Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1886)
- Date
- 1886-03-01
- Page
- Seite 62 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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*tim- -jujiujj - 62 — Annahme ist vernünftiger, als diejenige einer Zerstreuung seiner eigenen Teile Das Judentum fmm also auch den phanteistischen Gedanken, an dein so viel für Moral und Kultur hängt, anfnehmen, wie es der' prästabilirten Harmonie Leibnitz, der Sphärenmusik Newtons, ja dem Protoplasma, der Urzelle Darwins zu folge» vermag, ohne darum für seinen Bestand zu fürchten, und wenn die neue Natnrforschung, wenn Helmholtz noch sucht, wie im Menschen der Uebergang vom Unbewußten jn's Bewußte auf natürlichem Entwicklungswege stattgesunden, so kann das Judentum dieser Untersuchung mit Interesse folgen. Seinen Gott kann mau ihm doch picht nehmen. Gleichgültig für seinen religiösen Glauben ist es ihm, ob Haller Recht hat mit seinem: „Jn's Innere der Statur dringt kein erschaffener Geist!" oder die neuere Dinamochimie, die mit Retorte, Tiegel und Dcstillirkv lben das Ursein ergründen will. Für das Judentum ist Wissen nicht gefährlich und Bakos Satz: „Wissen ist eine größere Macht als Bernunft, Verstand und Glauben, und errichtet seinen Thron im Herzen und Geist des Menschen" ist dem geistig fortgeschrittenen Judentume der ganzen Gegenwart zum Verständnis und zur Würdigung gekommen. Etwas anderes ist es »>it der starren formglänbigen Partei, die sich jeder Entwicklung, jedem Fortschritt widersetzt und gegen welche schon die Propheten Israels niit aller Wucht ihrer Gottcskraft ankämpften. Hoffen wir, daß ein neuer geistiger Umschwung, wie ihn"die Propheten schon vor Jahrhunderten vorhergesagt, und wie ihn der Verfasser dieses Romanes in der neu errichteten Sebalduskirche, an welcher der von seinem Amt vertriebene Pastor Ulrich Sebald wirkt, und der nur den geistigen, allgemein menschlichen Inhalt des positiven Konfessionsbekenntnisses anerkennt, uns zeigt, die geistige Verbrüderung aller Konfessionen verwirklichen wird und damit auch die erhabene griechische Mythe, daß Amor und Psyche sich vermählen, Geist und Natur in innerer Einheit sich verbrüdern, Wissenschaft und Religion sich anssöhnen. Mit diesein erhabenen Znkunftsideale schließt das lehrreiche Werk, und hat damit den Zweck des Verfassers, zu zeigen, wie Humanität, wahre Humanität schließlich alle Vorurteile und Wahngebilde besiegt, einen Zweck, den der geistreiche Verfasser in allen seinen Schriften anstrebt, erfüllt. So möge denn dieses erhabene Ideal sich in der Wahrheit und Wirklichkeit erfüllen, und die schönste Zukunft der Menschheit durch göttliche Fürsorge herabsteigen im sonnigen Gewände ans alle Menschenkinder, auf alle Kinder unseres Gottes uttb Vaters. Das wäre ein Streben, würdig der Besten aller Nationen! dl. R. Eine Wechlfertigung des Judentums. Von Claude Moiitofiorc. (Schluß.) Sehen wir nun, worin der höher entwickelte Begriff der Verbindung mit Gott, wie ihn die Neuzeit besitzt, besteht. Der endliche Mensch ist nach diesem ein Kind des Unendlichen, ist sich seiner Schranken bewußt, uud in diesein Bewußtsein über dieselben erhaben; seine selbstigen Wünsche sind mit einem höheren Selbst in fortwährenden Kampfe. Dieses sein höheres Selbst ist unwirklich und doch wirklich, und muß mit der göttlichen Unendlichkeit ausgesöhnt werden, und