Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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17 Denkmäler." Die Orthodoxen treiben ihr Spiel mit dem Judentume zu weit. Sogar die „israelitische Wochenschrift" sieht sich zu dem Aussprache veranlaßt: „Wenn rber die Orthodoxie die einzige Organisation bleibt, in welcher alles noch bestehende religiöse Interesse innerhalb des Judentums sich zusammenfindet, dann wird der Schiffbruch der Orthodoxie den Schiffbruch des Judentums bedeuten. Die Reform-Idee im Anfänge der neuesten Zeit war ein Extrem und mußte unterliegen. Aber ihre Stagnation ist ein Unglück, ist die Mutter des Jndifferertismus, ist der Sumpf, aus dem die Giftpflanze der Orthodoxie ihre Nahrung schöpft. — Der gütige Kern der Reform-Idee darf nicht der Verwesung anheimfallen, sonst ist das Judentum verloren." Für den D. I. Gemeindebnnd in Berlin ist es eine sehr zweifelhafte Ehre, daß mit demselben, wie ein Korrespondent in der Brohobycrer Zeitung berichtet, die Adaß-Jisroel-Gemeinde in allgemeinen das Judentum betreffenden Fragen Hand in Hand gehe. — Aus BtlUn teilt man uns mit: Die zwischen dem Neuen Markt und der Spandauer Straße belegenen Häuser an der Südseite der Papenstraße gelangen demnächst zum Abbruch. Dadurch dürste auch das Hans Spandauer Straße 68, in welchem einst Moses Mendelssohn lebte und wirkte, dessen bleibendes Andenken man durih Einfügung einer Marmortafel mit der Inschrift: „In diesem Hause lebte und wirkte Unsterbliches Moses Mendelssohn, geb. 1729 zu Dessau, gest. 1786 zu Berlin" geehrt hat, leicht in Mitlsidenschaft gezogen werden. — Der in Stuttgart verstorbene Friseur ScLclmeikr. ein Katholik, hat dem israelitischen Waisenhause in Ehlingen 1000 Mk. letztwillig vermacht. — Wie dem „Temps" aus Manilla berichtet wird, sollen die Eingeborenen auf den Philippinen die dort wohnenden Deutschen mit dem Namen „juidios“ (Juden) bezeichnen. Sie rufen ihnen dieses Wort als Schimpfnamen ans den Straßen nach und halten sie für eine untergeordnete verachtete Rasse. Was wohl unsere deutschen Antisemiten bei einem solchem Zuiäios-Rnfe" für Empfindungen haben mögen? Vielleicht fühlen sic sich gar geistesverwandt mit den deutschfeindlichen Negritos auf den Philippinen, dem tierähnlichsten Typus der Menschheit, da sie ja auch nicht aufhören wollen „juiäios" zu rufen. So hat in München ein Gärtner, dessen Tcchter entlaufen war, um später wieder zurückzukehren, einen Brief erhalten, nach welchem das Mädchen von Israeliten geraubt worden sei, um für israelitische Cultuszwecke Christenblut zu bekommen. So etwas kommt nicht einmal bei den Negritos vor! — Der Schriftsteller Winterfell» »vurde mit seiner Klage gegen den Redakteur des „Boten a. d. Niesengebirge", Dürholt, zurückge- »viesen, der in einein „Eingesandt" das im Liegnitzer Stadttheater anläßlich der Bismarckfeier aufgeführte Winterfeld'sche Stück „Moderne Freiheit" als skaitdalös, antisemitisch und im Bezug auf die Aufführung als ekelerregend bezeichnen ließ. — In Anspach hat die versammelte Generaksynode ain 23. Septbr. beschlossen, in das sonntägliche Gebet einen Passus über die Mission unter den Heiden aufzunehmen, jedoch eine Fürbitte für die Juden nach - dieser Richtung hin zu unterlassen. Herr Senior prendel und Direktor Schreiber von Augsburg nannten eine solche Fürbitte beleidigend und Decan Selfner von Leuchtwanren meinte gak, daß die Juden es übel nehinen müßten, »venn für ihre Bekehrung gebetet »rerde. Herr (Otto Henne cm Bh»>» nennt den heutigen Antisemitismus eine Schmach der modernen Kultur und läßt sich über denselben also aus: „Wahrlich, die heutige Judenhetze ist zugleich eine geistlose und unlogische und eine unsistliche und gewissenlose Bewegung, welche von der Vernunft wie von der Moral und Humanität unbedingt zu verwerfe»» ist und von der Kulturge- 2