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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-03-01 · Heft 3 (1.3.1886) · p. Seite 61

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 3 (1.3.1886)
Date
1886-03-01
Page
Seite 61 (sequence 13)
Language
German
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WIW . l .y. — 61 — flicfit diesmal, auf der Reise durch den Naturforscher über die Darwinsche Eutwickelungs- und Desceudcnztheorie belehrt uud zum Zweifel über das übernatürliche Eingreifen Gottes uud der Mutter Gottes in diese Weltordnuufl fleführt, trotz aller deistischen Lehre» des verschlagenen Professors Marpiuger ihrem Retter die Hand. Wir sehen hiermit das entscheidende Fazit aus der Wissenschaft und den Bestrebungen' der heutigen Zeit in rücksichtsloser Weise gezogen, Darwins Entrvickelungslehre und den „Häkelismns" zum bestimmten, systematischen Glauben erhoben! Armes Judentum! Wie wird es dir ergehen! Kannst du diesen salto mortale der Neuzeit mitmacheu? Kannst du ermessen wie ans dem Schooße der Sonne die Erde geboren? „Wie das Sonnenlicht allmählig das Auge geschaffen, indem es die langsame Aufsteigung erwirkt, vom Nervengewebe in der Haut, das dem Regenwurnl die Empfindung der Wärme, aber noch nicht die des Lichtes vermittelt, zum schwarzen Pünktchen, mit dem der Fühlerknoten der Schnecke hell und dunkel unterscheidet, zur vielhundertfachen Faccttcnmosaik, durch welche die Fliege die räuberisch umherschwirrcnde Libelle schaut, die Biene und der Schmetterling schon Blumenfarben wahrnehiuen, zum erstaunlich vollkommen geschaffenen Nachtglase im Kopfe der Eule und dem nie geblendeten Tagfernrohr des Adlers, bis zu dem Auge endlich, mit welchem Sie, Fräulein Hildegard, betrachten!" Wird ferner das Judentum den pantheistischen Gedanken adoptiren können, den der Naturforscher Arnulf als sein Glaubensdogma aufstellt, und in einer kleinen Parabel niederlegt.- „Ein Gefangener zerstreut in seiner eiilsanien Zelle eine Schachtel Nähnadeln nachdem er dieselben sorgfältig gezählt, und müht sich nun ab, zum Zeitvertreib das Tausend wieder zusammenzufinden. In einem Jahre wird er damit fertig und hat sich auf diese Weise durch leidenschaftliches Suchen die Zeit vertrieben, so daß er es nun bedauert, nicht mehr suchen zu können. Er will sein Spiel von neuem fortsetzen, da wird ihm die Freiheit verkündet. So hat auch der sich im Weltenraume allein befindliche Gott, um sich die Zeit zu vertreiben, Millionen Stücke seiner selbst in's Universum verstreut, und sucht sie nunmehr wieder zu sich zurückzuführen. Ist er daniit zu Ende dann ist der Zweck des Universums erfüllt". Kann das Judentum einen derartigen pantheistischen Gedanken unterschreiben? Wir brauchen diese Frage nicht zu beantworten, da der jüdische Glaube zu ernst ist, um auf eine anscheinend geistreiche aber im Grunde höchst absurde Idee einzugehen. Wie! Gott könnte wie ein indischer Wischnu, ein ägyptischer Apis, sich selbst zerfleischen, uni darauf seine Teile zusammensuchen zu lassen? Das Judentum kann jeder wahrhaft wissenschaftlichen Bahn folgen und sich ihr anaccomodiren, nur seinen außerweltlichen Gott, von dem kein Teil sich in dieser Welt befindet, insoferne als das Werk ein Teil des Schöpfers ist, inuß man ihm lassen, wenn es nicht in sich selbst zerfallen soll! Es kann den pantheistischen Gedanken für sich in dem Sinne adoptiren, als sich in allen Kreaturen und allen Gegenständen der Welt der Gedanke Gottes, seine unaussprechliche Weisheit zeigt, wie es der fromme Dichter so schön in den Psalmen singt, und insofern Gott selbst ist, als nichts mehr einem Künstler angehört, außerdem Werke, in welchem sein Genie, sein Geist, sein Gedanke verkörpert ist. Und wie das ganze Werk selbst erst das ganze Bild, die Idee Gottes giebt, so kann das Judentum wol den Pantheismus in dieser Weise auffassen und glauben, daß Gott Millionen seiner Werke in die Welbverstreut hat, um sie wieder vervollkommnet zu sich zuriickkehren zu lassen. Diese

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