Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1886)
- Date
- 1886-03-01
- Page
- Seite 65 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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65 ersehen, demnächst eine Knai-Berith-Loge errichtet werden. — Am 20. Januar wurde in Strahburg in Anwesenheit des Kaiserlichen Statthalters, sowie der Spitzen der Behörden das neue israelitische Krankenhaus eingeweiht. Herr Oberrabbiner Arnand Aaron hielt die Weihrede und der Verwaltnngspräsident Herr lll»!» Auscher hob »hervor, daß das neue Krankenhaus Leidenden aller Bekenntnisse und Länder gleich liebevolle Aufnahme gewähren werde. — Bei der abgehaltenen Mendelssohn-Feier in der „Gesellschaft der Freunde" in Berlin hielt Herr Prof. Lazarus die Festrede, in der er ausführte, daß Mendelssohn nur aus äußeren Rücksichten auf seine orthodoxen Zeitgenossen Gebräuche beobachtet, die von der heutigen Rcformpartei als überwunden bezeichnet werden. Im Geiste Mendelssohns wirken heißt auf dem Wege der modernen Theologie weiter fortfahren. Daß es eine Anmaßung ist, wenn die Orthodoxie Mendelssohn als den ihrigen reclamirt, ist für Vernünftige klar. So hat jüngst ein solcher famoser Jünger Mendelssohns, Rabbiner einer süddeutschen Gemeinde, ein Schüler Hildesheimers» in einer Trauungsrede von der Wichtigkeit und Heiligkeit des Scheitels gesprochen und am Schlüsse seiner Rede emphatisch ausgerufen „Und nun frage ich Ae in diesem feierlichen weihevollen Augenblicke — antworten Sie mir — wollen Siemen Scheitel tragen oder nicht?" Die Braut antwortete mit einem festen Nein. — In Hamburg wurde am 10. Januar das israelitische Altcnstift, ein Asyl für israelitische Kreise, seiner Bestimmung übergeben. — Im litterarischen Vereine zu Dresden hielt Herr Oberrabbiner Landau auf Aufforderung den im dortigen Bürgerverein früher gehaltenen Vortrag über Moses Mendelssohn, der sich allgemeinen Beifalls erfreute. — Die in Leipzig erscheinende „Restaurant Hotel-Revue" schreibt über das Bad Friedrichsroda: „Die letzte Saison wird als allgemein ungünstig bezeichnet. Man klagt über Verjudung des Platzes." Darauf erläßt das Friedrichsrodaer > Bade-Comitv eine energische Abwehr, in der es heißt: „Erlogen ist zunächst, daß j eine Verjudung des Platzes zu beklagen sei. Die Kurgäste überhaupt nach der! Religion klassifizieren und nur je nach Verhältnis des Bekenntnisses zulassen zu wollen, I fällt Niemandem in Friedrichsroda, ebensowenig als in andern größeren Badeorten ein. Jeder, der sich anständig beträgt und die üblichen Beiträge zahlt — mag < er Heide, Israelit, Christ, Mohammedaner oder ein Andersgläubiger sein - ist . dem Comit6 und unzweifelhaft der Gesammtbevvlkernng von Friedrichsroda auch ] fernerhin willkommen! — Am 26. Dezember trat in Berlin der bekannte „Dr.“ Simon May zum Christentume über. Das Judentum wiÄ) diesen Verlust nicht beklagen. — In Cassel ist ein neuer Antisemit, Dr. CaMrano, 30 Jahre alt, aufgetreten, der durch seine äußeren Mittel in Stimme und Geberde die Menge gewinnen soll. Er hat bereits in Berlin und anderswo gesprochen. — In Berlin wurde ein Offizier, der in der Silvesternacht im „Cafä Bauer" spöttische Aeußerungen über das Judentum gethan, von einem jüdischen Kaufmann gefordert und schwer verwundet. — Im deutschen Reichstage sagte Stöcker gelegentlich der Debatte über die Bedürfnisse des Ministeriums des Aeußern von den Negern in Kamerun „Diese unsere Brüder sollen vor dem Branntwein geschützt werden, in den Kolonieen muß Toleranz herrschen." Woerniann erwiderte richtig hierauf Herr Stöcker möge nicht in die Ferne schweifen, liegt doch das Gute so nah. Warum beginnt er nicht mit der Toleranz in Deutschland? Warum stellt er hier bei uns die Judenhetze nicht ein? Auch die preußischen Ausweisungen von russischen und österreichischen Unterthanen, worunter sehr viele Juden, wurden im deutschen Reichstage in der Polendebatte am 15. und 16. Januar einer scharfen Kritik unterzogen und in einer Resolution als nicht gerechtfertigt und als nicht 6