Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1886)
- Date
- 1886-02-01
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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zur letzten Ruhe geleitet. Der Leiche folgten Juden und Christen, inj deren Mitte Stimmen der Klage und des Wehrnfs ertönten, Stimmen des Lobes und der Anerkennung. Dichter und Denker beklagten Mendelssohns Heimgang, streuten Blumen des Ruhmes auf dessen teuere Asche und lange Zeit hindurch war er der Gegenstand der Tagespresse, der Wochen- und Monatsschriften aus allen Ländern und Zonen; in allen Zungen und Sprachen tönte die Stimme seines Lobes und Verdienstes, von allen Seiten hallte die Klage über den Verliust des Redlichsten in Israel, des Obersten im Volke, des Weisesten im Lande. Prof. Engel, ein Zeitgenosse, schreibt unter dem frischen Eindrucks seines Todes: Wie viel die Gelehrsamkeit, die Weltweisheit, die deutsche Litteratur an einem Mendelssohn verloren hat, das wisse» alle, denen diese Gegenstände wichtig sind, aber wie wenig reicht das hin beit unersetzlichen Verlust zu ermesst», den seine Freunde erlitten! Was von dem Manne öffentlich vor der Welt geglänzt hat, war der kleinste Teil seines Wertes, nicht einmal seinen Geist kann man aus seinen Werken, so voll mannigfaltiger Kenntnisse, so geschmackvoll und so scharfsinnig sie sind, nach Würde schätzen und wie viel minder noch seine sittliche Güte, seinen Diensteifer, seine Bescheidenheit, ^alle die großen und liebenswürdigen Tugenden seines Charakters. In der Monatsschrift Doctor Brüster's vom März 1786 heißt es: Ihm verdankt vorzüglich seine Nation und dadurch auch ganz Deutschland und die gesammte Menschheit einen großen Teil ihrer moralischen und intelectuellen Bildung. Simon Höchheimer, ein Schüler Mendelssohns, der einzige Jude, der den Tod des Meisters in deutscher Sprache vor seinen Glaubensgenossen beklagte, schreibt: Den Schmerz, den wir, die sich in Berlin durch ihn gebildet haben, durch seinen Tod empfunden, wer kann ihn beschreiben? Wer die Empfindungen einer solchen Wunde mit Worten ansdrücken? Ein Mann, von dem wir unsere intelectuelle Bildung erhalten haben, - — von dessen unschätzbaren Verdiensten wir überzeugt sind. Wie kann ein Herz stärker an Jemand gefesselt sein als durch solche Bande?-Welche Wehmut ist größer als das Bewußtsein, ein Mann, dem man seinen ganzen menschlichen Wert zu verdanken hat, dein man so viel Wiedererkenntlichkeit schuldig ist, der ist nicht mehr! Am Begräbnißtagej schrieb die „Voss. Zeit.": Gestern starb im 57. Jahre seines Alters — — Herr Moses Mendelssohn-Eine Nachricht, die außer dem, der sie niederschrieb, gewiß auch manchem Auge Thränen auspressen wird. Für die Welt sowohl als auch für seine Freunde bleibt sein Verlust unersetzlich. In welchem künftigen Jahrhundert wird ein solcher Geist in der Hülle eines sterblichen Körpers wieder zur Reife kommen? Er hat die Hülle nun abgestreist, die Scheidewand ist. gesunken, die ihn nur kurze Zeit von seinem verewigten Freunde trennte, sein verklärter Geist ist nun wieder bei seinem Lessing, dem er noch kurz vorher in seinen Morgenstunden ein so rührendes Denkmal der Freundschaft gesetzt hat — — Man sage denn: Lessing starb, da er Nathan den Weisen vollendet, die Nacht des Aberglaubens verscheucht, die Gottheit in ihrem reinsten und erhabensten Lichte den Sterblichen geschildert hatte-o sein Freund starb, nachdem er seine letzten Gedanken dem erhabensten Gegenstände des menschlichen Denkens, deni Beweise von dem Dasein dieser Gottheit gewidmet hatte, in deren näheren Anschauen nun beide glücklich sind. Später heißt es ■ in demselben Berliner Blatte (10. Januar 178>>): Es ist eine tiefe Wunde, welche die jüdische Nation, durch den Tod Moses des Weisen empfangen hat. Er war ihr Lehrer, ihr Führer, ihr Rathgeber, ihr Vertreter, ihr Erzieher, ihr Alles. Talmudisten und Kaufleute, Vorsteher und Schullehrer, Richter und Aerzte,