Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1886)
- Date
- 1886-02-01
- Page
- Seite 40 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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40 Carolinenthal wurde in Anerkennung seines ersprießlichen Wirkens anläßlich seines 50 jährige» Awtsjubiläuiiis das goldene Verdienstkreuz verliehe». — Der ungarische Ministerpräsident Tisza hat anläßlich seiner 10 jährigen Jubiläumsfeier in diesem Amte auch die Beglückwünschungen jüdischer Deputationen der verschiedensten religiösen Schattirungen empfangen. — In Ztraßiiih starb Herr Rabbiner Moses Ailboge». — Am 7. Dezember wurde in Orsova der Ober-Jnspector der priv. Oesterr. Ungar. Staats-Eisenbahn-Gesellschaft, Herr Moritz Klauber, zu Grabe getragen, — Die vereinigte israelitische Cultusgemeinde von Hernals, Ottakring und Archrnfeid g^ht an den Bau eines neuen Tempels. — Am 17. November wurde in Ueubichow der neuerbaute israelitische Friedhof eingeweiht. — Unter den vom Kaiser och« Oesterreich decorierten Industriellen, welche die Ungarische Landesausstellung beschickt haben, befinden sich viele Juden, welche sich auf den verschiedensten Gebieten der Industrie und des Gewerbes verdient gemacht haben. — Am 22. November fand im Saale der deutschen Handelsakademie in Prag die constituierende Generalversammlung des Centralvereins zur Pflege jüdischer Angelegenheiten statt. — Der ungarische jüdische Landeslehrerverein feierte jüngst den zehnjährigen Bestand seines Vereins-Organs „Ertesito" und wurden dem Herrn Redakteur Cteasar Z;ünio, Direktor der jüdischen Knabenschule in Budapest, viele Kundgebungen der Liebe und Dankbarkeit zu Teil. — In Ungarn wurde ein neues Statut für die israelitische Matrikelführung erlassen, welches vom 1. Januar in Kraft getreten ist und die jüdischen Gemeinden in 465 Matrikel-Bezirke eintheilt. Gnody bemängelte im Abgeordnetenhause an dieser Verordnung, daß bei Israeliten die Absolvierung von vier Gymnasialklasscn zur Führung der Matrikelbücher genüge, während bei allen anderen Confessionen eine höhere Bildung beansprucht werde. Diese Staatsverordnung wird die bildungsfeiudliche Orthodoxie in Ungarn veranlassen, von den Rabbinern in Ungarn auch profanes Wissen zu verlangen und wird dasselbe auch sonst auf das zerklüftete jüdische Gemeindeleben calmirend wirken, indem fortab nur Einer das Matrikenbuch führen und nicht eine orthodoxe und neologe Standesbuchführung vorhanden sein wird. Die orthodoxe Analphabeten-Theologie wird in Ungarn aufhören müssen und diese das äußere Leben der Juden nur berührende Verordnung wird gewiß auch ihre wohlthätigen Folgen für das innere geistige Leben derselben haben. — Im Monat Februar wird in Wien unter persönlicher Leitung Zchdnerrr's ein allgemeiner deutscher Bauerntag stattfinden. Hoffen wir, daß die biederen Oesterreicher auf diesen antisemitischen Bauernfang nicht eingehen werden. — Die Nichtanerkennung des neu ernannten amerikanischen Gesandten Oesterreich's, Mr. Ittilij, von Seiten dieses Staates, weil derselbe eine Jüdin habe, hat die Amerikanische Regierung zu der Aeußerung veranlaßt, den angeführten Gründen nicht beistimmen zu können, ohne die -Vorschriften der Constitution zu verletzen, denn diese Gründe" bedingten, daß die Fähigkeit zum Verwalten eines Amtes unter der Vereinigten Staaten Negierung abhängig gemacht werde von religiösem Glaubensbekenntnisse, was zur tatsächlichen Entrechtung einer großen Klasse der Bürger und zum Äufgeben eines wichtigen Grundsatzes der Regierungsform geführt hätte. Man vermöge nicht zu glauben, daß die große Familie der civilisierten Nationen zugeben könne, daß ein so engherziges Princip ihren Verkehr unterbrechen könne. — Aus Marienbad schreibt man uns: Das israelitische Curhospital in Marienbad, eine Stiftung des seligen Herrn Amon Zaköb Dunkel in Prag, war in der eben abgelaufenen Badesaison von 61 armen jüdischen Curgästen (30 Frauen und 31 Männer) besucht. — Der Antisemitismus, schreibt