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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-02-01 · Heft 2 (1.2.1886) · p. Seite 29

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 2 (1.2.1886)
Date
1886-02-01
Page
Seite 29 (sequence 5)
Language
German
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möglich Gehaltene dargethan, wie man als Jude, als begeisterter Jude, der Selbstbewußtsein genug besaß, wenn es Not that, selbstgewisser Anmaßung den Krieg zu erklären und seine Treue und Anhänglichkeit am Judentums bis zu seinem letzten Athemzuge zu betellern, mit der christlichen Welt geistig, gesellig und in innigster Freundschaft zu verkehren vermag. Er hat Israel aus dem Ghetto in die Welt nlkheführt und die Wege gebahnt, auf denen wir. seine dankbaren Brüder, hinwandeln. „Es sanken die eisigen Umhüllungen des starr gewordenen Judentums vor dem milden Strahle der Hunianität und an Moses Mcndclssohn's sanfter Hand trat Israel frei aufathmend in die freie Bahn der Menschheit ein." Innerhalb des Judentums hat er auf Bibelkenntnis und Bibelerklärung ein neues besseres Geistesleben aufgebaut und durch die schöne deutsche Sprache, in die er die Urschrift der Väter übertrug, hat er seinen Glaubensbrüdern in Deutschland die Zunge gelöst, bei denen bis dahin die Funken der Weisheit durch den Dunst einer schlechten Sprache nicht sichtbar werden konnten und die wegen ihrer abstoßenden häßlichen Redeweise bis dahin Gegenstand des Gespöttes und der Verachtung gewesen waren. „Er war den Juden der Bahnbrecher zur deutschen Kultur und Sprache geworden, wie er den Deutschen Bahnbrecher in Stil und Geschmack gewesen und allen Menschen Wegweiser zu Recht und Freiheit." Daß er innerhalb des Judentums einen neuen Standpunkt unter seinen Zeitgenossen eingenommen und wie ein echter Reformator neue Wege geöffnet hat, ersehen wir aus seinen eigenen Worten: „Unter allen Vorurteilen, welche über Religion herrschen," schreibt er, „ist gewiß keines allgemeiner und zugleich gefährlicher, als der Wahn, , daß äußere Religionshandlung unabhängig von dem Geiste oder der Absicht, in der sie geschehen, dem Menschen einen höheren Wert in den Augen Gottes geben könne, ein Wahn, der alle Kraft wahrer Frömmigkeit aussaugt und sie in das nichtswürdigste und vernunftloseste Spiel des Aberglaubens verwandelt" oder: „Ich werde es nicht leugnen, daß ich bei meiner Religion menschliche Zusätze und Mißbräuche wahrgenommen, die leider ihren Glanz nur zu sehr verdunkeln. -Wir erkennen ihn alle, diesen vergiftenden Hauch der Heuchelei und des Aberglaubens, so viel unserer sind, die wir die Wahrheit suchen" oder: „Atheismus und Aberglaube, Zweifelsucht und Schwärmerei sind beides Krankheiten der Seele, die ihr den sittlichen Tod androhen" oder: „Religiöse Handlungen, ohne religiösen Gedanken sind leeres Puppenspiel, kein Gottesdienst." Hat sich zu solchen freimütigen Gedanken heute, ein Jahrhundert nach Mendelssohn, das Israel der Gegenwart schon ganz erhoben? oder herrscht nicht in den meisten Kreisen noch das alte Ghettojudentum, das sich hartnäckig aus Jndifferentismus und Fanatismus solchen Bestrebungen widersetzt? Herrscht nicht in Israels Gemeindeleven noch der vormendelssohn'sche Geist? ist nicht in unfern Ta^en ein Rückzug in's alte Geistesghetto verspürbar? Ist der Pöbel aller Religionen, um mit Mendelssohn zu sprechen, nicht auch in unserer Mitte vorhanden, den jedes Aufleuchten des Geistes zu rohen gemeinen Gegenthaten herausfordert? Mendelssohn war der Begründer der jüdischen Journalistik, der Begründer der jiidischen Schulen; er war der erste Jude, der in deutscher Sprache predigte und der Erste, der in Israel einen Verein, allgemein geistigen Bestrebungen gewidmet, in's Leben rief, und weil ihm jeder Begriff einer geistigen Schönheit ein Blick in das Wesen der Gottheit war, war er der eigentliche Anreger dazu, daß die alte sprichwörtlich gewordene „Judenschul" in eine Stätte der Andacht verwandelt wurde, in der Ordnung und Geschmack herrschen sollten, die wir in unseren Synagogen noch immer vermissen, weil Viele aus Mangel an Anstand und Würde sich darin so

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