Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-03-01 · Heft 3 (1.3.1886) · p. Seite 71

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 3 (1.3.1886)
Date
1886-03-01
Page
Seite 71 (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969919-2969923--1613-2976219
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

71 lendetes mit klaren Umrissen gezeichnetes Gesammtbild vor Augen hatte. Die .Juden in Egypten unter der Herrschaft Alexanders des Großen und der Ptolemäer, sowie in Arabien, Italien. Spanien und Deutschland boten dem Redner reiche Gelegenheit, hinlängliche Beweise für die segensreiche Thätigkeit unserer Glaubensgenossen auf allen Gebieten der Kunst und Wissenschaft, des Handels und Verkehrs herbeizubringen. So seien sie überall wegen ihrer nützlichen Thätigkeit, ihrer opferfreudigen Teilnahme an den Geschicken des Vaterlandes von den früheren Herrschern dieser Länder wohlwollend h-handelt worden. In Deutschland sei erst mit den Kreuzzügen ein Umschwung eingetreten und von da an wären sie einem traurigen Loos entgegengegangen, das Jahrhunderte lang angedauert hätte. Mit welcher Innigkeit die Juden selbst das Land geliebt, aus dem sie vertrieben worden» gehe daraus hervor, daß die aus Spanien verjagten in der Türkei, wo sie eine Zufluchtsstätte fandeir, noch immer die spanische Sprache beibehalten und die durch den Druck der Verhältnisse aus Deutschland nach Polen eingewanderten Juden noch heute die Sprache ihres früheren Vaterlandes, wenn auch in eigenartiger Weise redeten. Wohl wären manche traurige Vorgänge in Deutschland dazu angethan gewesen, den Juden die Liebe zum Baterlande zu rauben, aber dennoch ist es allen Anfeindungen niemals gelungen, sie in der treuen Erfüllung ihrer Bürgerpflichten wankend zu machen. Der Vortrag hat ans sämmtliche Zuhörer einen sichtlich wohlthucnden Eindruck gemacht und ist daher auf vielen Seiten dem Wunsche Ausdruck gegeben worden, den gewandten Redner noch recht oft in unserm Vereine zu hören. — Aus Anlaß der Feier des hundertjährigen Todestages Moses Mendelssohns sind uns folgende im Drucke erschienene Reden zugegangen: 1) Denkrede auf Moses Mendelssohn am 4. Januar 1886 im israelitischen Bethause der inneren Stadt Wien, gehalten von vr. Ad. Aellinelr (Wien 1886, Verlag von M. Waizner). Der geistvolle Kanzelredner schilderte den erhabenen Gedankengehalt im „Jerusalem" mit gewohnter Meisterschaft. 2) Rede, gehalten zur Feier des hundertjährigen Todestages Moses Mendelssohns am 2. Januar 1886 in der Synagoge zu Mamihrim von Stadtrabbiner vr. M. Ikeckelmacher. Anknüpfend an das verlesene Dhora- 'wort beantwortet der Redner die drei Fragen: Was hat das Judentum Moses Mendelssohn zu danken?, was hat ihm das deutsche Volk zu danken? und inwiefern soll vornehmlich die Erinnerung an Mendelssohn für uns belehrend sein? in lichter, klrarer und schöner Weise und hebt hervor, wie wir lernen sollen, daß Judentum und Deutschtum auf's herrlichste zusammenstimmen und wir nicht das eine opfern müssen um des andern teilhaftig zu sein. 3) Predigt, gehalten am Sabbath den 2. Januar 1686 zum Regierungs-Jubiläum Sr. Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm und zur hundertjährigen Gedächtnißfeier Moses Mendelssohns von Dr. M. Juckermandel, Oberrabbiner in Trier. Der Redner preist zunächst den Landesvater auf dem Throne, unter dessen Regierung die Sonne der Gewissensfreiheit aufgegangen, deren Strahlen alle aufsteigenden Wolken des Glaubenshasses zerstreut haben und geht dann zu einem durch den Wochcnabschnitt nahe gelegten Vergleich zwischen Mendelssohn und unserem Lehrer Mose, dem er in seinen Eigenschaften, Schicksalen und Wirkungen gleicht, über. Die gehaltvolle Rede schließt damit, daß die Doppelfeier in uns Liebe zum angestammten Glauben und Liebe zum Vaterlande anregen möge. — Von der Ä. Kauffmann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. ist Katalog Nr. XII., 1761 Nummern Hebraica und Judaica enthaltend, ausgegeben worden. Durch die ab und zu beigegebenen orientierenden litterarischen Notizen wird der Wert dieses Kataloges

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.