Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1886)
- Date
- 1886-03-01
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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.WM.WWWWW - 56 — das Volk sich beruhigte und der Freigebigkeit für jetzt eine Grenze gezogen wurde. Ist es nicht erstaunlich, daß dasselbe Israel, das erst vor kurzer Zeit Moses zur Verzweiflung gebracht, jetzt mit solcher Begeisterung ihm eine solch übermäßige Teilnahme für seine hohen Bestrebungen entgegenbringt? Ist es nicht erstaunlich, daß dasselbe Israel, das mit dem einmütigen Rufe: das sind deine Götter Israel! vor dem ägyptischen Ticrgötzen sich in den Staub warf, jetzt zu dem Heiligtume des Einen Ewigen, der in keinem Bilde dargestellt werden kann, so hinströmt? Man weiß nicht, ruft ein Lehrer des Talmuds aus, was man von diesem Volke halten soll. Man fordert für das goldene Kalb — und sie geben. Man fordert für ein Heiligtum des unsichtbaren Weltengottes — und sie geben. Das ist'eine sehr bedenkliche Eigenschaft. Für alles seine Teilnahme bekunden, für so entgegengesetzte Zwecke zur Hilfeleistung sich bereit zeigen, für das Verwerflichste sich begeistern und ebenso für das Edelste und Erhabenste — das ist ein unerklärlicher unlauterer Zug in dem Wesen dieses Volkes, der hier ganz deutlich und unverkennbar zu Tage getreten ist. Indes das sehen wir, es ist in Israel, selbst wenn es zur tiefsten Stufe der Verderbnis herabgesunken Mre. noch immer die Hoffnung nicht aufzngeben, es ist einer Erhebung fähig, die von der edelsten Begeisterung, von dem vollsten Gottesbewußtsein getragen ist. Den guten Willen, den guten Glauben sollen daher diejenigen, die ihn mitten in der tiefsten Entartung und Verwahrlosung des Geisteslebens in Israel sich bewahrt haben, nicht-aufgeben und fallen lassen, sie dürfen sich von den betrübenden Erscheinungen, die sich in manchen Zeiten darbieten, von der Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit, die wie eine schaurige Einöde sie uiugicbt, nicht entmutigen, ja nicht einmal von den vorübergehenden Triumphen des Wahnes, der Lüge und Niedrigkeit sich irre machen lassen. Das Gute siegt, selbst wenn es noch so lange verkannt und gemieden ward, der Lichtstrahl der Wahrheit verscheucht endlich die düsteren Pebel des Wahnes und der Täuschung, der geistige Fortschritt kann zwar zeitweise durch -Unvernunft, durch böse und niedrige Bestrebungen gehemmt, aber nicht für die Dauer beseitigt und zurückgehalten werde». Vom Wollen zum Thun ist oft ein weiter Weg, aber wir dürfen nicht müde werden, .auf demselben fortzuwandeln, dürfen der Hemmnisse und Hindernisse nicht achten, die man uns da entgegenstcllt, fest und treu, eifrig und unverdrossen müssen wir bei dem guten und ernsten Willen beharren, wenn er auch nicht so leicht Thaten schaffen und Erfolge herbeiführen kann, müssen hüten das Licht, ivenn auch noch dichte Finsternis sich ausbreitet, wahren die bessere Erkenntnis, wenn Wahn und Thdrheit die Geister verblenden und den rechten regen Sinn und Glauben uns erhalten, auch wenn bittere Enttäuschung und frevelhafter Hohn »ns denselben verleiden möchte. Wer noch ein Herz für Gott hat, wer im Geiste dem Ewigen gehört, der komme zu mir rief Moses ans und es fanden sich auch noch Männer, die sich um ihn schaarten. War es auch nicht die große Menge, wäre» cs auch nicht die Reichen und Vornehmen, so waren es doch Männer, die von besserem Streben beseelt rvaren, die für die Lehre Moses Verständnis hatten. Und was war die Folge? Es trat mit der Zeit ein solcher Umschwung zum Besseren in Israel ein, daß endlich das ganze Volk auf Seiten Moses stand und mit der wärmsten und hingebendsten Teilnahme seine Ziele fördern hglf. Den guten Willen, den guten Glauben laßt uns behalten — es kömmt auch dld> Zeit der That.