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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-03-01 · Heft 3 (1.3.1886) · p. Seite 53

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 3 (1.3.1886)
Date
1886-03-01
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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Ein weiterer Grund des Hasses gegen die Juden war ihre schroffe, ihre abwehrende Haltung dem Polytheismus gegenüber. Der Polytheismus war sehr duldsam und konnte seiner Natur nach auch gar nicht anders sein. Die Zahl der Götter und der göttlich verehrten Wesen war eine ungeheure, jedes Land, jeder irgendwie bedeutendere Ort hatte seine eigenen Gottheiten, und dennoch wurden alle Götter und alle Tempel von allen, die in ihr Bereich gekommen, in gleicher Weise verehrt, keinem wurde der religiöse Dienst versagt. Die Römer z. B. die nach Syrien, Klein asien, Aegypten u. s. w. gekommen, versäumten es nicht den Göttern des Ortes nach Verhältnis ihres Standes und ihres Vermögens zu opfern; wohingegen die vielen Fremden, welche aus allen Weltgegenden in Rom zusammenströmten, um längere oder kürzere Zeit daselbst zu verweilen, es ganz in der Ordnung fanden, den Göttern Roms und ihren Tempeln ihre Huldigung zu bezeugen. Es wurden in Rom sogar fremde Gottheiten, so namentlich die ägyptischen, ausgenommen und ihnen Tempel und Altäre geweiht. Die römischen Cäsaren hatten die Anordnung getroffen, daß täglich in ihrem Namen und auf ihre Kosten im jüdischen Tempel zu Jerusalem geopfert werde. M Ueberhaupt waren Opfer der Heiden im jüdischen Tempel gar nicht selten, und cs bestand hierüber die Gepflogenheit, daß wenn ein Heide ein Opfertier geschickt, ohne die obligaten Wein- und Mehlspenden dazu zu senden, diese auf Kosten des Tempelschatzes angeschafft wurden. * 2) Diese Höflichkeit der Polytheisten gegen den Gott der Inden hätte nach den damaligen Anschauungen die Erkenntlichkeit gefordert, daß die Juden, welche in Rom, Antiochien, Alexandrien u. s. w. gelebt oder ihrer Geschäfte wegen sich dort aufgehalten, es ebenfalls nicht verschmäht hätte», den lokalen Gottheiten durch Opfer ihre Devotion zu bezeugen. Daran war aber bei den äuden nicht im Ent» serntesten zu denken, sie hätten sich, nach ihren Anschauungen und nach ihren strengen Religionsgesetzen durch einen solchen Akt eines todeswürdigen Verbrechens schuldig gemacht. Man gewöhnte sich freilich endlich daran, in friedlichen Zeiten von den Juden diese Urbanität, wie sie allenthalben gang und gäbe war, weder zu verlangen noch zu erwarten, aber Liebe und Zuneigung konnten sie daniit bei ihren heidnischen Nebenmenschen nicht gewinnen. Noch mehr. Der römische Senat hat sich bekanntlich bewogen gefühlt, die meisten seiner kaiserlichen Herren, entweder schon zu ihren Lebzeiten oder wenigstens nach dem Tode, den Göttern anzureihen. Die heidnische Welt des großen römischen Reichs nahm diese Senatsbeschlüsse nicht nur ohne Widerstreben sondern sogar mit großer Befriedigung auf. Auf einen Gott mehr oder weniger kam es den Polytheisten durchaus nicht an, und die Apotheose eines Kaisers verschaffte ihnen die gute Gelegenheit, die Gewogenheit des unumschränkten Gebieters, seines Nachfolgers oder der andern Glieder des kaiserlichen Hauses zu erwerben. Elf Städte Kleinasiens stritten um die Ehre, dem Kaiser Tiberius einen Tempel bauen zu dürfen und schickten deswegen ihre Legaten nach Rom an den Senat. Nach laugen Beratungen entschied der Senat für Smyrna, alle anderen wurden abgewiesen. 3) Die Juden hingegen drohten mit einer offenen Empörung, als der zum Gott erhobene Caligula sie zwingen wollte sein Bildnis in ihrem Tempel aufzunehmen. Das muße nicht nur den Kaiser gegen sie erbittern — und wer weiß was geschehen wäre, wenn nicht während der über den y Joseph, da bello II. 17; 2. Menachoth 51; b. 3) Tacit. Annal. I V; 55. 56.

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