Palästina wirkt, verdient wegen seiner Begeisterung für das Judentum alle Achtung und Anerkennung. — In Mromo wurde am 21. Februar eine Bnai-Derikh-Pogt installirt, die nach R. Akiba Eger den Namen „Eger-Loge" führt. — Am 10. Februar wurde in Siegen in Sachen des Stvcker-Be'leidigungs-Prozesscs der Redakteur Pommert freigesprochen. — In Merstg hat sich ein Verein zur Abwehr jndenfeindlicher Angriffe gebildet. — Der Hofschanspieler Pauli in Stuttgart hat dadurch, daß er in einem Theaterstücke die Figur eines Kommerzienrates ins Ilebertriebene charakterisierte, den Unwillen der jüdischen Theaterbesucher erregt, die in einer Beschwcrdcschrist an die Intendanz Ausdruck fand. — Wie der „Nürnberger Anzeiger" meldet, soll es in liieret a. Mai» zu Ausschreitungen gekommen sein, weil ein Jude die ohne sein Wissen getaufte Tochter ans dem Hause gewiesen. Der Pöbel hat in seinererhitzten Phantasie gemeint, die Convertitin sei heimlich fortgeschafst worden, um getötet zu werden. — In bildet wurde die Circumcission eines unehelichen Kindes polizeilich inhibirt, dessen jüdische Mutter minorenn ist, weil dort Christen ans dessen Taufe Anspruch zu haben glauben. Das Ministerium entschied, daß der jüdische Großvater über die Religion seines Enkelkindes zu entscheiden habe. — In Wertheim a. W. hat ein dortiger Anstands- und Tanzlehrer bei dem üblichen Schlußkränzchen Israeliten und Dienstboten ausschließen wollen, gewiß um zu zeigen, daß ihm das fehlt, was er lehrt. — Einem frankfurter Pädagogen war es Vorbehalten, wie ans einem Schöfsengerichtsberichte vom 26. Februar zu er-