Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1886)
- Date
- 1886-02-01
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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neuem Leben unb niederreißend und aufbanend zugleich wurde kiihu der Kampf aufgenommen gegen de» Unglauben auf der einen und gegen den Aberglauben auf der anderen 'Seile- Nur ein solches von hohen Idealen getragenes Zeitalter war im Stande, große in sich geschlossene und abgerundete Charaktere und Persönlichkeiten zu erzeugen, die auch den Mut hatten, das, was sie auf der Höhe ihres geistigen Schauens erblickt, laut und ungescheut zu verkünden und als ewiges, nie alterndes Vermächtnis den kommenden Geschlechtern zu hinterlassen. Und einer dieser Mitkämpfer für das Heraubrecheu einer neuen Zeit war Moses Mendelssöhn, der groß an Charakter und Wissen, aus den niedrigsten und widrigsten Verhältnissen sich durch eigene Kraft hat emporgearbeitet, um zu sein und zu blieiben eine Leuchte, die auch das erstarrte Judentum zu neuem nie geahnten Leben erwecken sollte. Mendelssohn besaß jene edle heilige Einfachheit, Prunklosigkeit und Schlichtheit des Charakters, welche in unserer Zeit der berechnenden Klugheit und schlauen List, die selbst iu das Heiligtum der Religion eingedruugen sind, selten zu finden ist und nicht mehr verstanden wird, und dabei besaß er die Gabe, des Morgenlandes Weisheit in die Form des Abendlandes zu kleiden, des Südens reichen Glauben mit des Nordens philosophischem Denken zu verbinden. Er fühlte mit David und dachte mit Plato und Sokrates. Er hat es verstanden, wie so leicht kein Zweiter, den Geist aufzuhellen, das Gemüth zu erwärmen. Wie ruhiger Soniieiiglanz leuchtete sein Weisheit ausstrahlender Geist und in den Dienst der Wahrheit hat er sein Leben, sein Denken und Fühlen gestellt. Für Tugend und Religion hat er wacker gekämpft mit Lessing, dfe zusammen, wie einst David und Jonathan, in unzertrennlichem Bunde sich einten, um die Philister, die jede» neuen Aufschwung der Geister hemmen und jede bessere Regung im Keime unterdrücken wollen, zll bekämpfen. Er war der Wenigen einer, die damals auf der Höhe des reineil Menschtums standen, gerade weil er innerlich auf der Höhe des Judentums stand, während um seine Glaubensgenossen ringsum tiefe schwarze Nacht gebreitet war. Durch seine Sanftmuth, stammend aus klarer lichter Erkenntnis und aus dem beglückenden Bewußtsein, nur Gutes anzustreben, war er berufen, der Reformator seiner Brüder zu werden, der Bahnbrecher einer neuen Zeit zu sein, nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch den göttlichen Geist allein, der ihn erfüllte und beseelte.^ Trotz der argen Verkennung und Anfeindung, die in Israel gewöhnlich seinen großen Geistern von knechtischen Seelen entgegengebracht wird, welche ihre Tage lieber in träger Finsternis an den gewohnten Fleischtöpfen zubringen wollen, chs die schwere Pflichten und Entbehrungen auferlegende Freiheit mit erringen zu helfen, und die auch unserem Mendelssohn nicht erspart geblieben siird, harrte er unentwegt aus, getreu seinen Worten „Aber das weiß ich ist Pflicht, wenn man Wahrheit lehren will, sie klar und rund, ohne Räthsel, ohne Zurückhaltung, ohne Mißtrauen in ihre Kraft zu lehren." Sein Geist war ein Licht ohne Schatten und durch ben Zauber seines Charakters, durch die Ehrlichkeit seiner Gesinnung, durch den Reichtum seines Wissens, durch die Schönheit seiner Empfindung, durch die Klarheit seiner Sprache hat er Tausende und aber Tausende entzückt und hat gesiegt ohne kämpfen zu müsseri. Sein Bund mit Lefiing war der Friede, den zwei Könige des Gedankens geschlossen hatten, und fortan sollten Judentum und Christentum nicht wie bisher wie unversöhnliche Gegner sich gegenüber stehen, sondern auf Grund der Anerkennung der gemeinsamen Menschheitsrechte und der Hvheitsrechte der Religion neben einander ihre Mission in der Weltgeschichte erfüllen. Mendelssohn hat in seiner Person das früher nicht für