Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1886)
- Date
- 1886-02-01
- Page
- Seite 45 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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45 den erhabenen Zweck der Predigt, derselben einen tiefen Eindruck auf die Gemüter zu verschaffen. Bekanntlich war Salomon einer der ersten Schöpfer der neueren jüdischen Kanzelberedsamkeit, deren Literatur ihm zahlreiche gediegene Leistungen zu verdanken hat. — Herr Prof. Dr. Paulus Cassel behandelt in einer neulich erschienenen Schrift: Messianische Stellen des alten Testaments, kritisches Sendschreiben über die Probebibel (Berlin 1885, Schulze's Verlag) den Inhalt einzelner Weissagungen, in denen messianische Verheißungen enthalten sind. Zn einer einleitenden geschichtsphilosophischen Betrachtung, aus der zu ersehen ist, daß auch innerhalb der christlichen Welt der Kampf gegen das Heidentum noch lange nicht zu Ende geführt ist, verurteilt der Vers, zwar das in vieler Hinsicht einseitige Verfahren der modernen Bibelkritik, die ihre Folgerungen mehr aus dem äußeren Wortlaute als aus dem inneren Geiste dieser heiligen Urkunden ableitet, macht aber doch wiederum in seinen Erklärungen, die mehr geistliche Exegese darbieten sollen, von demselben Gebrauch. Um z. Bzu beweisen, daß der in dem Segen Jakobs genannte „Schiloh" auf den Messias Hinweise, wird dieser mit Aenderung der tradirten Leseart und Punktation in einen „Schelach" verwandelt, welcher Name, gleichbedeutend mit „Zemach" den „Sprößling" bezeichnen soll. Das ist geistliche Exegese nach Art des jüdischen Midrasch; sinnig, auch einer gewissen Gedankenwahrheit nicht entbehrend, aber dennoch mehr Deutung als Erklärung. Wenn man schon solche Emendationen sich gestattet, um sich den Weg zu dem inneren Verständnisse des Schriftwortcs zu bahnen, warum sollte inan sie bei der philologischen und literaturgeschichtlichen Erforschung desselben sich versagen? Wir haben zu der Macht des über alle Fluktuationen des menschlichen Denkens erhabenen Geistes, der die Bücher der heiligen Schrift durchweht, zu viel Vertrauen, als daß wir von kritischen Operationen, die ja im Grunde doch nur den Buchstaben treffen und an der Lehre der Wahrheit nichts ändern können, eine Verflüchtigung desselben befürchteten. Das Wort Gottes kann die menschliche Kritik ertragen. Die Grundmauern des Glaubens, die den Ansturm eines weit vordringenden Rationalisnius überstanden haben, werden auch durch die Unterniinierungsarbeit kritischer Untersuchungen nicht erschüttert werden. Wir können daher den Ergebnissen der historischen Forschung ruhig entgegensehen. So lange sie klar und ehrlich ist, die Wahrheit sucht und nicht auf Hypothesenmacherei ausgeht, durch die dieselbe mehr verdunkelt als an's Licht gebracht wird, wird durch ihre Arbeit unsere Glaubenserkenntnis nur geläutert und gefördert, andernfalls ist solche Wissenschaft früher oder später durch sich selbst gerichtet und für die Zukunft ganz ungefährlich. Auf die einzelnen Erklärungen des Verfassers können wir hier um so weniger cingchcn, als die Stellen, wenn sie eben geistlich verstanden werden sollen, doch auch anders aufgefaßt werden können. Sehr wertvoll sind die im Anhang mitgeteilten Bemerkungen zu einzelnen historischen Daten des Siegeskalenders lMegillat Taanit). Wir finden hier, obzwar wir mit dem Verfasser in manchen Punkten nicht übereiilstimmen können, doch manche wichtige Nachweise und beachtenswerte, mit großein Scharfsinn begründete Anschauungen. Auf diese Partie des Buches wollen wir die jüdischen Fachgelehrten besonders aufmerksam inachen. — Zum zweihundertjährigen Gedenktage der Aufhebung des Edikts von Nantes hat Prof. Dr. Theodor Ichott in Ltuttgart im Aufträge der „Deutschen Gesellschaft für die Geschischte der Reformation" ein Werk geschrieben, in welchen! er die Aufnahme der flüchtigen Hugenotten in protestantischen Ländern Europas schildert. Der Verfasser erzählt in einem Abschnitte über die Niederlande, daß bei den Sammlungen zum Besten der Vertriebenen Hilfe von einer.