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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-03-01 · Heft 3 (1.3.1886) · p. Seite 68

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 3 (1.3.1886)
Date
1886-03-01
Page
Seite 68 (sequence 20)
Language
German
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durch einen Stellvertreter oder Bevollmächtigten vertreten lassen muß! So lange die Inden im Zustande der Knechtschaft oder der sozialen Erniederigung im Mittelalter gelebt haben, hatte die heilige römische Kirche keine Furcht vor ihnen, sie ließ nur von Zeit zu Zeit einige zum größten Ruhme Gottes verbrennen. Aber heute, da die französische Emancipation sie frei gemacht hat, indem sie die Gleichheit Aller vor dem Gesetze proklamiert, sind sie furchtbar geworden! Die Ausdehnung ihrer Macht erscheint den wohldenkenden Konferenzgebern übermäßig und sie suchen Mittel ihr zu widerstehen. Das null sagen, daß die orthodoxen Katholiken so gut Antisemiten sind, wie die Reaktionären in Deutschland und Rußland und wie alle Feinde der Freiheit und daß sie nicht böse sein würden, in Belgien eine jüdische Bewegung hervorzurnfen, welche vielleicht in die Sannnelkasten der „geistlichen Werke" die Thaler ziehe» würde, von denen die jüdischen Banquiers einen so großen Vorrath in ihren Geldschränken besitzen. — Die Tochter der Königin Viktoria, Prinzessin i'miifr besuchte vor Kurzem eine höhere jüdische Mädchenschule in London. Dieselbe hatte den Wunsch geäußert, einen hebräischen Gesang zu hören, woraus die Mädchen den 29. Psalm sangen. Prinzessin Lonise war hierüber ganz entzückt. Mögen sich die Töchter unserer jüdischen Reichen daran ein Beispiel nehmen, die noch zumeist die Sklavenkctte der Selbstverachtnug kragen. — In London starb am 9. Januar der Obcrrabbiner von Mogador (Marocco) Hilter Joseph Clmaleh. — Am 17. Januar wurde in London am Spitals Sgnare eine Synagoge der deutschen Juden cingeweiht. Lord tlathauarl Hothschild soll zu derselben nicht beigetragcn haben, weil er den Unterschied zwischen deutschen und englischen Inden nicht anerkennen will. — Die Königin von England hat Herrn Trancis Abraham Monkefiorr die Baronetswürde erteilt. Sir Francis, das älteste Enkel des ältesten Bruder von Sir Moses, ist am 10. Oktober 1800 geboren. — In London werden jetzt, wie in Deutschland und Oesterreich, im Winter Vorträge über Materien aus der jüdischen Wissenschaft in einem zu diesem Zioecke gegründeten Verein Oiterar^ Society of Jews College gehalten. Herr Dr. Wcdländer sprach über das Buch Koheleth, Herr Dr. Chohner über die jüdischen Dichter des Mittelalters. Herr Dr. Aeubauer aus Oxford über die Einführung der Quadratschrift in die biblischen Manuscripte Herr Dr. Hermann Adler über Moses Mendelssohn, Herr .Israel Abrahams über Wein bei her israelitischen Eeremonie und Herr Isidor Harris über das Targum Onkelos: — In einem Berichte der Londoner Judenmissionsgesellschaft heißt es: Missionar Uoscullrauh, welcher in Köln stationiert ist, horte von Inden oft die Ueberzengnng äußern, daß ihre Religion in einem nnvermeidlichen Niedergange ^begriffen sei. Ein jüdischer Lehrer äußerte sich folgendermaßen: Mit dem Judentum ist's vorbei! Alle Versuche es wieder zu beleben werden fehlschlagen. Es besitzt manche kalte Bräuche, aber kein Leben! Das war wohl ein Jude, der keine Idee von der Glut hat, die das jüdische Prophetentnm und seine Geschichte durchzieht und gegen die der Protestantismus eher kalt und als im Niedergange begriffen erscheint! — Die Stadtvertretung in Warschau hat zur Erhaltung der jüdischen Schule» 10 670 RnbA votirt. Möchten auch die Stadtvertretungen in Deutschland dort, wo. jüdische Schulen bestehen, dieselben, wenn nicht ganz erhalten, so doch wenigstens subventionieren, so lange sie dieselben nicht ganz übernehmen! — Von Herrn Leo» Rosenthal in Zt. Petersburg, Vorstandsmitglied des Vereines zur Verbreitung von Bildung unter den Juden in Rußland, ist die Geschichte dieser im Jahre 1863 von neun wackeren Männern gegründete Vereinigung, von der viel Segen auSgcgangen, an Hand der Protokolle in hebräischer

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