Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1886)
- Date
- 1886-02-01
- Page
- Seite 39 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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39 können keine Beschäftigung finden, da die Industriezweige, zu denen sie gehören, bereits überfüllt sind. — Wie uns mitgeteilt wird, besuchte Herr Seminardirektor! Di-. Kroner ans Hannover, früher Rabbiner in Erfurt, bei seinem Aufenthalte! in letzter Stadt die Privatsynagoge der separistisch gesinnten Orthodoxen und ) hielt daselbst einen Vortrag, in welchem er die Gesetzestrenen anfforderte, auszut harren und sich von der Hanptgemeinde zu trenne». Warum wohl, wie unser'! Correspoudent richtig bemerkt, obgenannter Herr nicht charakterfest genug war und die '> Erfurter Synagoge, in welcher die Klänge der Orgel, ertönen, einweihte? — Die Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft in Tranlisurt n. ill., schreibt man uns, , trägt alljährlich zur Erheiterung der ihr anvertranten Jugend am Channkkahfeste bei; welche sich gewöhnlich, inan denke nur an die famose» religionsgesetzwidrigen Maske- , raden im vorigen Jahre, auch weiteren Kreise» mitteilt. Oder ist es nicht erheiternd, j , wenn nach der diesjährigen Aufführung von Szenen ans „Zopf und Schwert" / / und aus „Wilhelm Test" in einer Ansprache darauf hingewiesen wird, wie ganz.- / anders es jetzt int Judentnme aussehen würde, wenn vor fünfzig Jahren ins' jüdischen Schulen eine solche Chanukka-Feier möglich gewesen wäre? Diese Verurteilung der alten Orthodoxen, wie Moses Sofer und seines Anhanges, aus dem Munde der Orthodoxen unserer Zeit ist bezeichnend und berechtigt zu der Hoffnung, daß durch das Schwert der Reform auch die sogenannten Orthodoxen unserer Tage endlich ihren alten Zopf sich abschneiden lassen iverden. — Ein Protestant, dem zufällig eine Nummer des antisemitischen „Reichsgeldmonopol" zur Hand kam, schreibt unter anderen beherzigenswerthen Auslassungen („Hessische Morgenzcitung" vom 4. November): Deutsches Volk! Du herrlichstes von allen, — deine Eichen stehen, aber du bist gefallen. — Herr Prof. Meßner in der „Neuen evangelischen Kirchenzeituug" schreibt, daß der deutsche Antisemitismus sich ausgesprochen habe und daß seine testamentarischen Schriften zeigen, wie eng sein Gedankenkreis und wie gering der sittliche Gehalt seiner Bestrebungen sei. Auch Herr Fürst Hohtniohr, der neue Statthalter von Elsaß-Lothringen, hat gelegentlich der Vorstellung des israelitischen Consistoriums von Unter-Elsaß durch Herrn Oberrabbiner Arnand Aaron von Straßburg die Aeußernng gethan, daß die sogenannte antisemitische Bewegung nur vom Osten her importirt werden könnte und in Elsaß- Lothringen nimmer geduldet werden würde. — Herr Pastor v. Bodelkchwingh, der verdiente Mitbegründer der Arbeitercolonieen, veröffentlicht in der „N. Westfälischen Volkszeitung" eine Erklärung wegen einer Unterzeichnung eines Cirkulars, die er im Gedränge gegeben und in welchem auch der gehässige Passus vörkam, da.ß Juden Arbeiterwohnungen durch Cpeculation auszubeuten suchen. Herr v. Bodelschwingh schreibt: „Dieselbe paßt uin so weniger, da, so viel mir bekannt, auch eine Anzahl Juden sich mit freigebiger Hand an diesem wohlthätigen Unternehmen beteiligt haben und dies gewiß auch ferner noch thun werden. Von meinem Standpunkte aus kann ich es nicht für billig achten, wenn eine solche Anklage in ihrer Allgemeinheit öffentlich ausgesprochen wird. Es muß ja bekannt werden, daß es leider auch Christen giebt, die sich gleiche Ausnutzung der Armuth zu schulden kommen lassen." — Im Vereine zur Verbreitung der Wissenschaft des Judentums in Prag sprach Herr Rabbiner |H. Strack über „der Wein im jüdischen Schristtume und Cultus". Interessant war bei dem mit vielem Beifall aufgenommenen Vortrage die Erwähnung eines Gedichtes des Prager Rabbiners Ä. Äeitkles, welches derselbe anläßlich eines Hochwassers in der Prager Judenstadt am 23. Februar 1799 verfaßt hat und in welchem unter Herabsetzung des Wassers der Wein verherrlicht wird. — Herrn Kreisrabbiner Jacob Haller in