Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1886)
- Date
- 1886-02-01
- Page
- Seite 42 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Werk des russischen Schriftstellers GradoweK,, über die Judenfrage erscheinen, dem man mit großer Spannung cntgcgcnschcn darf. Man hofft, daß dieses Werk einen günstigen Einfluß auf die Regelung der jüdischen Verhältnisse ausüben wird. — In einer russischen Stadt brachte ein Jude, wie „Hamelih" berichtet, 40 Tage fastend zu, damit Gott ihm die Augen öffne, um einen dunklen Vers im Propheten Ezechiel richtig zu verstehen, und starb. An solchen Idealisten hat unser Zeitalter wohl keinen Ueberflnß. — In einer anderen Stadt wurden einem jüdischen Priester beim Segenspenden, als er ritualmäßig die Augen schloß und den Gebetmantel über den Kopf zog, von einem seiner priesterlichen schlauen Kollegen, der damit rechnete, daß das gesegnete Israel zu den Priestern nicht aufschauen darf, Uhr und Kette entwendet. — Große Entrüstung hat in der Bevölkerung von Warschau ein Fall erregt, daß in dortiger Citadelle ein junges israelitisches Mädchen aus Wolhynien, das wegen Teilnahme an nihilistischest Bestrebungen internirt war und ihrem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht haben soll, früher, wie amtlich constatiert wurde, auf die schändlichste Art mißhandelt und gefoltert wurde. Die Staatsanwaltschaft hat die nötigen Schritte zur weiteren Uiüersuchung eingeleitet. — Am 26. Dezember feierte in Dubna der talentvolle Litterat Abraham 8er Gottlober seinen 75 jährigen Geburtstag auch das 50 jährige Jubiläum seiner schriftstellerischen Thätigkeit. Herr Gottlober war nämlich der Erste, der für das Volk im Jargon zu schreiben anfieng; er hat auch Vieles in der neuhebräischen Litteratur geleistet und schreibt ja bekanntlich trotz seines hohen Alters noch jetzt. — Die israelitische Gemeinde in Odessa : begierig am 4. Januar das fünfundzwanzigjährige Jubiläum ihres Rabbiners des Herrn Or. Zihwabacher. — Am 17. Dezember starb in Warschau Herr Bernhard Iimmermann, früher Lehrer am Rabbinerseminar daselbst und kaiserlicher Censor. Die hebräischen Zeitschriften haben an ihm eine Freund und Mitarbeiter verloren. — Joseph Kabbinowitsch in Kischenrw ist bei der Stadtverwaltung eingekommen, seiner neuen Religionsgesellschaft eine eigene Begräbnißstätte anzuweisen. Es wurde ihm für diesen Zweck eine Summe von 200 Rubeln aus dem Stadtseckel zur Verfügung gestellt. — lieber eine Wallfahrt nach Jerusalem, deren Protektor ein bei Brüssel wohnender belgischer klerikaler Baron ist, berichten belgische Blätter Folgendes: Seit einigen Tagen wird der als sehr fromm bekannte Eisenbahnminister van der Peerebom mit Urlaubsgesuchen überschwemmt. Sie verlangen unter Verzicht auf ihr Gehalt ein Jahr Urlaub. Der Minister hat diese Gesuche aus Rücksichten der Ersparnis bewilligt. Und-warum? Ein bei Brüssel wohnender Baron, einer der eifrigsten Klerikalen und reichsten Grundbesitzer, hat eine kranke Tochter, deren Heilung oder Linderung weder die Kunst der Aerzte, noch die Gebete der Priester bewirken konnten, ebenso erfolglos blieb eure Wallfahrt nach Lourdes. In Folge dieser Zustände hat' der fromme Baron bchchlosscn, eine eigene Wallfahrt nach Jerusalem auszurichten, um durch Gebet an heiliger Stelle die Heilung seiner Tochter herbeizuführen. Die Wallfahrt wird von dem Sohne des Barons selbst geleitet. Die Pilgerschaar besteht aus 60 Männern, die mindestens 35 Jahre alt, von guter Vergangenheit und größter, thatsächlich bewiesener Frömmigkeit sind und eifrigen Kirchenbesuch Nachweisen können. Sechs Aerzte begleiten die Pilger. Warum nun der Urlaubssturm? Der Baron hat die Wahl der Pilger in Anerkennung der Frömmigkeit des Ministers auf das Eisenbahnministerrum beschränkt; auf den. Minister hat das einen großen Eindruck gemacht und Dank seiner Förderung ist die Wallfahrt bereits organisirt und geht dieser Tage nach i