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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-02-01 · Heft 2 (1.2.1886) · p. Seite 37

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 2 (1.2.1886)
Date
1886-02-01
Page
Seite 37 (sequence 13)
Language
German
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37 4 Man wirft ihm zuerst vor, daß der jüdische Gott keine notwendige Verbindung mit der Welt besitze. Nachdem er durch die Worte: „Es werde!" die Welt geschaffen, überläßt er sie ihrem eigenen Laufe. Wenn aber etwas außer Gott ist. so ist er nicht mehr unendlich: die Natur ist todt, nicht lebend, die höchste Autorität ist Willkür, ja Zufall! Gegen solchen falschen Trauscendentalismus schrieb schon Göthe die Verse: ■ . , l" „Was wär' ein Gott, der nur von außen stieße : , - Im Kreis das All am Finger laufen ließe?" Ihm ziemt'S die Welt iin Innern zu bewegen, Natur in sich, sich in Natur zu hegen, hm So daß, was in ihm lebt und webt und ist, - Nie feine Kraft, nie seinen Grift vermißt! Gott ist nicht nur die Quelle der Natur,' er ist in der Natur, er ist nicht nur transcendent sondern auch immanent. So läßt ihn ja auch das Judentum nicht nur als Schöpfer, sondern auch als Unaob Hakodescb, als Hagion Pneuma, als göttlichen Geist, gelten. Die Idee des göttlichen Geistes ist im Keime bereits im alten Testament enthalten, findet sich schon bei Philo und der alexandrinischen Schule entwickelt und kann aus dem Talmud und den rabbinischen Schriften nachgewiesen werden. Besonders erscheint sie in der Kabbala und in mystischer und phantastischer Form in der jüdischen Poesie Ns Mittelalters. Bisher lag nur das Bedürfnis im Judentum vor, den trancendentalen Gott hervorzuheben, da Gefahr von Seiten einer Vernaturalisirung Gottes vorlag. Heute wo die allgemeine Erkenntnis des Selbstbewußtseins und Selbstgenügens Gottes verbreitet ist, liegt die Gefahr nicht mehr vor. Man darf Gott nunmehr von beiden Seiten aus betrachten. Wie in der Beziehung zur Welt schreibt man dem jüdischen Gott nur ein äußeres Verhältnis zum Menschen zu. Nur ein äußerer Bund zwischen Gott und Menschen, zwischen getrennten fremden Parteien, soll hier bestehen, nur eine unendliche Reihe moralischer, äußerer Werke verbindet mit Gott. (Schluß folgt.) 'i '■i W o n n 1 s s ch a u. Von den vielen uns zugegangeuen Berichten über die Feier des 100. Gedächtnißtages des Todes Moses Mriidrlslolins wollen wir zunächst hervorheben, daß die Hauptfeier in Irffau morgens 4. Januar durch Gesang vor dem Geburtshause Mendelssohns eröffnet wurde. Bei dem Festgottesdienste in der Synagoge, wo Herr Rabbiner vr. Milse die Festrede hielt, waren auch die Herzoglichen Herrschaften anwesend. In der Aula des Herzoglichen Irirdericinianums hielten Herr Dir. Or. Wickenhngkn und Herr Prof. Lamrus Festreden. Nachmittags fand ein Festdiner statt seitens der Notabilitäten der Stadt. Zahlreiche Deputationen von auswärts waren erschienen und Beglückwünschungstelegramme liefen ein von Nah und Ferne. Im Hoftheater »vurde, nachdem ein auf den Tag bezüglicher Prolog vorgetragen war, Lessing's „Nathan der Weise" aufgeführt. Anläßlich des Gedenktages von Moses Mendelssohn spendete der Geh. Kommerzienrath Mendelssohn in Berlin der dortigen Universität eine Stiftung von 150,000 Mk. -1

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