Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Wilder und Wüsten Mendelssohns. Eine Kunstnotiz von S. Salfeld. Das stolze, stlbstcwnßtr Wart: „Ein Denkmal ivird die Nachwelt mir frviiijicii!" hätte der Teelenüese MoscS Mendelssohns nie entspringen, seinen Lippen nie nitschlüpfen kvynen. Glicht etwa, weil er von seinem Werte .sind dein Einflüße seines vielseitigen Wirkens weniger überzeugt gewesen iväre als der Philosoph des Pessimismus, nein — weil der in der dürftigen -Sphäre eines jüdischen Lehrerheims Denker auch Staninies, d> des Talmud : Thatcn sicher ans Dessau. wzvgeue, in seinen Jüuglingsjahren an Entbehrungen gewöhnte ls .Mail» anspruchslos und, nach dem Porbilde des Größten seines inntig-und-bescheiden blieb.- Darum stimmt auch der Ausspruch „Man setz! den Gerechten keine Denkmäler, den» ihre Worte, ihre t ihr Andenken!" so recht mit den Ansichten des schlichten Moses! Und wahrlich! Derjenige, der es verstand, mit der Geistesschärfe und in der stehrwerse eines Plato Unsterblichkeit zu lehren, bleibt unsterblich in der i fühlenden, denkenden Menschenseele und zur'Vermehrung seines Ruhmes braücht die Weisheit nicht ans Gassen und Pläüen ihre Stimme hören zu lassen (Prvv. 1.20). j Wenn bei diesen Erwägungen das intelligente Dessau sich trotzdem berufen fühlt, den Tag, an welchem vor hundert Jahren sein großer Sohn unter dein Bilde Gotthold Ephraim Lessings sein, dem Guten, Wahren und Schönen geiveihetes Leben anshauchte, den 4. Januar 1886 nicht nur durch eine Muster- Gedenkfeier auszuzeichnen, sondern auch dem edlen Menschen, dein bahnbrechenden Bibelübersetze', dem Vorkämpfer für deutsches Geistesleben, dem Befreier seiner geknechteten StaninieSgrnossen ein würdiges äußeres Denkmal sichern will, so geschieht dies aicht allein zur Ehre Mendelssohns, sondern auch zur Ehre Deutschlands, zur Ejrc der gebildeten Menschheit. Es ehrt das Volk sich selbst, das seine Todten ehrt. Und bei Mendelssohn gilt es, ein altes Unrecht wett zu machen, und! ihm, dei» der Ehrenplatz am Denkmal Friedrichs des Großen zu Berlin versagt wurdeweil er — nein trotzdem er für deutsche Sprache, deutschen Geist, besonders aber für die Popularisierung der Wissenschaft mehr geleistet hatte als (zehn zeitgenössische Professoren zusammen genommen. — Ja, zu unserer, zu Deutschlands Ehre soll ihm in seiner Vaterstadt, wo bereits das schmucklose Meüdelssohnhaus an ihn'erinnert, ein Denkmal gesetzt werden dem Todten zur Ehre, den Lebenden zur Lehre. Auch iu dieser Beziehung mögen angesichts des Gedenktages die unserm Schiller gewidmeten Worte des Altmeisters Goethe beherzigt werden: i „So feiert ihn! Denn was dem Mann das Leben j „Nur halb erteilt, soll ganz die Nachwelt geben!" Aber auch die Mitwelt war nicht undankbar. Mendelssohns persönliche Frestnde, seine zahlreichen Verehrer wollten ihm auf dem Opernplatz zu Berlin lliib 476), Freu nitfl'c: v. 1861)!) Auf dein Iriedrichsmonunieut zu Berlin, berichtet Kahserling (Moses Mendelssohn hätte M. M. als dem'Beförderer der Kultur unter den deutschen Inden, als dem treuesten n. Genossen, des deutschen Lessiug. als dem Berbrc.ter deutscher Philosophie, ein Platz iviesen werden müssen. Der an dem Entwurf des Monuments eifrist thätiste Kriegsminister Herr wünschte den Juden Ai. M. unter den Reliei-Ijgnren (Possische Zeitung v. 31. 111. — die Ausführung scheiterte an der höheren Macht."