Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-02-01 · Heft 2 (1.2.1886) · p. Seite 41

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 2 (1.2.1886)
Date
1886-02-01
Page
Seite 41 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969919-2969922--1582-2976187
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

41 uns derselbe Korrespondent ferner, macht sich namentlich auch in den deutschen Gegenden Böhmens breit. Was aber als ganz sonderbar erscheinen muß, das ist der Umstand, daß auch in Kurorten, die meist von Juden besucht werden, dieser Auswuchs an dem Germanismus sehr merklich zu Tage tritt. Als unlängst der bekannte Rabulist Ritter von Schönerer nach Eger kam, um da für seine menschenfreundlichen Sentenzen Propaganda zu machen, war von den umliegenden Ortschaften der Frauen-Kurort Franzensbad am stärksten vertreten. Der dortige Männergesangverein war mit der Fahne in oorpor« anwesend und fast die ganze Bewohnerschaft Franzensbads nahm Teil an den Ovationen, die diesem Ritter der Menschenrechte dargebracht wurden. Von Mariendad waren es zwei Personen, die ihre Gesinnung auf solche Weise markirten: der erste Stadtrath Cl. Lanzendörfer, Besitzer des Hauses „Brittania" und Johann Kchlebnger, Obmann der Ortsgruppe des deutschen Schulvereins und Besitzer des Hauses zum „goldenen Adler". Diese beiden Herren wollten die Gelegenheit nicht vorüber gehen lassen, um den Träger ihrer Gesinnung einmal die Hand zu drücken und ihm ihre Sympathien zu bezeigen. — Aus Prag schreibt man uns: Herr Regierungsrath Prof. Dr. Z. I. Kaempf degieng am 26. Dezbr. v. I., wie in diesen Blättern bereits angekündigt worden, sein vierzigjähriges Dienstjubiläum. Die überaus zahlreichen Glückwünsche, welche dem Gefeierten zugekommen sind, beweisen, welch einer großen Achtung sich derselbe erfreut. Im israelitischen Tempel in der Geistgasse, wo er vor 40 Jahren das erstemal in Prag die Kanzel bestiegen hat, fand ein Festgottesdienst statt, zu welchem sich ein so zahlreiches Publicum eingefunden hatte, daß man nur mit Mühe einen Platz zu erobern vermochte. Der Jubilar hielt die Feftpredigt, in welcher er von demselben Bibelsprüche, wie in seiner Antrittspredigt : „Ich werde stets sein der ich bin" ausgehend, einen Rückblick auf sein 40 jähriges Wirken als Seelsorger dieses Gotteshauses warf. Er erinnerte an die Zeiten, da der Tempel als ein kleines unansehnliches Gebäude bestand, während jetzt in einem palastartigen Bau der Gottesdienst abgehalten wird. Den Anforderungen des Fortschrittes sei in jeder Beziehung Rechnung getragen worden. Redner bewies dies an geistreichen Vergleichen und ^gedachte dankend derjenigen, welche an der Spitze der Tempelgemeinde stehen und ihn in seinem Wirken unterstützt haben. Der Feier wohnten der Präsident der Prager Cultusrepräsentanz, Herr Dr. Lasch, der Präsident der Landesjudenschaft, Herr De. Woritz Lichtenstein und Vertreter der übrigen jüdischen Synagogen und der israelitischen Vereine bei. Bor der Predigt verrichtete der Jubilar das von ihm verfaßte Gebet für das allerhöchste Kaiserhaus. Nach dem Gottesdienste fanden sich in der Wohnung des Gefeierten zahlreiche Deputationen ein, von welchen Adressen überreicht wurden, auch viele Beglückwünschungstelegramme liefen ein. Die Vorsteher und Rabbiner der Gemeinden in Prag und Umgegend waren persönlich beim Jubilar erschienen, um ihn zu beglückwünschen. — Am 14. Dezember starb in Wilna Herr Matisjahu Ltrastun, geb. am 1. Oktober 1817. Er war eine Zierde des Judentums, einer der bedeutendsten Talmudisten der Gegenwart, gesegnet mit Reichtum und Ehre, erfüllt von Bescheidenheit und Tugend. An 60000 Rubel hat dieser würdige Sohn seines durch Gelehrsamkeit berühmten Vaters Samuel Straßun zu wohlthätigen Stiftungen bestimmt, von welcher Summe er einen großen Theil zur Erhaltung und Ergänzung seiner bedeutenden Bibliothek und zur Pflege der jüdischen Wissenschaft ausgesetzt hat. Ehre seinem Andenken! — In Minsk starb Herr Advokat Rostn- ,fet-, früher Redakteur des „Raßwet". — Auf Kosten des Staates wird ein . 4

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.