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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-03-01 · Heft 3 (1.3.1886) · p. Seite 66

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 3 (1.3.1886)
Date
1886-03-01
Page
Seite 66 (sequence 18)
Language
German
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66 vereinbar mit den Interessen der Reichsangehörigen bezeichnet. Der Bundesrath lehnte es jedoch einstimmig ab, den Neichstagbeschluß vom 16. Januar in Beratung zu ziehen, da die preußische Regierung zur Ergreifung der Ausweisungs-, Maßregeln berechtigt ist. — Am 16. Dezember starb in Wien Herr General- Procurat ir Dr. Julius Glaser, geboren am 19. März 1831 zu Postelberg, einer der hervc rragendsten Rechtsgelehrten Oesterreichs, .der im Jahre 1871 Justizminister ,es Landes war. Er, der Convertit, schrieb auch „Zur Judenfrage". Er war Der Schöpfer des Geschwornen-Gerichtes in Oesterreich und die dortige Strafpro jeßordnung ist. sein Werk. — Am 19. Dezember starb im Alter von 86 Jahren Herr Öberrqbbiner Äoel Ungar in Paks. Er war ein hervorragender Talmudist und hatte unter den Fanatikern in Ungarn viele Gegner, weil er nicht bildungsj kindlich war nud selbst deutschen Studien oblag. — Am 6. Dezember starb zu 8arospakaK der Gemeinderabbiner Herr Zesaias Beyer. — Am 16. Januar feierte dec Rabbinatsasiessor Prof. Michael Adler in Prag seinen 70. Geburtstag. — Herr Dr. A. Tauber, bisher Rabbiner in Brür, wurde als Rabbiner nach Preran b:rufen. — Am 14. Junuar starb in Budapest Herr Religionsprofessor Kalomon Kahn, geboren in Komorn 1828. Er ist als Mitarbeiter mehrerer hebräischer Zeitschriften bekannt, schrieb mehrere geschätzte Schulbücher und hinterließ eine Schrift über jüdische Sprichwörter. — Ein junger Professor in Budapest, der, um eine Stäatsanstellung zu erhalten, sich taufen ließ, erhielt trotzdem oder vielleicht gerade deßwegcn, obwohl der Herr Unterrichtsminister sich zum Taufpatl eit erbitten ließ, keine Anstellung, dagegen wurde eine vacante Stelle um diese Zeit einem Juden übertragen. — In Wien sind am 15. Januar drei katholisch: Damen zum Judentume übergetreten. — Die „Israelitische Allianz" in Wien, deren Wirken in Galizien alle Anerkennung verdient und von sichtlichem Erfolg g lrönt ist, hat an die Vorstände der israelitischen Gemeinden in Galizien ein Runi schreiben erlassen, in welchem'sie auffordert, die jüdische Jugend auch dem Ackerbau und dem Handwerke zuzuführen, nachdem eine beträchtliche Anzahl wackerer jüdischer Grundbesitzer und Pächter in Galizien, an deren Spitze der eifrige Großgrundbesitzer Herr |H. Kiiniiiclmann aus Licchomsze, sich bereit erklärt haben, eine nicht ünbedeutende Menge junger Leute aufzunehmen und zu praktischen Landwirten heranzubilden. — Herr Dr. Scllineli in Wie» fordert zur Gründung von Mendelssohn-Lessing-Vereinen auf, in welchen Vorträge gehalten werden sollen, um Freundschaft und Frieden unter Juden und Nichtjuden zu fördern. — Die israelitische Geiizeinde in Budapelk hat beschlossen, daß in dem großem Tempel, in welchem zwei Prediger wirken, nur alle vier Wochen eine Predigt gehalten werden darf. In Budapest nennt inan das Reform! — Zum Präsidenten des Vorstandes der Wiener israelitischen Gemeinde wurde Herr Arminia Cohn am 10. Januar erwählt, der von sich sagte, er sei ein Mann des Friedens, wenn auch nicht des Friedensznm jehen Preis. In derselben Sitzung stellte Herr Emanuel Baumgarten den Antrag auf Errichtung einer Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Solche Vorstandsmitglieder verdienen rühmend hervorgehoben zu werden. — Im Galtst scheu Landtage hat der Abgeordnete Merunoivitsch bei Gelegenheit der Verhandlung über eine zu gewährende Subvention für die deutsch-israelitische Hauptschule in Brody gezeigt, daß er seinen Antisemitismus noch nicht los geworden. Der Abgeordnete Herr Dr. Imker trat ihm entgegen, schließlich bewilligte der Landtag 6000 st. O. W. — Ans Böhmen schreibt man uns: In der letzten Sitzung des böhmischen Landtages wurde am 21. Januar die Petition der Repräsentanz der Landesjudenschaft des Königreiches Böhmen nebst Petitionen

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