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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-01-01 · Heft 1 (1.1.1886) · p. Seite 15

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 1 (1.1.1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 notnmeu. Als Motto derselben stellt er das Göthe'sche leider so wenig verstandene nnd angewendte Wort an die Spitze: „Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sei»; sie muß zur Anerkenunug führe». Dulden heißt beleidigen". ' Wir lassen hiermit den Aufsatz, der in streng philosophischer Beweisführung gehalten ist, dem Umrisse nach folgen, getreu des Lessing'schen Wortes: „Die Wahrheit, die man auf einem Bogen nicht sagen und erweisen kann, ist wol nicht weit der, — oder ist vielmehr zu weit her." Die^Wahl einer Religion! Befremdend klingt schon dieser Ausdruck dem Ohr! Nicht nur, weil die größere Mehrzahl der Menschen den Glauben ihrer Väter befolgt, sondern auch weil besondere Religionen gewissen Gegenden und Rassen angepaßt erscheinen. Aber, angenommen: Europa habe zwischen den zwei einzig in die Wahl fallenden hergebrachten Religionen zu wähle»: Würde die eine gewählte Religion das Judentum sein? Wenn es auch der Erzeuger des Christentums war, sprechen seine Gegner dem Judentum doch jede Fortentwicklung ab. -Zeit 1800 Jahren habe es, meinen sie, außer Verbindung mit dem Fortschritt der Geschichte und des Gedankens gestanden. Als Minorität unter einer christlichen Majorität, von deren Religion die ganze Kultur erst steiitum ist Da llt ist, tvürde das Judentum keinen Einfluß mehr äußern. Das Chridie Blüthe des Judentums! Rückschritt zu dem letzteren ist Verfall! Judentnm wird als sich selbst überlebt, als Anachronismus hingestellt. Tie Juden sind einem verderblichen Dualismus anheinigefallen, sie werden von ihrem Traum erwachen, und erkennen, daß sie entweder die moderne Zivilisation, den modernen Patriotismus verlieren, oder eine Religion aufgeben müssen, die mit dem größten Teile ihrer Ideen und ihrer Praxis unvereinbar ist. Das Judeiwum, sagt mau, kann nicht seine asiatische, natürliche Haut, abwerfen, ohne seine Identität zn verlieren. „Jeder Versuch (Vgl. das Religiöse Bewußtsein der Menschheit im Stufengange seiner Entwicklung von E. v. Hartmann), das alte Rahmwerk neuen und fremden Verhältnissen anznpassen, kann nur in einen teerau farblosen, gefühllosen Glauben enden, welcher nur einen matten Einfluß aus seine eigenen, unmittelbaren Bekenner, keinen auf Außenstehende ausüben kann M als Zierah verfallen 4» ist gewohnt, das Christentum als höchste Stufe, das Judentum nur desselben zu betrachten. Selbst >vo das Christentum als veraltet und betrachtet wird, bleibt das Judentum -noch weit hinter ihm zurück. Man schreibt dem Judentnm enge Doktrin und Äußerlichkeit zu, und sucht System, wo solches menheit und Unfolgerichtigkeit der Hebräer zu nehme». Aus isolirten Phrasen des alten Testamentes sucht man Unvereinbarkeit mit höheren religiösen Ideen nachzuweisen, nnd daß eine höhere Religion, das Christentum, notwendig entstehen mußte, dessen Mängel und Fehler wiederum nur Reste des Judentums seien. Aber nicht beibehalten nicht beabsichtigt war, ohne Rücksicht aus die natürliche Unvollkommn° dem Christentum sondern auch dem Judentum viudicirt der Vers. Fortschrittsfähigkeit. Selbst das zukünftige Judentum darf noch den alten Namen l Fortsetzung folgt.)

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