Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1886)
- Date
- 1886-03-01
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969919-2969923--1593-2976199- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
51 Habgier Roms, seine Treulosigkeit, seine Grausamkeit und seinen Uebcrmnt, der so weit sein Arm reichte, keinen Staat und kein Genieinwesen im Genüße der Freiheit, der Selbständigkeit und des Friedens dulden mochte; seine rücksichtslose Selbstsucht, die seinen Freunden und Schützlingen nicht minder verderblich wurde als seinen Feinden und mit der Miene eines Protektors und Gönners nur inimer ans neue Räubereien sann, gleich der Katze, die cs nicht verschmäht ihr Opfer zu streicheln, um es dann mit um so größerer Gemächlichkeit verschlucken zu können. Wären uns Schriften anderer zeitgenössischen Völker zugänglich, wir würden die Römer dort mit nicht besseren Farben dargestellt sehen als bei den Inden. Die Juden ihrerseits wurden nicht nur vvu den Römern sondern auch von allen andern Völkern aufs bitterste gehaßt und angefeindet. Schon der Midrasch') hat die treffende Bemerkung, daß Rom und Israel in dieser Beziehung das gleiche Schicksal haben, von allen andern Völkern gehaßt zu werden. Der Unterschied bestand nur darin, daß die Völker und Nationen, welche von Rom unterjocht waren, ihren' Ingrimm gegen ihre Tyrannen wohlweislich in ihreni Innern verborgen hielten und nur in den seltenste» Füllen es gewagt haben, ihn zum Ausbruche kommen zu lassen, was sie auch in der Regel schwer zu bereuen hatten; wohingegen sie den machtlosen Juden gegenüber, besonders nachdem sie aufgehört einen eigenen Staat zu bilden, der Neigung ihres Herzens durchaus keine Gewalt anthun mußten und auch in der That ihre judenfeindliche Gesinnung bei jeder sich darbietenden Gelegenheit in ganz unzweideutiger Weise in Wort uird That zu erkennen gaben. Der Grund, warum die Juden so allgemein gehaßt wurden, war freilich ein ganz anderer als der, weßwegen die Römer das Uebelwollen ihrer Nebenmenschen verdient hatten. Die Römer konnte ihre brutale Gewaltthätigkeit, ihre maßlose Tyrannei nicht anders als verhaßt machen. Die Juden hingegen waren seit ihrer Rückkehr aus dem Exile unter Cyrns kaum in der Lage, aggressiv gegen irgend einen andern Stainm vorzugehen, sie hatten vollauf zu thun, sich auf ihrem eignen Boden zu behaupten und ihre Selbstständigkeit zu wahren, was ihnen bei den obwaltenden Verhältnissen auch nur für kurze Zeit gelingen konnte. Die Juden wurden von den andern Völkern gehaßt ihres Partikularismns wegen. Die Juden waren stolz auf ihre Religion, welche sie nicht nur für die allein wahre hielten, denn das thun am Ende die Anhänger eines jeden Religionssystems und haben es von jeher gethan, sondern auch, sowohl in ihren Prinzipien als in den von diesen abgeleiteten praktischen Religionslehren, für weit vernünftiger, edler, reiner und sittlicher als die ihnen bekannten politheistischen Religionssysteme erkannten, und jeder Unparteiische wird es heutzutage zugestehen müssen, daß die Ueberzeugung der Inden in dieser Beziehung eine wohl begründete gewesen. Der einfachste in seiner Glaubenslehre unterrichtete Jude wußte schon vor mehr als zweitausend Jahren, was Sokrates und Plato zur selben Zeit auch gewußt, und was gegenwärtig jedes Kind weiß, daß nämlich der ganze griechische und römische Götterkultus mit allem was darum und daran hängt eine kindische läppische Spielerei gewesen, gut genug die gedankenlose und abergläubige Menge im unzurechnungsfähigen Alter des Menschengeschlechts damit zu gängeln. Und daß die Juden den Polytheisten gegenüber, besonders wenn sic im Ernste oder im Scherze durch Spöttereien und Neckereien dazu herausgefordert wurden, mit >) 6sNesiz rabba. c. 63. 5*