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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-02-01 · Heft 2 (1.2.1886) · p. Seite 27

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 2 (1.2.1886)
Date
1886-02-01
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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Künstler und Schriftsteller, alles lief zu ihm wie zu einem selten fehlenden und nie bestechlichem Orakel. Was er für das Wesentliche ihrer Religion gethan, das weiß ja die Welt.-Die Bahre wurde von seinen herzlichsten Freunden, den Edelsten und Gebildesteu seines Volkes, getragen und die ganze Gemeinde bis auf einige Wenige folgten der Bahre und während der ganzen Begräbnißzeit ruhten Handel und Wandel unter den Juden.-Einige Fremde, welche blos um den großen Mann zuZehen und zu sprechen einige Tage vorher nach Berlin kamen und denen er zu schnell davon gieng, drängten sich heran, um wenigstens seine Hülle zu sehen und benetzten mit häufigen Thränen die Lippen und die Hände, aus denen einst so viel Weisheit und Güte floß. Ja selbst seine Gegner in uichtjüdischeu Kreisen, die ihn während seines Lebens anfeindcten, konnten nicht an sich halten, Worte bewundernder Verehrung ihm nachzurufen. Ein Dichter ruft: Wer ist der Schatten, der dort im düsteren Schauer des Mondes so ruhig emporwallt? Wie er, in Gedanken verloren, sich hebt! Wie er aufblickt, als wär' kein Gerichtstag. Sieh! das ist nicht des Feigen Blick, auch nicht des Erob'rers. O, nenne mir diesen! Das ist des Weisen Schatten, der rastlos den Schimmer der Wahrheit auf Erden verfolgt hat. Voll der Ahnung Gottes und der Unsterblichkeit Ahnung voll, hat er gewandelt. Dieses Wandels sich selber bewußt blickt auch er so ruhig als wär' kein Gerichtstag. Horch' wie hinter ihm her die Klage tönt, ich hör' ihn beweinen mit Schmerzen. Hat er Waisen znrückgelassen und ringt eine Wittwe die Hände vor'm Leichnam? Eine Wittwe und Waisen. Doch weit umher hallen die Seufzer. Jünglinge edel und kühn, die im Kampf mit Irrtum und Wahrheit sich seiner getröstet Ach! und Germaniens Töchter, die durch ihn Hoffnung geschöpfet des ewigen Lebens Klagen um ihn! Was war es, meine Herren, das die Herzen und Geister so tief bewegte bei dem Tode Mendelsohns, daß Freund und Feind einstimmten in die Worte der Klage, in den Ruf des Lobes, der heute, nach einen« Jahrhundert, noch nicht verhallt ist? Ein Blick in die damalige Zeit und die Stellung Mendelssohns zu derselben wird uns Antwort auf unsere Frage bieten. Ein klassischer Hauch der Aufklärung durchzog im vorigen Jahrhundert die großen Geister Deutschlands, die Reformation flutete noch nach. In das verlorene Wunderland der klassischen Zeit richteten sich die Blicke der hervorragendsten tonangebenden Männer. Man sehnte sich und suchte nach einer neuen Verbindung der Gemüter und die menschliche Vernunft, dieser Geist des Göttlichen im Sterblichen, sprach sich das Recht zu, das, was als göttliche Offenbarung durch der Menschen Hand gegangen war, zu prüfen und zu sichten. Der deutsche Geist, der Gefahr lief, durch französischen Witz und französische Frivolität verdrängt zu werden, welche Thron und Scepter inne hatten, erwachte zu neuen Thaten, zu 3*

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