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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-03-01 · Heft 3 (1.3.1886) · p. Seite 60

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 3 (1.3.1886)
Date
1886-03-01
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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vp-’T-'-'r — 60 — Auch wenn dereinst im Wechsel aller Zeiten Die Lüge spricht der Wahrheit wieder Hohn — Dann mögen für die Wahrheit Männer streiten Wie dieser edle Moses Mendelssohn. 8. Ch. ptc Sebalds. Rvnicin diisj der Wegcmuart von Wilhel »i Jordan LchUisz.) Es liegt hier eine der Hauptlehren des Romans für uns. Gegen eine zweite, welche uns der aufgeklärte Pastor Ulrich Sebald erteilt, müssen wir uns von nnserm Standpunkte aus verwahren. Derselbe sagt nämlich: „Ich frage! Halten sie es für einen Zufall, daß durchaus nur die Christenheit den Besitz einer allumfassenden Wissenschaft verbreitet hat — daß nur die Christenheit das Dampfschiff, die Eiseilbahn, den Telegraphen erfunden hat?. Wir haben bewunderungswürdiges Wissen, bewunderungswürdige Macht erarbeitet, lveil uns von unserer Religion die Aufgabe gestellt war, den allwissenden und allmächtigeu Wnnderthäter Christus nachahmend zu verleiblichen?" Hier liegt der Vorwurf, als ob nicht auch das Judentum sich am Fortschritte der Zivilisation beteiligen könne, daß, wie Heinrich Heine in einem Witzworte sagt: „Der Taufzettel, das Ent'räebillet, zur europäischen Kultur ist!" O, nicht doch! Christus ist eine jüdische Erscheinung, die der Jude voll für sich in Anspruch nehmen kann, und somit hat er an dem Siege des Christentums, soweit es .solchen der Religion verdankt, gewiß vollgültigen Anteil. Eine weitere Untersuchung würde es natürlich sein, ob lvirklich das Christentum als solches jene großen Entdeckungen und Erfindungen, hervorgerufen hat, oder ob solche nicht vielmehr das^ Resultat der Naturwissenschaft, wie sie sich int Gegensatz znm hergebrachteil Christentuin durch Galilei, Koperuikus, Kepler n. s. w. entwickelten. Auch das Judentum erkeirnt den Fortschritt und die Zivilisation an und tritt allen gegenseitigen Bestrebungen der Obscuranten entgegen die da glauben, daß die unendlich reiche Fülle und Allmacht Gottes sich nur in eine einzige Form, in einen starreu Zeremoniendienst eiuschließen ließe, wo doch anderseits eine so allgemeine Verschiedenheit in der ganzen Natur besteht, daß kein Blatt eines Baumes, kein Haar eines Sperlings dem andern gleich ist. Auch der Gottesdienst der Menschen kann in jedem Herzen sich verschieden äußern, den Bedürfnissen der augenblicklichen Lage entsprechend und dennoch mit allen anderen Stimmen zur Verherrlichung Gottes sich in schöner Harmonie vereinigend. Eine^ richtige Lösung findet daher der Verfasser, indem er ohne vorausgehende Taufe Cäcilie Mendez sich mit dein protestalttischeu Pastor vermählen läßt. Cäciliehat als Jüdin, um freisinnig zu denken, keinen Uebergang zu machen nötig, wie Hildegard, die auf einer Reise nach Amerika den Bruder jenes Pfarrers, Arnulf, den theologisirenden Naturforscher kennen lernt und von diesem bei einem Schifibruch im St. Georgskanal an der irischen Küste gerettet wird. Sie

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