Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-01-01 · Heft 1 (1.1.1886) · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 1 (1.1.1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969919-2969921--1549-2976153
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

9 steht, das Vertrauen darauf, daß das edle Befreiungswerk, welches nach so vielen vergeblichen Versuchen zu Stande gebracht ward, mm nicht an einem plötzlichen Zufalle scheitern könne, daß der guten Sache von Gott der Sieg beschieden sein mußte, das flößte!ihm einen unüberwindlichen Mut, eine unauslöschliche Begeisterung ein, so daß er standhaft blieb mitten in den bedrohlichen Gefahren, die von außen hero »stürmten, mitten in der kläglichen Verzagtheit, die von innen ihn niederzudri ckrn suchte. Dem dankvergessenen Volke macht Moses keine Vorwürfe, aber auch reine Zugeständnisse. Er geht über die ihm zugefügten Kränkungen schonend hinweg, aber er zieht sich auch um ihrer selbst willen nicht vor dem Volke zurück. Ja sein Mut wächst, seine Ziwersicht steigt und mit unbeugsamer Festigkeit harrt er auf seinem Standpunkte ans, weiß er selbst die Verzagten zu beruhigen, zu stärken, zu erheben. Gott wird für euch kämpfen, wenn auch kein Waffenklaug in euren Reihen tönt, spricht er zu den Verzweifelnden; die Zukunft gehört euer, wenn auch für den Augenblick der Gesichtskreis eurer Hoffnupg umwölkt und verdüstert ist. Gott, kämpft für die gute Sache, wenn auch alle diejenigen, die nmtig für sie einstehen sollten, in dumpfes Schweigen sich hüllen und in träge Teilnahinlosigkeit sich zurückziehen. Mag auch gar manchmal Hohn und Undank, Verkennung und Mißachtung der Lohn derer sein, die mit ernstem Sinne und freudiger Begeisterung für die Förderung der edelsten, der höchsten und hcisigsterk Angelegenheiten der Menschheit eintreten, wen» sie nur bei der Milde, mit der sie dies aufnehmen, bei der Schonung und Duldung, die sie selbst gegen die Undankbaren und Unvernünftigen üben, die Festigkeit des entschiedenen Willens, den Ernst ihres lauteren Strebens, den Eifer eines unermüdlichen Schaffens nicht verlieren, treu ausharren in ihrem Werke und freudig fortschreiten in ihrem Dienste, nicht zurückschrecken, auch wenn nicht im Augenblick der Erfolg ihrer Thaten sich zeigt, dann ivird nicht vergeblich sein ihr Streben, nach und nach, oft vielleicht auch zurückgedrängt, wird doch einst die Frucht des Heiles ersprießen aus den Saaten, die sie ansgestrent, denn das Gute schreitet immer weiter fort, ihm allein gehört die Zukunft, Gott ist in Ewigkeit sein Anwalt und Schirmer. Aus diesem Glauben stammt die wunderbare himmlische Kraft, welche aus schwachen Erdensöhnen kühne Geistesgestalten macht, die Menschenseele in kühnem Aufschivunge zu den Höhen geläuterter Vollendung erhebt, mit edler Treue und Hingebung im Dienste des Guten uns ausrüstet, mitten in allen den Versuchungen und Anfeindungen des Mißgeschickes freudigen Lebensmut uns verleiht und uns waffnet mit Liebe und Festigkeit, wenn Undank und Verkennung uns umgeben. Dieser Glaube ist der Quell aller sittlichen Hoheit, aller geistigen Erleuchtung, aller wahren Menscheugröße, aller Tugend und Lebensweisheit. Laßt ihn uns bewahren in unserem Herzen, laßt ihn hineinwirken in unser Leben. Die ans den Einigen hoffen, die verjüngen sich stets im Geiste, sie schwingen wie mit Adlersflug sich empor, sie schreiten fort nnd ermatten nicht, sie ziehen dahin und werden nicht müde!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.