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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-01-01 · Heft 1 (1.1.1886) · p. Seite 16

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 1 (1.1.1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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— 16 — Wona 1 sschau. I In SrITiiii, der Geburtsstadt Moses Mendelssohns» wird am 4. Januar an dessen hundertsten Todestage eine Feier stattfinden. In den weitesten Kreisen der Judenheit, die in Mendelssohn ihren geistigen Befreier erblickt, wird man die Gefühle der deutschen Nation teilen, die einig ist, wo es gilt, ihre großen Männer zu ehreil. — Am 16. Oktober wurde in Meh der neu erwählte Oberrahbiner Herr 3. Weil feierlich in sein Amt eingeführt. — Am 8. November bestieng Herr Rabbiner M. Bcrlinger in Vraunsbach sein fünfundzwanzigjähriges Dienstjnbiläum. — In Zesnih feierten Herr Kommerzienrath Aron Her; und Frgu das Fest der goldenen Hochzeit und Herr Waisenhausinspector Stern in Seelen feierte fein fünfzigjähriges Lehrerjubiläum und zugleich seinen siebenzigsten Geburtstag. — Am 1. November fand in Posen die Installation der B'nai- Betith-Loge „Amicitia" statt. — In Vonih begiengen die Michael Lewy'schen Eheleute das seltene Fest ihrer diamantenen Hochzeit. — In Mürstuirg haben eilige Anzahl jüdischer Studenten einen akademischen Verein „Wissenschaftlich- Gesellige Vereinigung" gebildet. — Eine jüdische Wittwe in Frankfurt a. M., in-dems'elben Jahre und an demselben Tage wie der greise Feldmarschall Moltke gehören, beglückwünschte denselben an seinem jüngsten Geburtstage und erhielt folgendes Antwortschreiben: „Sehr geehrte und geschätzte Frau! Unter den zahlreichen Glückwünschen und Angebinden an meinem heutigen Geburtstage hat mir kaum irgend etivas größere Freude verursacht, als die aufrichtigen und treuherzigen Wünsche einer ehrbaren Frau, die mir, obgleich zwar persönlich unbekahnt, eine so schätzbare'Gesinnung offenbaren. Mögen alle die wohlwollenden Wünsche, die Sie mir gewidmet haben, und insbesondere die Wiederkehr unseres gemeinschaftlichen Geburtstages auch bei Ihnen noch oft sich erfüllen. Mit Hochachtung und herzlichem Gruß Ihr ergebenster gez. Graf v. Moltke, General- Feldmarschall." — In Frankfurt a. M. wurde ein 16 jähriger russisch-israelitischer Jüngling, der sich daselbst aufhielt um das Handwerk zu erlernen, ausgewiesen. — Auf Grund des Gesetzes betreffend den Austritt aus den jüdischen Synagogengemeinden wurden der israelitischen Synagogengemeindc (Adasz Jisroel) zu Lektin die Rechte einer Synagogengemeinde beigelegt. Wir wissen jetzt endlich, was wir von der in letzter Zeit besonders von den Orthodoxen gerade nicht zum Heile Israels ansgegebeuen Friedensparole zu halten haben. Charakter' und Könsequenz wird man aber einer Partei und Schule absprechen müssen, die in der einen Gemeinde eine Spaltuiig herbeiführen will und in die Kriegstrompete stößt, während sie in einer anderen in die Friedenspfeife bläst und separatistische Bestrebungen bekämpft. Hoffen wir, daß die Bcssergcsinnten in Israel, durch solches Treiben geweckt, es erkennen werden, daß jede Concession an die Orthodoxen, um den Frieden zu fördern, einen Schritt weiter führt, um die Gemeinden der Versumpfung preiszugeben. Dieser Charakterlosigkiet gegenüber müssen wieder die wahren Vertreter des Judentums mächtig und weithin ihre Stimme ertönen lassen. Weichen müssen die trüben Schatten, die ihren Einzug in unsere Gemeinde hielten und das Judentum umnachten. Wir haben selbst desi Entwicklungsgang unserer Kulturgeschichte unterbrochen und werden bei solchem inneren Verfalle doch auch die scheinbare künstlich zusammengehaltene Einheit nicht erhalten können. „Wie herbstliche Schauer geht es hinweg über die letzten Ruinen und Raben nur krächzen bei den Ueberresten unserer uralten

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