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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-02-01 · Heft 2 (1.2.1886) · p. Seite 30

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 2 (1.2.1886)
Date
1886-02-01
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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30 benehmen, als wäre es ihr eigen Haus, weil sie Steine, Holz, Geld und Gold dazu geliefert haben. Doch genug hievon. Mendelssohn, der Philosoph der deutschen Aufklärung, hat auch Deutschland zurückführen helfen zur Religion der Humanität. Sein Stil, getragen von Klarheit und Schönheit, weil in der Werkstätte des Gedankens entstanden, war so elegant, so scharfsinnig, so deutlich und so eindringend, daß selbst der-Weise.von Königsberg es ausgesprochen „Wenn sich die Muse der Philosophie eine Sprache erkiesen sollte, so würde sie diese wählen". Seine „Morgenstunden", sein „Phädon" und sein „Jerusalem" bleiben drei glänzende Edelsteine in her Krone seines Ruhmes. Zeugnis ablegend, daß er von Gott, Unsterblichkeit und Gewissensfreiheit, diesen drei unzerstörbaren Grundgedanken aller Religionen, echt durchdrungen war- So war unser Mendelssohn nicht nur der Pionier deutscher . Kultur unter seinen Glaubensgenossen sondern auch der Mitretter der heiligsten Güter des deutschen Volkes. So hat mit Mendelssohn eine neue Epoche iit der jüdischen Geschichte begonnen, die heute noch nicht geschlossen ist, so -lange der Kampf der Geister wogt, so lange von innen und von außen an der Zerstörung seiner Ideale gearbeitet wird, anstatt daß sie gefördert und gehoben werden sollten. Meine geehrten Herren! Friedrich der Große sprach einmal den Satz aus: „Zum Tempel des Ruhmes giebts mehr denn einen Weg. Die Laufbahn der Helden ist zwar die glänzendste, aber Menschenblut färbt sie; die der Gelehrten hat minderen Glanz, führt aber gleichfalls zur Unsterblichkeit." Und einen solchen unsterblichen Helden haben wir heute gefeiert. Wir haben ihm am 6. September 1879 an seinem 150. Geburtstage hier in Frankfurt a. M. ein Denkmal des Geistes und der Gesinnung in der Gründung des Mendelssohnvereins errichtet,'unter Kampf errichtet, unter Kampf erhalten; ein geistiges Denkmal, das fortwirken soll und Zeugnis davon ablegen, daß wir von seinem Geiste erfüllt sind und sein Werk fortsetzen wollen. Pflegen wir dieses Denkmal, hüten und schützen wir es, lassen wir es nicht verwittern, schmücken wir es stets mit den frischen Blumen unseres Geistes, unserer Teilnahme und Hingebung. Wirke» wir fort in Mendelssohns Geiste und Lichte und ich bitte Sie, meine Herren! zum Schlüsse sich zu erheben und durch Aufstehen das Andenken des Weisen zu verherrlichen, den wir lieben, zu dem wir aufblicken niit Verehrung und in dankbarer Erinnerung. Die Mttsvurger Waöbinerversamnikmg. Die sonderbare» Contraste und Erscheinungen auf dem Gebiete des Judentums scheinen noch durch eine besondere Species vermehrt werde» zu sollen. Amerika, unser Antipode, scheint es auch auf geistigem Gebiete zu sein. Wir referiereil über die kürzlich in Pittsburg abgehaltene Rabbinerversamnilung, zuvor jedoch wollen lvir über einen Zwischenfall berichten, der in England die Aufmerksamkeit auf sich lenkte und aus deni eine wichtige Lehre für unsre religiöse Reform iin Allgemeinen gezogen werden kann. Der Exministerpräsident Gladstone hatte im „Nineteenth Century“, einer englischen Zeitschrift, die biblische Schöpfungsgeschichte vertheidigt und am Schlüsse gesagt, daß die vierfältige Ordnungsgcschichte „so von der Naturwissenschaft be-

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