Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1886)
- Date
- 1886-02-01
- Page
- Seite 43 (sequence 19)
- Language
- German
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Jerusalem ab. Der Zudrang der Beamten würde aber wohl schwerlich ein so großer gewesen sein, wenn nicht jeder Teilnehmer bei der Abfahrt 10,000 Frcs. und bei der Wiederankunft in Brüssel 7000 Francs, also für ein Jahr volle 17,000 Francs, ausgezahlt erhalten sollte. — In Antwerpen haben sich flüchtige Russische Juden niedergelassen, die daselbst eine besondere Gemeinde bilden. Sie haben ein Bethaus errichtet und erhalten eine Schule und einen Rabbiner.. — Der französische Divisions-General Lambert, ein Jude, hat das Kommando der 19. Infanterie-Division erhalten. Seine Stellung entspricht genau der eines deutschen kommandirenden Generals. Die beiden Kapitäns Bloch und Aron sind in den Generalsstab versetzt worden. — Herr Baron Alphons von Rothschild; n Paris wurde zum Ehrenmitglieds der Akademie der schönen Künste ernannt. — Die frailzösische Acaddmie de mddecine hat den höchsten Preis fiir praktisch-chirurgische Medicin (Prix Itard, 2500 Franken) dem in Paris ansässigen Specialisten für Ohrenkrankheiten, Dr. med. Loewenberg aus Frankfurt a. d. Oder, verliehen. — Das Resultat der jüngst stattgefundenen Wahlen für's englische Parlament ist hinsichtlich der jüdischen Parlamentsmitglieder, wie folgt: Bon den 18 jüdischen Kaitdidaten wurden acht gewählt und zwar: Herr Arthur Cohen, Herr Lionrl Cohen, Sir Aulian Goldsmid, Herr %. Montag», Baron $. de Rothschild, Herr Sergeant S>mo», Baron H. de Worms, Herr L. H. Ilaars. — Der Premierminister Lord Salisbury hat auf einen von Sergeant Simon gelegentlich einer Wahlrede gegen ihn erhobenen Angriff, daß er im Jahre 1858 judenfeindliche Aeußerungen gethan habe, an Mr. Lionel Cohn ein Schreiben gerichtet, in welchem es heißt: „Ich kannte damals, im Jahre 1858, die Juden gar nicht, urteilte iiber dieselben nach Informationen aus zweiter Hand, die mich gänzlich irre leiteten." Möchten auch alle Irregeleitetes von heute ein solches sie ehrendes Geständnis ablegen. — König Oscar von Schweden hat Herrn M. Abrahamsohn aus Stockholm zum Schwedisch-Norwegischen Consul in Spanien ernannt. — In den Kirchen der Reformierten in Holland herrscht der Brauch, auch für jüdische Armenverwaltungen Kollekten abzuhalten. Einen Gegner hat derselbe in der Person des Täuflings Leon Cachet gefunden. Die Verwaltung der israelitischen Suppenanstalt in Haag wird sich wohl dadurch nicht abhalten lassen, auch auf Angehörige anderer Konfessionen ihre Thätigkeit auszudehnen, denn Schlechtes mit Gutem zu vergelten gehört zu den Haupttugenden eines echten Juden. — In Uew-Hork haben getaufte Juden eine juden-christliche Kirche eröffnet, ganz so wie in Kischenew durch Rabbinowitsch. — In Panama soll eine Synagoge erbaut werden. — In Shangai (China) wurde eine Synagoge eingeweiht. Die Anzahl wie auch der Wohlstand der Juden daselbst hat sich sehr vermehrt. Dagegen ist die Lage der Juden in Persien sehr ungünstig. Der Fanatismus erblickt in ihnen ein willkommenes Objekt zur Entladung feiner: Wuth. Die von Juden stark bewohnten Städte Rindor und Aschnn sind unlängst in Brand gelegt worden, um die Juden zu vernichten. Biele Juden sind gezwungen worden, den Turban zu nehmen. — Bon Jerusalem nach dem drei Stünden weit entfernten Keth-Lechem ist eine gute Straße angelegt worden, auf welcher täglich wohleingerichtete Wagen verkehren sollen. Eine jüdische Niederlassung in dem bislang nur von unter Europäischem Schutze stehenden Arabern bewohntem Orte steht in Aussicht.