Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1886)
- Date
- 1886-03-01
- Page
- Seite 70 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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zu der sich etwa 100 Gäste, meist Aominilitionen, mochten eingefunden haben. Der Vorsitzende wies in einleitenden Worten darauf hin, daß das Andenken an Mendelssohn zu erneuern vornehmlich die Pflicht des Vereines sei, der gegenwärtig in der ganzen Kulturwelt der einzige Verein innerhalb des akademischen Lebens ist, welcher auf dem von Mendelsohn geschaffenen und angebahnten Boden vorwärts strebt, auf dem Boden voraussetzungsloser, freier Wissenschaftlichkeit, und der im Geiste seines großen Vorbildes sich müht, auch der viel verlassenen Wissenschaft des Judentums zur Anerkennung und Gleichberechtigung mit ihren bevorzugten Schwestern an dem Herde aller Wissenschaft, der alma mater, zu ververhelfen. Gehört Mendelssohn auch dem ganzen deutschen Volke an, der Geschichte deutschen Geistes und deutscher Kultur, so gehört er doch vor allem den Juden an, die ex deutsch denken und reden gelehrt und dadurch erst in den großen Kreis aller Wissenschaften eingeführt hat. Nach einem Prolog hielt Herr Dr. Hitler eine einstündige Festrede, in der er in ebenso glänzender als lichtvoller Weise Mendelssohn's philosophische Bedeutung wie seine Beziehung zum Judentum zur Darstellung brachte. Dieser Vortrag ist unterdeß m dem von Herrn Dr. R. erschienenen Buche „Lessiug und Mendelssohn" der Oeffentlichkeit übergeben worden. (Berlin, H. Steinthal. Preis 2 Mark.) Möchte doch die allgemeine Feier des 100 jährigen Todestages des Weltweisen dazu beigetragen haben, auch die größtenteils schlafende oder kneipende Studentenschaft zu wecken und zu erwärmen für diejenige Wissenschaft, die fundamental für alle menschliche Kultur zu werden so geeignet und berufen ist. — Aus Bochum schreibt uns Herr N- Faubheim: In hiesiger Gemeinde ist ans Anregung des Genannten im Laufe des vergangenen Jahres ein „jüd. Litteraturvcrcin" in's Leben gerufen worden, dessen' Bestreben vorzugsweise darin besteht, durch lehrreiche, allgemeinverständliche Vorträge das Interesse für jüd. Geschichte und Wissenschaft bei seinen Mitgliedern zu erwecken. Nach dem Beispiele anderer derartiger Vereine auswärtige Redner heranzuziehen, wandte, sich, der Vorstand au Herrn Rabbiner Dr. Zaulus aus Aachen mit der Bitte, in unserem Verein einen wissenschaftlichen Vortrag zu halten. Herr Dr. Jaulus hat unserem Wunsche in entgegenkommender Weise entsprochen und erfreute uns durch einen höchst interessanten und wohlgelungenen Vortrag über das Thema: „Der Patriotismus der Juden, geschichtlich dargestellt." Es hatten sich außerordentlich viele, zum großen Teile auch aus augesehenen nichtjüdischen Bürgern bestehende Zuhörer eingefunden und lauschten mit gespannter Aufmerksamkeit den geistreichen Erörterungen des geschätzten Redners. Die Art und Weise, wie Herr Dr. Jaulns sein Thema behandelte, hat allgemeine Anerkennung und ungeteilten Beifall gefunden. Der knappe Raum, der einem Berichterstatter zugemesseu, verbietet es mir, des Näheren auf den ausgezeichneten Vortrag einzugehen, deshalb will ich es versuchen, in möglichster Kürze einige der Hauptgedanken dös Redners wiederzugeben. Zunächst bezeichnet Redner die vielfach verbreitete Annahine, als hätten die Juden mit dem Aufhören ihres nationalen Bestandes ihre geistige Produktionskraft eingebüßt, als eine irrige und sucht vielmehr nachzuweisen, daß auch in den folgenden achtzehnhundert Jahren die jüd. Litteratur reiche Schütze in rastloser Gedankenarbeit zu Tage gefördert. Wer sich von der opferfreudigen Hingebung der Juden an ihr Vaterland unterrichten »volle, der könne nur zum Ziele gelangen, wenn er bei der Geschichte Nachfrage halte. Aus dem reichen Geschichtsmaterial greift Redner einzelne Thatsachen heraus und weiß diese in geschickter Weise in einen übersichtlichen Zusammenhang zu verflechten, daß jeder aufmerksame und denkende Zuhörer ein vol-